Sie sind hier:

Imran Khan vereidigt - Ex-Kricket-Star wird Regierungschef Pakistans

Datum:

Die einen sehen ihn als Populisten, die anderen als Reformer Pakistans: Imran Khan wurde im Präsidentenpalast in Islamabad als neuer Regierungschef des Atomstaats vereidigt.

Der frühere Kricketstar Imran Khan hat sein Amt als pakistanischer Regierungschef offiziell angetreten. Der 65-Jährige legte seinen Amtseid ab.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Der 65-jährige ehemalige Kricket-Star Imran Kahn ist neuer Premierminister und steht vor großen Herausforderungen. Das Land ist nicht nur mit großen Sicherheitsproblemen angesichts militanter Islamisten konfrontiert. Pakistan machen auch eine hohe Arbeitslosigkeit, grassierende Inflation, Korruption, eklatante Mängel bei der Wasser- und Energieversorgung und rasantes Bevölkerungswachstum zu schaffen.

Das von Khan verkündete "Neue Pakistan" verkörpert das Ende jahrzehntelanger Herrschaft durch die einander an der Regierung abwechselnden Parteien Muslimliga-Nawaz (PML-N) und Pakistanische Volkspartei (PPP), unterbrochen durch Perioden, in denen das Militär an der Macht war. Bei der Parlamentswahl Ende Juli war Khan mit seiner Partei Tehreek-e-Insaf (PTI) siegreich, die bis dahin immer nur eine Handvoll Sitze im Parlament erringen konnte, nie die absolute Mehrheit. Daher muss sich die Khan-Partei mit kleineren Parteien und unabhängigen Kandidaten zusammentun. Die Gegner des neuen Regierungschefs attackieren ihn als "Taliban Khan", der sich mit islamistischen Gruppen verbündet habe und vom mächtigen Militär unterstützt werde. Seine Anhänger verehren ihn als Reformer, der energisch gegen die Korruption kämpft und soziale Wohltaten verteilt.

Radikale Ansichten

Der aus einer reichen Familie in Lahore stammende Khan studierte an den besten Universitäten Pakistans und Großbritanniens. Mit 19 Jahren wurde er Mitglied der pakistanischen Kricket-Nationalmannschaft. 1992 führte er das Nationalteam als Kapitän zur Weltmeisterschaft. Noch heute verehren ihn deshalb Millionen Pakistaner. Nach Khans Rückzug aus dem Profisport folgten Jahre als Playboy. Dabei blieb ihm vor allem die Londoner Boulevardpresse auf den Fersen. Zwischen 1995 und 2004 war er mit der britischen Filmproduzentin und Polit-Aktivistin Jemima Goldsmith verheiratet. Sie konvertierte für ihn zum Islam, das Paar bekam zwei Kinder.

Neuer pakistanischer Ministerpräsident Imran Khan
Die Werbung hatte Erfolg: Imran Khan ist neuer Regierungschef Pakistans.
Quelle: ap

Eine 2015 mit der Journalistin Reham Khan geschlossene zweite Ehe dauerte nur einige Monate. Anfang 2018 ehelichte Khan seine Beraterin Bushra Maneka, heute als Bushra Bibi bekannt. Sie war bei der Hochzeit vollverschleiert - ein Zeichen des religiösen Konservatismus. Auch bei der Vereidigung ihres Mannes war sie tief verschleiert und senkte sittsam den Blick. Khan näherte sich in seinen Positionen in den vergangenen Jahren mehr und mehr radikalislamischen Positionen an. Der Populist wirbt für einen Dialog mit gewaltbereiten Rebellen, seine Partei ist mit Religionsführer Sami ul Haq verbunden, der auch als "Vater der Taliban" bekannt ist.

Hoffnung auf Reformen

In dessen Koranschulen wurden einst spätere Taliban-Größen wie Mullah Omar ausgebildet. Zuletzt verkündete Anfang des Monats auch die mit Al-Kaida verbundene Gruppe Harkat-ul-Mujahideen ihre Unterstützung für Khans PTI. In Pakistan gilt Khan dennoch vielen schlicht als Mensch, der seinem Volk Reformen und einen "Islamischen Wohlfahrtsstaat" verspricht.

Auch die Mittelschicht, die genug hat von der weit verbreiteten Korruption und der Vetternwirtschaft im Lande, findet sich in seinen Slogans wieder. Hoch angerechnet wird ihm auch, dass er nach seiner Sportlerkarriere eine Universität und Krankenhäuser bauen ließ. Im Wahlkampf sprach sich Khan aber auch für den Erhalt der umstrittenen Gesetze zur Gotteslästerung aus, wofür im Extremfall sogar die Todesstrafe verhängt werden kann. Für einen Aufschrei in liberalen Kreisen sorgte zudem seine Aussage, der Feminismus habe "die Rolle der Mutter herabgesetzt".

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.