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Debatte - De Maizière: Muslimische Feiertage möglich

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Innenminister Thomas de Maizière (CDU) kann sich vorstellen, dass es in Regionen, in denen viele Muslime leben, künftig auch islamische Feiertage gibt. Das sagte er auf einer Wahlkampfveranstaltung in Wolfenbüttel - und erntete dafür umgehend Kritik aus dem eigenen Lager.

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"Ich bin bereit, darüber zu reden, ob wir auch mal einen muslimischen Feiertag einführen", sagte de Maizière. Allerheiligen sei auch nur dort Feiertag, wo viele Katholiken lebten. Warum könne man also dort, wo es viele Muslime gebe, nicht auch über einen muslimischen Feiertag nachdenken. Allerdings betonte de Maizière auch: "Generell sind unsere Feiertage christlich geprägt, und das soll auch so bleiben."

Widerspruch aus der Union

In der Union provozierten die Äußerungen scharfen Widerspruch. "Islam-Feiertage in Deutschland einzuführen kommt für uns nicht in Frage", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt der "Bild"-Zeitung. Das christliche Erbe Deutschlands sei "nicht verhandelbar".

Der CSU-Vizevorsitzende Manfred Weber sagte der "Passauer Neuen Presse": "Feiertage stehen vor allem für die religiöse Prägung eines Landes und nicht für einzelne Bevölkerungsgruppen." Und Deutschland habe unbestritten eine christliche Prägung.

Er sehe "keinen wirklich überzeugenden Grund", warum nicht-christliche Feiertage in Deutschland unter den Schutz einer gesetzlichen Regelung gestellt werden sollten, widersprach auch der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach in der "Bild"-Zeitung seinem Parteikollegen de Maizière. "Wir haben eine christlich-jüdische religiöse Prägung, keine islamische."

Schulz: Man muss darüber nachdenken

Bei den Sozialdemokraten stieß der Vorschlag auf offene Ohren. "Man muss darüber nachdenken", sagte SPD-Chef Martin Schulz. "Ich hab vor allen Dingen zur Kenntnis genommen, in welcher Art und Weise sofort gegen den Herrn de Maizière aus seinen eigenen Reihen losgekoffert wird." Man müsse in Deutschland in der Lage sein, einen Vorschlag zu unterbreiten und diesen dann in Ruhe und seriös zu diskutieren.

Unterstützung für die Idee kam auch vom Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek. Ein solcher Feiertag könne integrationsfördernd wirken, sagte er der "Passauer Neuen Presse". Er würde deutlich machen, dass Muslime Teil der Gesellschaft seien und es "Verständnis untereinander für ein gutes und friedliches Zusammenleben" gebe. "Der Ramadan und das Opferfest bieten sich an."

Sprecherin bekräftigt: Kein Rütteln an christlichen Feiertagen

Am Samstag bekräftigte eine Ministeriumssprecherin, dass de Maizière keineswegs an der christlich geprägten Feiertagskultur in Deutschland rütteln wolle. Der Minister habe betont, "dass unsere Feiertage christlich geprägt sind und dass das aus seiner Sicht auch so bleiben soll". "Er wäre zwar bereit, mal über einzelne muslimische Feiertage in bestimmten Regionen zu reden - aber grundsätzlich hält er daran fest, dass unsere Feiertagskultur eben christliche und keine anderen Wurzeln hat", erklärte die Ministeriumssprecherin.

Sie verwies zudem darauf, dass laut Grundgesetz über die Anerkennung von religiösen Feiertagen nicht der Bund, sondern die Bundesländer entscheiden. "Der Bundesinnenminister hat daher keinen Einfluss darauf, ob es religiöse und damit auch islamische Feiertage geben soll oder nicht."

Die Anzahl der Feiertage variiert in Deutschland je nach Bundesland. Neun Feiertage gelten in allen Bundesländern einheitlich: Neujahrstag (1. Januar), Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Arbeit (1. Mai), Tag der deutschen Einheit (3. Oktober) sowie der erste und zweite Weihnachtsfeiertag (25. und 26. Dezember).

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