Sie sind hier:

Niedrige Inflation - Der EZB gehen die Ideen aus

Datum:

Die Teuerung in der Eurozone ist auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren gefallen: Nur noch ein Prozent Inflation registrierten die Statistikämter. Der EZB gehen die Ideen aus.

Kunde bezahlt am Wochenmarkt
Die Sparmentalität ist in Deutschland tief im kollektiven Gedächtnis verwurzelt.
Quelle: imago

Es ist nicht viel, was die Konsumenten im Juli gegenüber dem Juni 2019 einsparen konnten: 0,5 Prozent Preisrückgang ermittelte die europäische Statistikbehörde Eurostat. Diese Tendenz aber ist für Fachleute bedrohlich, erst bei rund zwei Prozent Inflation sehen sie eine Preisstabilität als gegeben.

Deflation - das Schreckgespenst der Wirtschaft

Alles darunter ist zu dicht dran an einem Preisrückgang - der ist unter der Bezeichnung "Deflation" das Schreckgespenst der Wirtschaft. Anhaltender Preisrückgang führt nämlich zu einer Lähmung der Volkswirtschaft. Weil Verbraucher auf immer wieder fallende Preise spekulieren, kaufen sie nicht - und die Unternehmen müssen ihre Güter schon wirklich verschleudern, um noch Umsätze zu machen. Auch wenn sie damit Verluste einfahren. Das ist ein Teufelskreis. Die Währungshüter haben dann kaum noch Mittel, um ihn zu durchbrechen.

EZB zieht alle Register

So weit ist es in Europa derzeit nun zwar nicht, aber der Europäischen Zentralbank (EZB) gehen allmählich die Ideen aus. Wenn man heute gerade mal ein Prozent jährlicher Teuerung verzeichnet, dann liegt das schon gefährlich nahe an einer Null-Inflation, zumal wenn man sieht, dass vor allem wenige Güter für die überhaupt noch messbare Teuerung verantwortlich sind. Dazu gehören Lebensmittel, Mieten und Energiekosten.

Seit Jahren schon zieht nun die EZB alle Register, um dem Ziel der Zwei-Prozent-Inflation näherzukommen. Nicht nur, dass die Zinsen in der Eurozone um die Nulllinie pendeln und teils sogar negativ sind (der Schuldner Bundesrepublik etwa bekommt noch Zinsen von den Anlegern für Geld, das er von ihnen leiht), darüber hinaus kauft die EZB Staats- und Unternehmensanleihen und bringt damit frisches Geld in den Kreislauf. Die Menge an billigem Geld und Krediten war bisher stets ein verlässliches Mittel, um Inflation zu steuern. Auf einmal versagt es.

Für die Verbraucher bietet sich nun ebenso lange schon ein seltsames Schauspiel. Einen Konsumentenkredit bekommt man fast umsonst, das Wort "Nullfinanzierung" gibt es überhaupt erst seit einigen Jahren. Was die Immobilienfinanzierung angeht, so ist das geliehene Geld, je nach Bonität, fast umsonst, und das auf ganz lange Sicht: Hausbaukredite - für 15 Jahre festgeschrieben - gibt es unter einem Prozent Zins. Wer damit klug umgeht, also entsprechend mehr tilgt, kann schon recht früh schuldenfrei sein. Das kann sogar die allgemein gestiegenen Immobilienpreise teils wieder kompensieren.

Das Sparen ist den Deutschen nicht auszutreiben

Speziell für Deutschland aber kommt ein typisches Merkmal der hiesigen Gesellschaft den Wünschen der Zentralbanker in die Quere: Die Sparmentalität hierzulande ist tief verwurzelt im kollektiven Gedächtnis. Noch immer gibt es große Gruppen der Gesellschaft, für die Schuldenmachen schlichtweg keine Option ist. Die werden natürlich auch nicht durch billige Kredite erreicht.

Aber auch alle anderen achten größtenteils auf entsprechende Sicherheiten, ebenso wie die traditionellen Banken: Die Finanzierung muss sich im Rahmen halten, der Arbeitsplatz muss hinlänglich sicher erscheinen. Erst dann denkt man vielleicht an eine Teilfinanzierung des neuen Autos oder der Stereoanlage. Dass diese Haltung den Zielen der Währungshüter momentan entgegenläuft, ist klar - aber das Sparen ist vielen nicht auszutreiben. Nicht einmal mit Strafzinsen. Da fängt mancher lieber an, Bargeld zu horten.

Spannend wird es diese Woche im amerikanischen Jackson Hole: Dort treffen sich alljährlich Notenbanker aus aller Welt, um über die Geldlage zu beraten. Diesmal dürfte guter Rat teuer sein - und der ist gemeinhin auch nicht auf Kredit zu erhalten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.