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Gleichstellung in den USA - Weniger Jobs für Menschen mit Behinderung

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Walmart beschäftigt in den USA viele Menschen mit Behinderung. Jetzt stehen ihre Jobs auf dem Spiel. Dabei sind die USA eigentlich Vorreiter, was Gleichstellung betrifft.

Walmart erhöht das Mindestalter für den Kauf von Schusswaffen.
Walmart hat in den USA viele Menschen mit Behinderungen beschäftigt. Deren Jobs stehen jetzt auf dem Spiel.
Quelle: Erik S. Lesser/EPA FILE/dpa

Jay Melton arbeitet seit 17 Jahren als sogenannter "Greeter" – also Begrüßer – bei Walmart. Von Montag bis Freitag begrüßt Jay die Kunden halbtags am Eingang: "Herzlich willkommen bei Walmart". Die Greeter sind ein Markenzeichen von Walmart. Ursprünglich eingeführt, um die Zahl der Ladendiebstähle einzudämmen, sind sie heute eine Art Institution in den USA. Sie vermitteln den Kunden ein Gefühl der persönlichen Aufmerksamkeit und häufig übernehmen Senioren und Menschen mit Behinderungen den Job. So auch Jay, er hat eine zerebrale Lähmung, weshalb er die meiste Zeit im Rollstuhl sitzt.

Umstrukturierung gefährdet Arbeitsplätze

Doch jetzt strukturiert Walmart den Job aus Kostengründen um, Greeter werden zu "Customer Hosts" (Kunden-Host/Gastgeber). Das bedeutet mehr Verantwortung und mehr Geld – und höhere körperliche Anforderungen. Viele der bisherigen Greeter können den Job damit nicht mehr ausüben, weil sie beispielsweise längere Zeit stehen oder auf Leitern klettern müssen. Für jemanden wie Jay unmöglich.

Vor allem auf sozialen Netzwerken wird die Umstellung stark kritisiert. Eine Mitarbeiterin startete sogar eine Petition, um Jay Meltons Job zu retten, die bisher über 23.000 UnterstützerInnen unterschrieben und kommentiert haben. So schrieb zum Beispiel Crystal C. aus dem Bundesstaat North Carolina: "Er hat immer ein Lächeln im Gesicht und versüßt jedem den Tag. Er ist engagierter in seinem Job, als die meisten Menschen ohne Behinderung."

Jay Melton
Jay Melton kann seinen Job als Greeter künftig nicht mehr ausfüllen.
Quelle: Facebook/Susan Randolph Oconnor

Amerika ist Europa eigentlich voraus

Dabei sind die Vereinigten Staaten Deutschland und der Europäischen Union eigentlich weit voraus, was Regeln und Gesetze zum Thema Gleichstellung betrifft. Schon 1990 unterzeichnete der damalige US-Präsident George W. Bush das Gleichstellungsgesetz, den "Americans with Disabilities Act (ADA)". Das Gesetz verbietet jegliche Diskriminierung von Menschen mit Behinderung in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens. Damit soll sichergestellt werden, dass Menschen mit Behinderung dieselben Rechte haben, wie jeder andere Bürger. Es garantiert beispielsweise Chancengleichheit im Beruf und besagt, dass sämtliche öffentliche Einrichtungen wie Gebäude, Verkehrsmittel oder Kommunikation für Jeden zugänglich sein müssen.

Zudem gibt es in den USA an Schulen das sogenannte "Individualized Education Program (IEP)", ein individuelles Bildungsprogramm. Es soll Schülern mit Einschränkungen garantieren, dass sie an ihrer Schule genau die materiellen oder inhaltlichen Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen, die sie benötigen. Diesen Plan können Kinder im Rollstuhl oder mit Seh- oder Hörhilfe beantragen, genauso wie Kinder mit ADHS, die beispielsweise eine besondere Lernbetreuung benötigen. Die Maßnahmen zeigen Wirkung. In den USA ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Kinder mit jeglicher Einschränkung gemeinsam mit Kindern ohne Einschränkung unterrichtet werden müssen. Laut US-Bildungsministerium ist das tatsächlich bei 95 Prozent der Kinder der Fall.

Walmart sucht nach Lösungen

Deutschland schneidet im Vergleich dazu deutlich schlechter ab. So ratifizierte die Bundesrepublik 2008 die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die ähnliche Richtlinien vorschreibt wie der ADA. Trotzdem lag laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung der Inklusionsanteil der Schüler im Jahr 2016 bei durchschnittlich nur 39,3 Prozent – immerhin eine Steigerung zu 18,4 Prozent im Jahr 2008. Es geht also voran, aber es gibt noch große regionale Unterschiede.

Nach dem öffentlichen Druck gab Walmart nach. Auf Facebook gab die Kette nun bekannt, dass Jay Melton einen Job in einem anderen Bereich bekommt, den er auch angenommen hat. Für andere Greeter wird noch nach Lösungen gesucht, so viele wie möglich sollen versetzt werden.

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