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Rekordtemperaturen - In der Arktis brennt es weiter

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Brände in der Arktis sind normal. Von Mai bis Oktober gehören sie zum natürlichen ökologischen Kreislauf der Region. In diesem Jahr aber brennt es häufiger und länger als sonst.

"Beispiellos", nennt die Weltorganisation für Meteorologie die aktuelle Waldbrandsituation in der Arktis. Seit Anfang Juni wurden alleine innerhalb des nördlichen Polarkreises über 100 intensive und langlebige Brände festgestellt. Dadurch wurden allein im Monat Juni 50 Megatonnen CO2 freigesetzt - so viel wie Schweden in einem ganzen Jahr ausstößt und mehr als in den Jahren 2010 bis 2018 im gleichen Monat zusammen. Besonders intensiv brennen die Feuer in Alaska und Sibirien, wo manche Brände so groß sind wie 100.000 Fußballfelder.

Der Grund für die intensiven Waldbrände sind ungewöhnlich heiße und trockene Verhältnisse in den betroffenen Regionen. Nicht nur im Jahr 2018, sondern eben auch 2019. Am vergangenen Sonntag  hat die nördlichste dauerhaft bewohnte Siedlung der Erde - Alert in Nordkanada - einen Temperaturrekord von 21 Grad erlebt. In Alert liegen die Durchschnittstemperaturen im Juli für gewöhnlich bei 3,4 Grad. Am Flughafen von Anchorage, der größten Stadt Alaskas, wurde am 4. Juni mit 32,2 Grad ein 50 Jahre alter Temperaturrekord gebrochen. Und dort wo in Sibirien zurzeit die heftigsten Feuer wüten, war es im Juni fast zehn Grad wärmer als im langjährigen Mittel von 1981 bis 2010. Zudem war der Juni 2019 der global heißeste je gemessene Juni.

In der Arktis schlägt der Klimawandel schneller zu

In einem wärmeren Klima mit steigenden Temperaturen und sich verändernden Regenfällen werden arktische Waldbrände zukünftig noch häufiger. Denn in der Arktis schlägt der Klimawandel schneller zu als irgendwo sonst. Unter anderem auch, weil sich besonders hier sein Effekt selbst verstärkt.

Nicht nur das Treibhausgas CO2 wird durch die Brände freigesetzt, sondern auch dunkle Ruß- und Feinstaubpartikel. Die legen sich wie ein dunkler Film auf die weißen Schnee- und Eisflächen, absorbieren dann mehr Sonnenenergie und tragen so zu einem schnelleren Tauen des Eises bei. Diese Partikel zusammen mit anderen ungesunden Gasen sorgen übrigens auch für eine erhöhte Luftverschmutzung. Nach Angaben der Behörden in Alaska leiden viele Gemeinden seit Wochen unter schlechter Luftqualität. Auch Evakuierungen habe es schon gegeben.

Zudem gefährden die Waldbrände die Permafrostböden der Region. Das Feuer frisst sich durch darüber liegende Torfböden und Vegetation und beschädigt so deren natürliche Isolationsschicht. Die Folge: Der Permafrost kann schneller tauen. Das dadurch freigelegte organische Material wird von Mikroorganismen zersetzt. Dabei wird wiederum Methan frei, das wie CO2 zu den Treibhausgasen gehört. So treibt sich der Klimawandel selbst weiter voran.

Christa Stipp ist ZDF-Meteorologin.

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