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Neuordnung auf Strommarkt - Innogy soll weg - Steigen die Strompreise?

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Mega-Deal zwischen den Versorgern E.ON und RWE: Sie wollen den Ökostromanbieter Innogy unter sich aufteilen. Verbraucherschützer mahnen zur Wachsamkeit wegen der Strompreise.

Die größten deutschen Stromkonzerne E.ON und RWE wollen ihre Geschäftsfelder neu aufteilen. Im Zentrum des Deals: Die RWE-Tochter Innogy. Sie soll zerschlagen werden.

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Es ist ein Paukenschlag. Und für viele kam die Ankündigung überraschend: Die geplante Aufspaltung von Innogy. Denn das Unternehmen war vor gar nicht allzu langer Zeit an die Börse gegangen - damals als Abspaltung von RWE. Einen nachhaltigen, modernen, ökologischen Esprit sollte Innogy versprühen - im Gegensatz zu den aus Umweltsicht "schmutzigen" Lasten des traditionellen Stromgeschäftes der Konzernmutter RWE. Mit diesem Wochenende und der Ankündigung kann dieser Versuch als gescheitert gelten.

"In der Tat ist es teilweise eine Rolle rückwärts, die hier vollzogen wird", sagt Branchenexperte Guido Hoymann vom privaten Bankhaus Metzler. "Am Ende war aber vermutlich der Zwischenschritt über Innogy als separate Einheit nötig, um diesen ultimativen Spaltungsprozess zu ermöglichen."

Verbraucherschützer befürchten höhere Strompreise

Ein Spaltungsprozess mit möglichen Folgen, warnen Verbraucherschützer. Denn mit der Aufteilung von Innogy unter den Großkonzernen E.ON und RWE verschwindet ein eigenständiger Spieler am Markt. Nun würde E.ON durch die Aufteilung zu einem Netzriesen heranwachsen, der europaweit rund 45 Millionen Kunden mit Strom und Gas versorgt. "Grundsätzlich besteht natürlich auch hier die Sorge um mehr Marktkonzentration. Und das kann später auch zu höheren Preisen für die Verbraucher führen", warnt Thomas Engelke vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Auch die Verbraucherschützer des Bundes der Energieverbraucher sehen die geplante Aufteilung von Innogy kritisch. Denn nicht nur auf der einen Seite - also auf der Seite der Energienetze und der Stromversorgung der Endkunden durch E.ON - droht Machtkonzentration. Sondern auch im Feld der Stromerzeugung bei erneuerbaren Energien. Denn im Gegenzug sollen die Anteile am Geschäft mit erneuerbaren Energien von Innogy und E.ON zu RWE wandern. Anders gesagt: E.ON will sich in Zukunft darauf konzentrieren, den Strom unter die Leute bringen, den überwiegend RWE erzeugt.

Warum eine neue Neuordnung?

Andere Stimmen meinen aber, dass die Neuordnung - zumindest für einige Verbraucher - sogar Vorteile bringen könnte. Denn Innogy sei ein vergleichsweise teurer Stromanbieter gewesen. Im bisherigen Wirkungsbereich des Unternehmens könnten Stromkosten also auch sinken. Auch Guido Hoymann hat wegen einer möglichen marktbeherrschenden Stellung der Konzerne in Zukunft keine größeren Sorgen. "Der Regulierer setzt die Preise fest - und das schon seit Jahrzehnten. Deswegen besteht keine Gefahr des Marktmissbrauchs." Letztlich werden aber natürlich die Wettbewerbsbehörden entscheiden müssen, denn sie müssen der geplanten Neuordnung am deutschen Strom- und Versorgermarkt noch zustimmen.

Stellt sich schließlich die Frage, wie sinnvoll es ist, in vergleichsweise kurzem Zeitabstand die zweite große Neuordnung anzugehen. Denn vor nicht einmal zwei Jahren hatten RWE und E.ON jeweils das klassische vom nachhaltigen Geschäft getrennt. E.ON schob sozusagen seine Altlasten in die mittlerweile verkaufte Gesellschaft Uniper ab; RWE dagegen bündelte das Ökostromgeschäft in Innogy - die nun zerschlagen werden soll. Guido Hoymann mutmaßt, dass gerade der zeitliche Abstand als Katalysator gewirkt haben könnte. "Vermutlich hat vor zwei Jahren die immerhin Jahrzehnte währende Konkurrenz - um nicht zu sagen Feindschaft - zwischen RWE und E.ON diese Gespräche nicht erlaubt."

Innogy zuletzt mit schlechten Nachrichten

Zudem ist es RWE seitdem aber auch nicht gelungen, Innogy zu verkaufen. Und zuletzt gab es von der einst erfolgsversprechenden Ökostromtochter ernüchternde Nachrichten: Am Morgen gab das Unternehmen bekannt, dass seine Gewinne im vergangenen Geschäftsjahr um die Hälfte eingebrochen sind. Nach dem Absenken der Gewinnprognosen und einem herben Kursverlust an der Börse hatte im Dezember Innogy-Chef Peter Terium seinen Posten räumen müssen.

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