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Studenten in den USA - Vom Hörsaal in die Obdachlosigkeit

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Keine Bleibe, kein vernünftiges Essen - und trotzdem den Abschluss schaffen: Viele Studenten in den USA wissen nicht, wo sie die Nächte verbringen sollen. Die Zahl der obdachlosen Hochschüler steigt, zeigen aktuelle Erhebungen. Um aus dieser Situation herauszukommen, braucht es Glück.

Jennifer Carr ist nicht die typische College-Studentin. Sie ist 37 Jahre alt, hat mit Drogen- und Alkoholsucht gekämpft und weiß, wie es ist, auf der Straße zu stehen. Auch jetzt, als Hochschülerin, hat sie nur eine Notunterkunft. Doch auch wenn die Amerikanerin aus dem Rahmen fällt, so tun es doch viele mit ihr: Studien zufolge sind Tausende Studenten in den USA obdachlos oder haben nur eine unzureichende Bleibe.

"Ich wusste nicht, wohin“

"Für viele ist es ein Widerspruch in sich - obdachloser Student", sagt Paul Toro, Psychologieprofessor an der Wayne State University in Detroit. "Wenn man ein College-Hochschüler ist, hatte man doch offensichtlich genug, um ans College zu kommen, also kann man nicht obdachlos sein." Toros Untersuchungen aber sprechen eine andere Sprache: Demnach haben fünf Prozent der Studenten an der Wayne State keine oder nur eine unangemessene Unterkunft.

"Ich wusste nicht, wohin. Ich habe in meinem Auto geschlafen. Ich hatte keinen Job mehr und bin aus meiner Wohnung geflogen", berichtet Jennifer Carr. "Ich habe mich dafür geschämt, in meinem Auto zu leben." Rund 30.000 Studenten hat die Wayne State University. "Nimmt man fünf Prozent davon, dann ist das eine Menge", sagt Forscher Toro. Alleine an der einen Hochschule seien das schon um die 1.500 jungen Leute.

Mindestens 14 Prozent Obdachlose?

US-weit gibt es nur wenige Daten dazu. Sara Goldrick-Rab geht von deutlich mehr Betroffenen aus. Die Professorin der Temple University in Philadelphia veröffentlichte kürzlich eine Erhebung aus 70 sogenannten Community Colleges in 24 US-Staaten und kam auf mehr als die doppelte Prozentzahl. "Wir sind die dritte Studie, die 13 oder 14 Prozent herausbekam", sagt Goldrick-Rab. Große Sorge mache ihr aber der Gedanke, dass das noch stark zu kurz gegriffen sein könnte, denn der elektronische Umfrageweg sei nicht das beste Mittel, die Hochschüler zu erreichen.

Ihre Erhebungen verwiesen zudem darauf, dass rund ein Drittel der 33.000 befragten Studenten Probleme hätten, ausreichend zu essen, berichtet Goldrick-Rab. Das werde viel zu wenig zur Kenntnis genommen. "Wir haben so ungefähr die Einstellung: "Den Kids geht's gut"", erklärt die Professorin. Schließlich seien sie am College, das als Sinnbild für den Weg aus der Armut gilt. Doch mit dem Studium seien die jungen Leute früherer Armut noch längst nicht entkommen - "nicht, bevor man seinen Abschluss hat und oft noch Jahre darüber hinaus nicht", betont Goldrick-Rab.
Sie fordert bessere Unterstützung, nicht nur vom Staat. So appelliert die Professorin an Hilfsorganisationen und Unternehmen, die Bedürftigen nicht allein zu lassen. Als löbliches Beispiel nennt sie die Southern-Scholarship-Stiftung in Florida, die schon seit mehr als 60 Jahren mietfreie Unterkünfte zur Verfügung stellt.

Schluss mit der Stigmatisierung

Jennifer Carr, noch im ersten Semester, will auch im Hochschulalltag das Problem aus dem Dunkeln holen. "Man muss mehr darüber reden", fordert sie. Und die Stigmatisierung müsse ein Ende haben. "Man kann doch kein Urteil über die Leute fällen." Eine ganze Reihe von jungen Menschen wollten so unbedingt ans College, dass sie alles dafür tun würden, auch unter noch so widrigen Umständen. "Also müssen wir auf jeden Fall darüber sprechen."

Sie selbst hat Unterschlupf in einem Übergangswohnheim gefunden und ist entschlossen, ihre Ausbildung nicht leiden zu lassen. "Ich will nicht stehen bleiben", betont sie. "Ich will weiterkommen."

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