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Bundeswehr-Soldatin im ZDF-Interview - Mali-Einsatz: "Jeden von uns hätte es treffen können"

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Beatrix Becker aus Bad Reichenhall ist Mutter - und als Oberstabsärztin für zweieinhalb Monate auf Auslandseinsatz in Mali, wo vergangene Woche zwei ihrer Kameraden tödlich mit einem Hubschrauber verunglückten. Warum das nichts an ihrem Auftrag ändert, erzählt die Soldatin im heute.de-Interview.

Nach dem Absturz eines Kampfhubschraubers in Mali, bei dem zwei Bundeswehrsoldaten tödlich verunglückt sind, suchen Experten nun nach der Ursache. Es gab Zweifel, ob dieser Hubschrauber für Einsätze in großer Hitze überhaupt geeignet ist.

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heute.de: Als Sie Anfang Juni nach Mali kamen, was war Ihr erster Eindruck vom Land?

Beatrix Becker: Ich war sehr beeindruckt im ersten Moment. Als ich kam, begann gerade die Regenzeit, und das Land wurde zunehmend grüner. Das hatte ich mir deutlich anders vorgestellt. Was mich natürlich beschäftigt, ist die Armut. Wenn man vom Flughafen in der Hauptstadt Bamako zum Camp in Koulikoro fährt, sieht man viele schlimme Behausungen, Kinder, die an der Straße betteln, auch kranke Menschen. Das hat mich sehr mitgenommen.

heute.de: Im Trainingscamp Koulikoro hat die Bundeswehr im Rahmen der European Union Training Mission (EUTM) seit 2013 über 10.000 malische Streitkräfte ausgebildet. Was ist Ihr Job da genau?

Becker: Wir sind bei der infanteristischen Ausbildung dabei. Das heißt: Wir gehen mit raus, wenn es um Schießübungen geht oder um Häuserkampf. Es kann immer was passieren, und da braucht man uns als mobile Sanitätskräfte. Wir haben auch schon malische Soldaten operiert. Der Kontakt im Alltag ist sehr freundlich.

heute.de: Verbessert hat sich die Situation in Mali und den anderen Sahelstaaten bisher nicht wirklich. Ist dieses Ziel der "Ertüchtigung" trotzdem eine gute Idee?

Becker: Ich halte das grundsätzlich für einen guten Ansatz. Ich glaube, dass wir in der Welt, in der wir leben, Hilfe zur Selbsthilfe leisten müssen und dass das der richtige Weg ist. Natürlich gibt es Probleme beim Equipment der malischen Soldaten. Da nützt es dann auch nicht viel, wenn wir unser deutsches Know-how mitbringen, aber deren Waffen nicht mehr funktionstüchtig sind oder keine Schutzwesten vorhanden sind, Autos fehlen. Dann muss man sich auch fragen, ob das nicht ein Punkt ist, wo wir vielleicht noch mal nachsteuern müssen.

heute.de: Sie sind vor kurzem erst Mutter geworden, trotzdem sind Sie hier im derzeit wohl gefährlichsten Einsatz der Bundeswehr. Warum machen Sie das?

Becker: Ich habe eine kleine Tochter, noch kein Jahr alt. Mein Mann ist gerade in Elternzeit und macht das ganz hervorragend. Auch das ist Teil meines Berufes, dass ich trotz Kind in den Auslandseinsatz gehe. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit, ich bin dafür ausgebildet, ich werde dafür bezahlt. Aber zu sagen, dass mein Kind mir nicht fehlen würde, wäre nicht die Wahrheit. Es ist sehr schwer, ich verpasse viel: wie sie anfängt zu krabbeln, ihre ersten Worte. Das ist natürlich nicht einfach. Aber wir haben wirklich gute Möglichkeiten, Kontakt zu halten, wir können über Connect-D (Kommunikationssystem der Bundeswehr, Anmerkung der Redaktion) bis zu drei Stunden am Tag nach Hause telefonieren. Dazu WhatsApp, Facetime… Ich bin also in ständigem Kontakt mit meiner Familie und mein Mann hält mich über alles auf dem Laufenden.

heute.de: Zwei Ihrer Kameraden im Camp Castor in Gao sind letzte Woche bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen. Die Ursache ist nach wie vor ungeklärt. Was macht das mit Ihnen?

Becker: Es erzeugt Betroffenheit. Das ist nicht weit weg von uns. Es sind Kameraden, auch wenn man sie nicht gekannt hat. Das war auch für uns ein schwerer Tag hier im Lager, wir haben eine Trauerfeier abgehalten. Das geht einem einfach nahe, weil einem der ganze Einsatz einfach bewusster wird. Es wird plötzlich realer, greifbarer. Es hätte jeder von uns in diesem Hubschrauber sitzen können. Das ist leider so.

heute.de: Ist das ein Moment, in dem man die Sinnhaftigkeit des ganzen Einsatzes in Frage stellt?

Becker: Ich persönlich nicht. Ich bin Soldat, das gehört dazu, so traurig das ist. Der Soldatenberuf bringt das mit sich. Ich habe nie gezweifelt, aber natürlich lässt dich das nachdenken. So etwas sollte nicht passieren, aber in meinen Augen wird sich das nicht verhindern lassen. Wir sind Soldaten, und das war schon immer so.

heute.de: Würden Sie noch mal ins Ausland gehen?

Becker: Selbstverständlich.

Das Interview führte Christiane Hübscher

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