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Immobilienmarkt in New York - Auf dem Gipfel des Kapitalismus

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Manhattan ist der wohl begehrteste Immobilienmarkt der Welt. Überall entstehen neue Wolkenkratzer, oft nur eine Wohnung pro Etage. Sinnbild für heutige Herausforderungen im Westen.

One57
One57 ist ein Super-Wolkenkratzer, der 2014 in New York fertiggestellt wurde.
Quelle: picture alliance / Wordsearch/Cover Images

Wir sind unterwegs mit Sebastian Steinau, einem Makler, der den Superreichen dieser Welt eine Behausung in New York vermittelt, und mit Charmel Lucas, die nicht weiß, ob sie sich jemals wieder eine eigene Wohnung leisten kann. Und das, obwohl sie arbeitet. Es ist die Momentaufnahme einer Welt, in denen die einen nicht wissen, wie es weitergehen soll, und die anderen nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Geld.

Sebastian Steinau gehört zur Makler-Elite New Yorks. Der 40-Jährige aus dem Sauerland hat in der Karibik sein Maklerhandwerk gelernt. Mit wohlhabendem Kundenstamm ist er nach New York gekommen und makelt hier nun Luxusimmobilien.

Ein "Schnäppchen" für 20 Millionen Dollar

Einen Tag lang führt er uns durch eine Welt, die für die meisten Menschen unerreichbar in einem anderen Universum liegt. Erster Stopp ist ein Reihenhaus in der Upper East Side, gehobene Kategorie: "Also die Lage ist 1A hier, es gibt viele private Schulen, auch viele staatliche Schulen sind hier", erklärt Steinau. "Es ist ein Produkt, das sehr viele Familien toll finden. Man kriegt ein schönes Wohnerlebnis hier über diese fünf Stockwerke." Ein realistischer Preis für das Objekt liege zwischen 20 und 25 Millionen Dollar.

Im Moment gebe es viel solcher "Schnäppchen" in New York. Die Zeit zum Kauf sei gut, wegen der politischen Großwetterlage kämen weniger Russen und Chinesen.

Er habe aber auch etwas Günstigeres im Angebot, ein Preisniveau für all diejenigen, für die 20 bis 25 Millionen dann doch ein bisschen viel sind. Steinau zeigt uns eine Wohnung in einem Hochhaus-Neubau, rund 130 Quadratmeter Fläche: "Das ist ein sehr erfolgreiches Gebäude, besonders, wenn man das mittlere Segment bedient, so zwischen drei und zehn Millionen. Die Lage ist spektakulär."

Tipp des Maklers: 40-fache der Monatsmiete verdienen

Zwischen 10.000 und 15.000 Dollar im Monat beträgt die Miete für so eine Wohnung, schätzt Steinau. Mindestens 400.000 Dollar im Jahr müsse man verdienen, um sich diese 130 Quadratmeter leisten zu können. Das 40-fache der Monatsmiete im Jahr, so rechnet Steinau.

Charmel Lucas ist davon weit entfernt. Eine New Yorkerin, alt eingesessen. Ein eigenes Apartment aber kann sie sich schon lange nicht mehr leisten und das trotz des Baubooms: "Jeden Tag schießen hier neue Gebäude aus dem Boden. Hier ein Haus, da zwei, überall." Aber normale New Yorker lebten nicht darin, so Lucas. "Sie können es sich einfach nicht leisten. Je mehr Gebäude gebaut werden, desto schneller steigen die Mieten."

Kontrast: Leben im schäbigen Hotelzimmer

Als Essenskurier bei Firmen wie Uber-Eats verdient Charmel Lucas 1.200 Dollar im Monat. Durch Hurrikan "Sandy" hat sie ihre Wohnung verloren. Seitdem ist sie obdachlos, obwohl sie eine Arbeit hat. Lucas lebt heute mit ihrem Partner in einem Zimmer eines ehemaligen Hotels, das die Stadt als Obdachlosenunterkunft angemietet hat. Hier wird klar, dass etwas völlig aus dem Ruder gelaufen ist.

Die Stadt New York zahlt ihnen 7.768 Dollar im Monat. Das ist der Preis für ihr schäbiges Hotelzimmer und das, obwohl in der ganzen Stadt mehr als 3.500 Mietshäuser leer stehen - genug, um allen Obdachlosen New Yorks eine bezahlbare Wohnung zu vermitteln. Das haben Charmel Lucas und ihre Obdachlosen-Selbsthilfegruppe "Picture the Homeless" herausgefunden. Zahlen, die die Stadt mittlerweile anerkannt hat.

Spekulanten warten auf ihre Chance

"Die Hausbesitzer warten ab und hoffen auf eine Wertsteigerung", erläutert Lucas. "Unsere Organisation hat die Leerstände gezählt und dabei kam raus, dass jede obdachlose Familie gleich zwei Apartments haben könnte."

Meist stehen die Häuser in den einkommensschwächeren Stadtteilen wie Harlem, der Bronx, Queens oder in Teilen von Brooklyn. Der Hintergrund: In New York gilt eine Mietpreisbremse. Die Eigentümer lassen die Häuser lieber leer stehen, als billig zu vermieten. Die Verluste setzen sie von der Steuer ab und sie spekulieren auf einen Mietpreisboom auch in den letzten günstigen Wohngegenden. Dann erst wird saniert und zu Höchstpreisen neu vermietet.

MOMA-Tower: Eine Wohnung für 100 Millionen Dollar

Sebastian Steinauers Kunden lassen sich von Marktregulierungen wie etwa einer Zeitwohnungssteuer nicht beeindrucken. Da sind ein 25-Meter-Pool oder eine Golf-Simulationsanlage schon eher Entscheidungskriterien. Im neu gebauten MOMA-Tower zeigt er uns seine Top-Immobilie - ein Penthouse über zwei Etagen. Eine sogenannte Trophäenimmobilie für Superreiche, meist als Zweit- oder Drittwohnsitz gedacht und als sichere Geldanlage. 100 Millionen Dollar soll die Wohnung kosten.

Aber damit ist es nicht getan, sagt Steinau: "Bei so einer Immobilie von etwa 1.000 Quadratmetern Größe kommen nochmal rund 30.000 Dollar Nebenkosten im Monat dazu." Wir stellen uns die Frage, ob das alles gut gehen kann: Wenn die einen im Monat mehr an Nebenkosten für ihre Wohnung zahlen, als die anderen im Jahr verdienen.

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