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Wahlen in Indonesien - Rennen um das Präsidentschaftsamt

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Indonesien stand lange für eine tolerante Form des Islams. Doch konservative Islamisten verschaffen sich immer mehr Gehör. Heute standen Wahlen an - auch die des Präsidenten.

Präsident Joko Widodo im Wahlkampf
Ein Selfie hier, ein Schnappschuss dort - Präsident Joko Widodo im Wahlkampf.
Quelle: Reuters

Indonesiens Hauptstadt hat seit ein paar Tagen eine U-Bahn. Eine Milliarde Euro teuer, 13 Stationen, 16 Kilometer lang - immer noch viel zu wenig, um die Verkehrsprobleme der Megastadt Jakarta in den Griff zu bekommen. Trotzdem lässt sich Präsident Joko Widodo bei der Eröffnung feiern. Es ist Wahlkampf im Inselstaat. An diesem Mittwoch entscheidet sich, ob der 57-Jährige bis 2024 im Amt bleiben darf - dafür muss er gegen seinen Herausforderer Prabowo Subianto bestehen. Die Chancen stehen gut. Aber sicher ist nichts, denn die Fronten sind nicht mehr so klar wie 2014. Auch damals bewarben sich die beiden Kontrahenten um die Präsidentschaft.

Die Frage nach der religiösen Identität

"Das Land ist in den letzten fünf Jahren religiös und sozial nach rechts gerückt. Minderheiten haben mit Diskriminierung zu kämpfen, während die politische Führung sich verstärkt als Repräsentantin eines konservativen Islam ausgibt“, fasst Indonesien-Experte Marcus Mietzner im Gespräch mit heute.de die Situation zusammen.

Das wichtigste Thema des Wahlkampfes sei demnach nicht etwa die Wirtschaft, sondern vor allem die Frage nach der religiösen Identität. In dem Inselstaat bekennen sich rund 90 Prozent der Bevölkerung zum muslimischen Glauben. Das Land stand lange für eine tolerante Form des Islams. Doch konservative Islamisten verschaffen sich immer größeres Gehör. Ein Beispiel: Die Affäre-Ahok.

In dieser verlor Jakartas christlicher Ex-Gouverneur - ein Vertrauter des Präsidenten - wegen angeblicher Verhöhnung des Korans nicht nur sein Amt, sondern musste für längere Zeit ins Gefängnis. Seitdem richtet sich der Protest laut einer Studie auch gegen das Staatsoberhaupt, und religiöse Hardliner treten immer öfter in Erscheinung. "Obwohl die liberalen Muslime nach wie vor die Mehrheit stellen, sind die Konservativen im Staat, in der Geschäftswelt und den Universitäten nun überrepräsentiert" erklärt Mietzner.

Die durchwachsene Bilanz von Amtsinhaber Widodo

Der Wahlkampf fällt genau in diese Stimmungslage: Beide Kandidaten setzen auf das Thema Religion. Auch der als moderat geltende Widodo. So macht er Zugeständnisse, indem er den einflussreichen, konservativen Geistlichen Ma'ruf Amin als seinen Vize-Kandidaten auswählt. Dieser nennt Homosexualität ein Verbrechen.

Herausforderer und Ex-General Prabowo, der den langjährigen Diktator Suharto zum Schwiegervater hatte, bleibt seiner Linie treu und setzt auf eine starke Führung - er baut auf die Stimmen konservativer Kleriker. Gleichzeitig gibt er sich als Mann des Volkes. "Die Jakata-Elite kümmert sich nur um sich. Ihr einziges Ziel ist, sich noch reicher zu machen." Angesichts seines Vermögens und seiner Vergangenheit ist das doch überraschend.

 „Indonesien voranbringen“

Die Bilanz der ersten Amtszeit von Widodo fällt laut Experten durchwachsen aus - soziale und demokratische Reformen wurden vernachlässigt, statt Fortschritten gab es gar Rückschritte. Dennoch scheint es, dass Präsident Widodo die kommende Direktwahl gewinnen könnte. In den Umfragen liegt der Amtsinhaber bisher vorn. Allerdings ist der Vorsprung von ehemals 20 Prozentpunkten deutlich geschmolzen.

Für viele Wähler bleibt Widodo jedoch das kleinere Übel, berichtet Mietzner. Denn: Für die liberalen Muslime und Minderheiten sei Prabowo ein rotes Tuch, sodass sie ihn trotz ihrer Enttäuschung wählen würden. Ihr Ziel: den Herausforder um jeden Preis verhindern.

Präsidentschaftskandidat Prabowo Subianto während einer Wahlkampfveranstaltung
Prabowo Subianto während einer Wahlkampfveranstaltung.
Quelle: Reuters

Ob Amtsinhaber Widodo tatsächlich ein zweites Mal Präsident wird, haben am Mittwoch 193 Millionen wahlberechtige Indonesier in der Hand. Die Wahl gilt als größte Direktwahl der Welt. Gleichzeitig werden neue Parlamente gewählt. Es ist logistischer Kraftakt. Ein Zünglein an der Wagen könnten die jungen Wähler sein - rund 40 Prozent sind 17-35 Jahre alt.

Ob Widodo aber in einer zweiten Amtszeit seine Bilanz verbessern, und gar sein Wahlkampfmotto - "Indonesien voranbringen" - umsetzen kann? Mietzner ist skeptisch: "Es wäre sogar schon als ein Erfolg zu werten, wenn sich die demokratische Qualität Indonesiens in den nächsten fünf Jahren nicht weiter verschlechtert."

Mehr zum Thema: Indonesiens-Superwahltag

Heute kommt es in Indonesien zu einem "Superwahltag" - die Wahl des Präsidenten gilt als größte demokratische Direktwahl, die an einem einzelnen Tag abgehalten wird. Nebenher gibt es Wahlen zum Parlament, sowie weiteren regionalen und kommunalen Vertretungen. Der folgende Überblick zeigt, was Sie wissen müssen.

Bei den Wahlen in Jakarta, Indonesien,  geben Wähler Ihre Stimme ab, aufgenommen am17.04.2019.

193 Millionen Wahlberechtigte - Superwahltag in Indonesien  

Alles was Sie zu den Wahlen in Indonesien wissen müssen.

von Jan-Frederik Fischer
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