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Windkraft in Kritik - Infraschall: Unerhörter Lärm

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Infraschall kann man nicht hören - zumindest nicht bewusst. Und doch geraten vor allem Windkraftanlagen wegen ihm immer mehr in die Kritik. Ist er gesundheitsschädlich?

Infraschall ist tieffrequenter Schall mit Frequenzen unter 20 Hertz. Er entsteht in der Natur, aber auch durch technische Einrichtungen. Infraschall überwindet viele Kilometer, durchdringt selbst Mauern.

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Als Infraschall bezeichnet man Schall mit Frequenzen unter 20 Hertz. Zu den natürlichen Quellen des Infraschalls gehören zum Beispiel Erdbeben und die Meeresbrandung. Technische Quellen sind - um nur einige zu nennen - Blockheizkraftwerke, Flugzeuge und eben auch Windenergieanlagen.

Häufig klagen Anrainer von Windparks über Schlafstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Herzrasen. Nicht selten werden diese Menschen als verrückt abgetan. Denn nach gängiger Meinung sind Frequenzen unter 20 Hertz nicht hörbar und können deshalb auch keinen gesundheitlichen Schaden anrichten.

Beeinflusst Infraschall das Herz?

Doch ist das wirklich so? Christian-Friedrich Vahl, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz fühlt sich bei einer solchen Argumentation an die frühen Radiologen erinnert, die mit Röntgenstrahlen experimentierten, aber "weil sie die nicht sahen, erst viel später erkannt haben, dass sie Krebs verursachen".

Tatsächlich mehren sich aus der Wissenschaft und Medizin die Hinweise, dass Infraschall die Gesundheit beeinträchtigen kann. Kein Wunder eigentlich, denn "Infraschall ist eine Energie. Und jede Energie hat physikalische Effekte, ob Sie sie nun hören oder nicht", wie Vahl erklärt. Er und sein Team widmen sich seit zwei Jahren der Frage, wie Infraschall die Kraft des Herzmuskels beeinflusst.

Zwei Versuchsreihen, in denen sie die akuten Effekte von Infraschall auf menschliche Herzmuskelfasern untersuchten, haben sie bereits abgeschlossen, die Ergebnisse liegen vor: "In beiden Versuchsreihen hat man eine eindeutige Verminderung der Herzmuskelkraft bei Beschallung mit Infraschall-Signalen gesehen", so der Herzchirurg. Etwas, das man nicht bewusst wahrnimmt, kann also trotzdem krank machen. Oder zumindest einen Effekt haben.

Stress aus dem Unterbewusstsein?

Auch im Gehirn. Das zeigten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Sie fanden, dass unterhalb der individuellen Hörschwelle dargebotener Infraschall bestimmte Regionen des Gehirns aktiviert. Interessanterweise Regionen, die an der Verarbeitung von Stress und Konflikten beteiligt sind.

Wieso das so ist, ist noch unklar, aber Professor Simone Kühn vom UKE hat eine Hypothese: "Wir haben spekuliert, dass, wenn man etwas bewusst hört und weiß, da ist etwas, kann man es vielleicht besser ausblenden. [...]  Aber bei Sachen, die sozusagen so halb wahrnehmbar sind, hat man vielleicht nicht die Direktive zu sagen, das ignoriere ich jetzt."

Unbewusst Wahrgenommenes versetzt also möglicherweise in Stress, zumindest, wenn es nicht einzuordnen ist. Eine Folgestudie des UKE geht nun der Frage nach, ob sich die Schlafqualität und Leistungsfähigkeit freiwilliger Testpersonen nach vier Wochen nächtlich dargebotenen Infraschalls verändert.

Behörden filtern bei Messungen

Diese und andere wissenschaftliche Studien liefern deutliche Hinweise, dass Infraschall - salopp gesagt - etwas mit den Menschen macht, möglicherweise eine Gefahr für die Gesundheit darstellt. Dennoch gibt es bis heute für den Frequenzbereich unter 20 Hertz keine Mess-Norm, die die Schallbelastung durch Windenergieanlagen ungeschönt darstellen würde.

Im Gegenteil: behördlicherseits wird eine Mess-Methode angewandt, die die Infraschall-Emissionen zum Teil wegfiltert, Frequenzen unter 8 Hertz sogar gänzlich ignoriert und  durch sogenannte Terzband-Analysen Peaks (Spitzen) einfach wegmittelt. So kommt es, dass die Messergebnisse keinerlei Belastung erkennen lassen, Infraschall-Betroffene aber über eine solche klagen.

Sechs Fragen an Prof. Vahl, Herzchirurg

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