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Big Business am Ganges - Das Milliardengeschäft des Baba Ramdev

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Baba Ramdev ist Indiens populärster Guru. Mit Yoga und Ayurveda hat er ein Milliardenimperium aufgebaut. Satt ist er aber nicht - und der politische Zeitgeist ist mit ihm.

Millionen folgen ihm, wenn er Yoga macht. Er ist Experte für Politik und ein Wirtschaftsmogul – Baba Ramdev. Er hat auf alles eine Antwort. Und für alles ein Produkt.

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Die Bühne im Sportstadion könnte kaum hochkarätiger besetzt sein. Der indische Finanzminister führt eine lange Liste von Kabinettskollegen an, auch der Chef der Regierungspartei BJP ist gekommen. Aber der Star da oben ist ein anderer: ein Mann im schlichten orangefarbenen Gewand, mit Holzlatschen an den Füßen, mit Pferdeschwanz und langem schwarzen Bart: Baba Ramdev, Indiens bekanntester Guru.

Dass ein Guru schwebt - vielleicht kann man das in gewisser Weise ja erwarten. Ramdev jedenfalls schwebt auf einer Woge des Erfolgs. Seine Anhängerschaft ist unüberschaubar groß, kommt aus allen Teilen der Gesellschaft und reicht eben bis in die Spitze des Staates. Premierminister Narendra Modi ist ein Freund. Ramdev und Modi wissen, ihr Ziel ist dasselbe: ein starkes, selbstbewusstes Indien, ein Staat, der religiös und politisch, hinduistisch und national geprägt ist.

Ramdev: Überwinder "unzähliger Hindernisse"

Im Stadion wird heute Premiere gefeiert. Ein Fernsehsender hat Ramdevs Leben in 85 Folgen verfilmt. Dem Guru selbst ist wichtig: "Alle reden immer nur über meinen Erfolg, aber diese Serie zeigt vor allem meinen Kampf, mein Überwinden unzähliger Hindernisse." In der Tat: Ramdev hat schwierige Zeiten hinter sich, wuchs als einfacher Junge in staubigen Gassen auf. Beim Aufstieg aus einer niedrigen Gesellschaftskaste bekam er viele Widerstände zu spüren, bis vor wenigen Jahren noch. Mit der Vorgängerregierung lag Ramdev im Clinch, warf ihr Korruption vor, lieferte sich Debatten, trat in den Hungerstreik. Aber heute weht ein anderer Wind in Indien. Ein Wind, der ganz nach Ramdevs Geschmack ist. Politisch und wirtschaftlich.

Ramdev ist auch ein Wirtschaftsguru. Er hat sich einen Konzern geschaffen, der vor allem Nahrungsmittel und Hygieneartikel herstellt, auf traditioneller, meist biologischer Basis. Die Palette ist groß, Bestseller ist die ayurvedische Zahncreme. Der Gesamtumsatz soll heute bei 1,3 Milliarden Euro liegen und wächst weiter. Die Konkurrenz, die großen Marken aus aller Welt, sind inzwischen in manchen Bereichen abgehängt. Und Ramdevs Unternehmen ist nicht satt, es wächst und expandiert. Unter dem Motto, das die Regierung ausgerufen hat: "Make in India".

Ramdev hatte sich zunächst als Yoga-Lehrer einen Namen gemacht. Er lobpreiste das asketische Leben und zeigte, wie man seinen Körper verknotet und die Seele gesundet. Erst im kleinen Kreis, später in eigenen Fernsehshows vor einem Millionenpublikum. Auch der Ashram des Meisters hat heute nicht mehr viel zu tun mit einem kleinen bescheidenen Ort der Besinnung. Ramdevs Reich gleicht einer Stadt, mit Schule, Universität, Krankenhaus und allem, was dazu gehört. Jeden Morgen um viertel vor fünf steht Ramdev hier vor Tausenden auf der Bühne, zeigt Yoga, meditiert, schwört ein.

Der schillerndste Guru Indiens

Ohne den Guru geht nichts, auch im Konzern, der Zentrale des spirituellen Kapitalismus. Seine Manager bewundern den Meister, schwärmen von seinen Entscheidungen, von denen alle hochstudierten Wirtschaftsexperten abgeraten hätten. Aber Ramdev habe lächelnd erklärt, man versuche es dennoch, und immer Recht behalten. "Das ist seine heilige Kraft", hören wir immer wieder. Aus allen Dörfern der Umgebung arbeiten die Menschen hier, viele sind dankbar für einen Arbeitsplatz. Die Löhne sind sehr niedrig, man halte sich an alle gesetzlichen Vorgaben, heißt es aber. Andere sprechen von Ausbeutung.

Ramdev ist der schillerndste Guru Indiens. Der Glaube an die Kraft dieser Lehrer, Heiler, Seher ist traditionell weit verbreitet. Und das obwohl manche auch schlechte Schlagzeilen machen. Im vergangenen Jahr wurde Ram Rahim Singh wegen Vergewaltigung zu 20 Jahren Haft verurteilt. Seine Anhänger gingen auf die Barrikaden, randalierten, lieferten sich über Tage Straßenschlachten mit der Polizei, Dutzende Menschen starben. Immer wieder gibt es solche Fälle, Verbrechen wie Missbrauch und vor allem auch Wirtschaftskriminalität. Denn das Geschäft der Gurus hat einen entscheidenden Vorteil für alle, die an Geldwäsche interessiert sind. Gurus arbeiten steuerfrei, der Staat hat keine Kontrolle über Einnahmen und Ausgaben.

Ramdev, der Mann in Orange, beschwört jedenfalls seine weiße Weste. Der ganze Konzern sei nicht aufs Gewinnmachen ausgelegt, was erwirtschaftet wird, gehe komplett in soziale Projekte. Manche mögen das bezweifeln, beweisen aber lässt sich nichts.

Nicht immer heilig

In anderen Fragen allerdings hat sich Ramdev selbst als wenig heilig entlarvt. Homosexualität hat er mal als durch Yoga heilbare Krankheit bezeichnet. Wer sich in seinen Augen nicht klar genug zum indischen Vaterland bekennt, dem gehöre der Kopf abgeschlagen. Kein Wunder also, dass auch Ramdev Feinde hat. Wo immer der Guru hingeht, ist eine schwer bewaffnete Spezialeinheit der Polizei an seiner Seite. Sein Freund, der Premierminister, hat ihm das gewährt.

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