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Indie-Entwickler auf Gamescom - "Es ist schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen"

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Neben etablierten Spielekonzernen präsentieren mehr als 140 Kleinst-Studios auf der Gamescom ihre Schöpfungen. Für Spielefans die Gelegenheit die Hits von morgen zu testen.

Die Spielebranche ist ein Milliardengeschäft. Das zeigt sich auf der Kölner Spielemesse Gamescom wo Konzerne wie Microsoft, Ubisoft oder Electronic Arts ihre neusten Spiele auf riesigen Leinwänden vorführen und Tausende Spieler teilweise über Stunden warten, um einen der begehrten neuen Titel anzuspielen. Von den Entwicklern können die Spieler hier allenfalls einen Blick erhaschen, wenn diese auf einer der vielen Bühnen ein kurzes Interview geben.

Ruheinsel voller Ideen

Nach komplett anderen Regeln geht es in der Halle 10.2 zu, wo - etwas abgeschieden vom größten Messe-Trubel - die sogenannten Indie-Entwickler ihre Spiele vorstellen. Hierbei handelt es sich um kleine Firmen, die bei keinem der großen Vertriebsunternehmen unter Vertrag stehen. Die Stände sind entsprechend winzig: Oft bestehen sie allenfalls aus einem kleinen Tisch, einem Computer und einem hoffnungsvollen Entwickler.

Hier kann sich jeder Spiele-Interessierte direkt einen Eindruck von neuen Spielideen verschaffen und mit den Schöpfern direkt darüber sprechen. Die Bandbreite ist groß: von der aufwändigen Weltraum-Simulation über kleine Puzzlespiele bis zum atmosphärisch dicht erzählten Abenteuerspiel. 140 Entwickler aus 30 Ländern stellen hier ihre Ideen vor.

Frisch von der Uni

Beim ersten Spiel, das wir entwickelt haben, haben wir uns übernommen.
Aaron Preece, Entwickler und Firmenchef

Eine der Kleinstfirmen ist Fox Byte aus dem englischen Middlesbrough. Ganze fünf Angestellte arbeiten für die Firma. Allesamt hatten sich an der lokalen Universität kennengelernt. Dank der staatlichen Spieleförderung und einem Geschäfts-Inkubator ihrer Universität konnten sie die ersten Jahre überbrücken, um das Geschäft des Spieleentwickelns in der Praxis zu erlernen. Die erste Lektion war schmerzhaft: "Beim ersten Spiel, das wir entwickelt haben, haben wir uns übernommen", sagt Entwickler und Firmenchef Aaron Preece. Also gaben sie das Projekt auf.

Auf der Gamescom präsentiert Fox Byte deshalb ein eher kleines Spiel: Bei "Beat Your Meat" malträtieren sich kleine Comic-Schweine mit Holzhämmern – ein albernes Party-Spiel, bei dem sich bis zu vier Spieler an PC oder Konsole gegenseitig nach Herzenslust vermöbeln können. Über ein Jahr haben die Entwickler bereits in das Projekt reingesteckt, ein weiteres halbes Jahr dauert es mindestens bis das Spiel marktreif ist. Die Zeit wollen die Entwickler nutzen, um sich eine  Fangemeinde aufzubauen. So haben sie eine Testversion bereits zum Herunterladen bereitgestellt. Nun fiebern sie darauf, dem Gamescom-Publikum das neue Spiel nahe zu bringen, damit diese das Spiel auf ihre Wunschliste setzen. 

Ein Spiel unter Tausenden

Eine solche Fangemeinde ist überlebenswichtig für Neuankömmlinge auf dem Spielemarkt. Denn um sich unter den tausenden Spielen bei Diensten wie Steam hervorzutun, benötigt man gute Kritiken. Nur wer eine aktive Spielerschaft vorweisen kann, wird von den Plattformen ganz oben angezeigt. Ein anderer Weg ist es, einen Publisher zu finden, der Geld in Werbung steckt.

"Ein Spiel zu veröffentlichen ist einfach – es ist aber sehr schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen", bestätigt Tamás Bakó. Früher hatte der Ungar bei großen Spiele-Schmieden wie Sony in England gearbeitet. Im vergangenen Jahr hatten er und drei seiner Kollegen genug von der Arbeit an den internationalen Großprojekten wie "The Witcher" oder "Need For Speed". Sie gründeten ihr eigenes Studio namens "The Wild Gentlemen" in Budapest und begannen mit der Entwicklung ihres ersten Spiels auf eigene Faust. Es heißt "Chicken Police" und soll im kommenden März erscheinen. Es handelt sich um ein skurriles Abenteuerspiel im Stil eines Film Noir, bei dem die Ermittler Hühner sind.

Wir sind Software-Entwickler – wir haben wenig Erfahrung darin, wie man ein Spiel bewirbt und verkauft.
Tamás Bakó, Mitbegründer von "The Wild Gentleman"

Zwar wollen die Entwickler auch in Köln ein neues Publikum finden. Wichtiger sind ihnen jedoch Geschäftspartner. "Wir sind Software-Entwickler – wir haben wenig Erfahrung darin, wie man ein Spiel bewirbt und verkauft", sagt Bakó. Deshalb suchen die Firmengründer einen Vertriebspartner, der ihnen hilft ihr Spiel einem möglichst breiten Publikum bekannt zu machen. Den Auftritt auf der Gamescom sehen sie schon als Erfolg. So wurden die "Wild Gentlemen" bereits zu anderen Konferenzen eingeladen, wo sie ihr Spiel präsentieren können. Wieder eine Chance, sich im Meer an neuen Spielen hervorzutun.

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