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Vorboten eines Guerillakrieges?

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Machtkampf in Venezuela - Vorboten eines Guerillakrieges?

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Bewaffnete oppositionelle Gruppen rufen im Netz zum Widerstand auf. In Venezuela mehren sich die Anzeichen für einen bewaffneten Kampf gegen das Maduro-Regime.

Blick auf eine Wohnsiedlung in Caracas während eines massiven Stromausfalls in Venezuela
Caracas ohne Strom

Wieder einmal wird der Horizont in Caracas von hellem Lichterschein erleuchtet. Irgendwo in der venezolanischen Hauptstadt ist wieder ein Transformator explodiert oder in Flammen aufgegangen. Irgendwo in der von Stromausfällen und Trinkwassermangel leidgeprüften Stadt gehen damit wieder einmal die Lichter aus.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

User stellen die Bilder und Clips von diesen Ereignissen ins Netz und kommentieren Posts: Was ist da los? Auch gut eine Woche nach dem massiven Blackout, der im ganzen Land für Plünderungen und Chaos sorgte, gibt es vereinzelt immer wieder Stromausfälle.

Venezuelas sozialistischer Präsident Nicolás Maduro und dessen Gegenspieler, Parlamentspräsident und selbst ernannter Übergangspräsident Juan Guaidó, machen sich gegenseitig dafür verantwortlich. Maduro spricht von einer großangelegten Attacke gegen sein Land, einem Angriff, der aus drei Phasen besteht: Hacker-Angriff, elektromagnetische Attacke und Sprengung von Transformatoren. Beweise konnte Maduro dafür bislang keine vorlegen. Die soll nun eine Kommission aus Russland, Kuba, China und dem Iran finden - allesamt Verbündete des Maduro-Regimes.

Parlamentspräsident Guaidó wirft der Regierung dagegen vor, die Infrastruktur des Landes jahrelang vernachlässigt zu haben. Der Verband der in der Elektroindustrie tätigen Mitarbeiter, Fetraelec, stützt diese Behauptung. Er fordert den sofortigen Rücktritt des zuständigen Ministers Luis Alfredo Motta Domínguez, der in Personalunion auch Chef des staatlichen Energieversorgers Corpoelec ist.

Inzwischen tauchen im Netz zahlreiche Clips aus den vergangenen Jahren auf. Beschwerden von Mitarbeitern, die vor dem Kollaps des betreffenden Wasserkraftwerks El Gurri warnen, weil Vandalismus und fehlende Instandsetzung die Anlage bedrohten. Die Rede ist auch von nicht eingelösten Versprechen der Regierung über Investitionen in die Versorgungseinrichtungen.

Explodierende Transformatoren, Aufrufe zur Gewalt

Archiv: Nach einem Transformatorbrand in Caracas, Venezuela, aufgenommen am 11.03.2019
Ein ausgebrannter Transformator

Tatsächlich auffällig ist allerdings die Zahl der in Caracas explodierenden Transformatoren. Ein ähnliches Phänomen gab es in den letzten Jahren im Nachbarland Kolumbien. Die linksgerichtete ELN-Guerilla und die damals noch aktive FARC griffen immer wieder gezielt die Stromversorgung, aber auch die Ölpipelines des Landes an. Darunter litt vor allem die Landbevölkerung, aber auch die Umwelt.

Und noch etwas ist besorgniserregend: Weil die Opposition trotz Wahlsieg bei der Parlamentswahl Ende 2015 - Maduro entmachtete später die Nationalversammlung - und trotz Massenprotesten gegen die Regierung nicht weiterkommt, mehren sich die Anzeichen, dass sich zunehmend Teile der enttäuschten venezolanischen Opposition radikalisieren und bewaffnen. Sie glauben nicht mehr daran, dass sich das Maduro-Regime auf friedliche Weise stürzen lässt und international beobachtete Neuwahlen kommen. In den Netzwerken tauchen Aufrufe von bewaffneten Gruppen auf.

Guaidó-Mitarbeiter verhaftet

Guaidó muss seit Donnerstag ohne seinen wichtigsten Helfer auskommen. Roberto Marrero, Büroleiter von Guaidó, wurde von maskierten Mitarbeitern des Geheimdienstes aus seinem Haus geholt. Er sei in eine terroristische Zelle involviert und direkt verantwortlich für die Organisation krimineller Gruppen, sagte der venezolanische Innenminister Nestor Luis Reverol.

Laut offiziellen Angaben wurden Waffen im Haus Marreros gefunden, Guaidó warf den Sicherheitskräften vor, die Waffen selbst ins Haus gebracht und sie Marrero untergeschoben zu haben. Guaidó ist gerade dabei, seine Landsleute für einen "Marsch auf Caracas" zu mobilisieren, mit dem die Venezolaner das sozialistische Regime von der Macht verdrängen sollen.

UNO kritisiert venezolanische Regierung

Die Verhaftung Marreros erfolgte nur einen Tag, nachdem das UN-Menschenrechtskommissariat schwere Vorwürfe gegen die Regierung erhoben hatte und schwere sowie allgegenwärtige Menschenrechtsverletzungen kritisierte. Zugleich wiesen die UN daraufhin, dass die internationalen Sanktionen die Lage im Land noch weiter verschlimmern könnten.

Guaidós Opposition kündigte an, einen zweiten Versuch zu starten, die in Kolumbien eingelagerten humanitären Hilfspakete nach Venezuela bringen zu wollen. Wie das diesmal gelingen soll, weiß allerdings niemand.

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