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Reportage - Tibet: Chinesische Führung weiter dünnhäutig

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China lässt westliche Journalisten meist nicht nach Tibet. Unter Aufsicht durfte ein ZDF-Team einreisen - am Ende gelang ihm ein tieferer Einblick als den Aufpassern lieb war.

Bei der Landung in Lhasa säumen Kampfjets und Militärhubschrauber die Landebahn. Der erste Eindruck von Tibet ist der einer Provinz, die unter Waffen steht. Sie richten sich nach Süden, gegen den Rivalen Indien. Aber es wirkt auch wie eine Drohung nach innen, gegen Tibeter, denen Peking bis heute misstraut.

Journalisten aus dem Westen dürfen selten nach Tibet. Unserem ZDF-Korrespondenten Thomas Reichart ist es nach fünf Jahren erstmals erlaubt worden, dort zu drehen. Er zeigt Bilder aus einem fast unbekannten Land.

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Dalai Lama indirekt immer präsent

Wir sind fünf Journalisten aus den USA, Japan, Russland und Deutschland. Die nächsten sechs Tage stehen wir rund um die Uhr unter Aufsicht von Regierung und Partei. Unsere Begleiter sind freundlich. Doch der Besuchsplan für unsere Tibetreise ist so eng, dass wir uns weder frei bewegen, noch reden können, mit wem wir wollen.

Eigentlich soll es darum gehen, wie gut es Tibet heute geht. Wie weit es sich unter der Herrschaft von Chinas Kommunistischer Partei entwickelt hat. Das Erstaunliche aber ist, dass es immer auch irgendwie um den Dalai Lama geht, um den es gerade nicht gehen soll.

Nur noch Museum

Im Potala-Palast, seiner ehemaligen Residenz, sieht man heute die Bilder der neuen Herrscher, einer kommunistischen Fünf-Faltigkeit von Mao bis Xi Jinping. Seit 1951 gehört Tibet zur Volkrepublik China. Acht Jahre später kam es zu einem Aufstand gegen die chinesischen Truppen, der Dalai Lama floh aus Lhasa in sein Exil in Indien.

Würde China es erlauben, frage ich den Direktor des Palastmuseums, dass ein neuer Dalai Lama wieder in den Potala zieht? Nein. Der Museumsdirektor schüttelt den Kopf. Und der Mann von Tibets Provinzregierung springt ihm bei. Der Potala ist ein Museum. Ein neuer Dalai Lama passe da nicht hin.

Parteisekretär erklärt die Spielregeln

Was überall hin passt, ist die chinesische Flagge. Sogar auf dem wichtigsten Heiligtum der Tibeter, dem Jokhang-Tempel. Als wäre sich China seiner Herrschaft doch nicht so sicher. Für chinesische Touristen ist auch das oft nur ein Museum. Ein Ort für schöne Bilder, in historischer Tracht. Gleich nebendran aber sind die Gebetsmühlen, die Gläubigen, die sich ganz traditionell für ihr Gebet auf den Boden werfen. Für Tibeter sind diese Orte eben viel mehr als nur Museen.

Das ist die Kluft, der Konflikt. Und im Sera-Kloster merken wir, wie dünn das Eis ist und wie groß das Misstrauen der Obrigkeit. Das Kloster hat einen Parteisekretär, der das große Wort führt und ganz offen die Spielregeln erklärt. Partei und Staat forderten von jedem Bürger Patriotismus. Das gleiche gelte für die Mönche. Und dann: "Wer die Interessen der Regierenden bedroht, muss bestraft werden." Die Mönche, die mit dabei stehen, sind plötzlich ganz still geworden. Wie eine Drohung hängt der letzte Satz über unserem Abschied.

Folklore und Druck

Bei der Audienz beim Vizegouverneur Luobo Dunzhu bekommen wir tibetische Schals. Ein bisschen Folklore eben, sanfte Machtausübung. Aber dann, als es plötzlich wieder um den Dalai Lama geht, wird er knallhart. Tibet gehöre schon immer zu China, die Kommunisten hätten die Tibeter aus dem Elend befreit, in dem sie unter dem Dalai Lama gelebt hätten. "Unabhängigkeit für Tibet, das geht nicht", findet der Vizegouverneur, "auch keine weitgehende Autonomie."

Im Grunde dürfe der Dalai Lama auch keine Exil-Regierung im Ausland haben. Es ist Pekings reine Lehre. Überraschend ist nur die Verve, ja die Wut, die hervorbricht, wenn es um den Dalai Lama geht und um den Einfluss, den er immer noch zu haben scheint.

Der Vizegouverneur wünscht sich ein neues Lhasa - ganz modern und ganz chinesisch. Das ist etwas, das einem heute schon auffällt, wenn man nach Lhasa kommt. Wie sehr die Stadt inzwischen vielen anderen Städten in China gleicht. Wie viel gebaut wird. Peking investiert Milliarden in Lhasa und in der ganzen Provinz und versucht auf diese Weise Tibet möglichst eng anzubinden und letztlich auch anzugleichen. Auch wenn man rausfährt aus der Stadt, sieht man überall Baustellen.

Infrastruktur ausgebaut

Tibet, das Dach der Welt, war vielleicht einmal einer der am schwersten zugänglichen Orte der Welt. Jetzt aber wird es erschlossen mit Eisenbahnlinien, Autobahnen, Flughäfen. Drei Stunden Flugzeit von Peking. Ein Klacks, wo man früher Wochen oder sogar Monate brauchte. Ausländische Journalisten aber müssen weiter warten, dass irgendwann ein Anruf kommt. Sie dürfen nach wie vor nur ausnahmsweise nach Tibet.

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