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Meyer zum Eier-Skandal - Wohl "über zehn Millionen belastete Eier"

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Der Skandal um die Gifteier ist noch nicht ausgestanden. Im Gegenteil: "Ich glaube noch nicht, dass der Höhepunkt erreicht ist", sagt Niedersachsens Ernährungsminister Meyer (Grüne) im ZDF. Auch weiterverarbeitete Produkte würden nun überprüft.

"Die Verbraucher sollten im Portal Lebensmittelwarnungen überprüfen, welche Nummern belastet sind", sagt Christian Meyer, B'90/Grün, Landwirtschaftsminister Niedersachsen. Ich glaube nicht, dass der Höhepunkt des Gifteier-Skandals erreicht ist.

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Die betroffene Menge an mit Gift belasteten Eiern ist offenbar weit größer als bisher gedacht. "Wir haben neue Informationen, dass nicht nur drei Millionen, sondern wahrscheinlich über zehn Millionen niederländische belastete Eier in Supermärkten in ganz Deutschland verkauft worden sind", berichtete Christian Meyer (Grüne), Ernährungsminister des Landes Niedersachsen, im ZDF.

In Niedersachsen sei das Insektengift Fipronil bis "jetzt bei vier Betrieben nachgewiesen" worden. Das seien deutsche Betriebe, die im Kontakt mit dem Unternehmen aus den Niederlanden gestanden hätten. Als Verursacher gilt eine Reinigungsfirma, die allein 180 Legehennen-Betriebe in den Niederlanden gereinigt hat - und eben mindestens vier in Niedersachsen. Diese Betriebe seien laut Minister Meyer inzwischen gesperrt. Dort würden "auch die Eier zurückgerufen", um sie vernichten zu lassen. Fipronil darf seit 2013 EU-weit in der Landwirtschaft nur eingeschränkt benutzt werden.

Meyer: "In Deutschland weitet es sich aus"

Sind damit alle betroffenen Betriebe ausfindig gemacht worden? "Ich glaube, in Deutschland weitet es sich weiterhin aus", sagte Niedersachsens Ernährungsminister im ZDF. Bisher seien Anlagen überprüft worden, die mit diesem Reinigungsunternehmen in Kontakt gestanden hätten.

"Wir untersuchen jetzt auch verstärkt Betriebe an der niederländischen Grenze, ob wir dort Rückstände finden", sagt Meyer. "Da glaube ich noch nicht, dass der Höhepunkt dieses Gifteier-Skandals erreicht ist." Das klang bei Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CDU) am Donnerstag in Berlin noch anders: Die Lage sei "unter Kontrolle", es gebe aber "noch keine Entwarnung". Auch Schmidt mahnte eine lückenlose Klärung der Vorgänge an.

Meyer berichtete am Freitagmorgen im ZDF: Bei den Untersuchungen sei man auch auf einen Betrieb mit Junghennenhaltung gestoßen, "wo wir im Gefieder diese Belastung gefunden haben". Fipronil darf seit 2013 EU-weit in der Landwirtschaft nur eingeschränkt benutzt werden.

Meyer: Keine Hinweise auf Gefährdung in Hühnerfleisch

Meyer befürchtet, dass durch die Reinigung mit dem Mittel am Ende auch das Fleisch belastet sein könnte. Der niedersächsische Ernährungsminister betont jedoch: "Wir haben noch keinen Masthühnerbetrieb, der dort im Verdacht steht." Es lägen keine Hinweise vor, "dass wirklich auch im Hühnerfleisch eine Gefährdung ist". Dennoch werde auch dies nun untersucht - genauso wie auch in Produkten wie Nudeln oder Kuchen, in denen Eier verarbeitet wurden, nach Rückständen gesucht werde. "Es gilt die Nulltoleranz: Belastete Eier mit diesem Insektengift dürfen nicht in den Handel gelangen", betont Meyer.

Der Niedersächsische Ernährungsminister fordert, den Stoff Fipronil in das sogenannte Rückstandskontrollprogramm aufzunehmen. In diesem ist festgehalten, auf welche Stoffe die Länder und Kommunen Lebensmittel untersuchen sollen. Dioxine seien beispielsweise darin enthalten, Fipronil dagegen nicht. "Es wurde in Deutschland überhaupt nicht auf diesen verbotenen Stoff untersucht", sagt Meyer. Deshalb müsse man "diesen und weitere verbotene Insektengifte in Zukunft systematisch untersuchen, damit man solchen kriminellen Machenschaften schneller auf die Spur kommen kann."

Foodwatch kritisiert Informationspolitik der Behörden

Meyer wie auch Schmidt verweisen im Zusammenhang mit dem Skandal auf das vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit betriebene Portal lebensmittelwarnung.de. Doch eben dieses steht bei Verbraucherschützern in der Kritik. Die Informationen dort seien nicht vollständig, zum Teil auch widersprüchlich. Die Webseite sei daher "kein ausreichendes Mittel, um Verbraucher zu informieren", bilanziert Lena Blanken von Foodwatch im ZDF.

Für Verbraucher gelte derzeit: "Man kann im Prinzip nicht sicher sein, ob das eigene Ei betroffen ist." Die Informationspolitik der Behörden sei derzeit in diesem Punkt "in jedem Fall mangelhaft". Insbesondere die EU-Kommission kritisieren die Verbraucherschützer. Nach deren Einschätzung ist die Situation unter Kontrolle. Die Höfe, auf denen das Insektizid eingesetzt wurde, seien identifiziert, Eier geblockt und verseuchte Eier vom Markt genommen, teilte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde am Donnerstag mit. "In dieser Situation Entwarnung zu geben, ist verantwortungslos", kritisierte Blanken.

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