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Kartellbeschwerde eingereicht - Insolvenz von Air Berlin: Ryanair wittert Komplott

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Die Insolvenz von Air Berlin schlägt hohe Wellen - auch bei der direkten Konkurrenz. So hat Billigflieger Ryanair beim Bundeskartellamt Beschwerde eingereicht. Die Iren wittern einen "Komplott zwischen der deutschen Regierung, Lufthansa und Air Berlin". 

Jahrelang hielt die arabische Fluglinie Etihad als Großaktionär mit seinen Geldspritzen die angeschlagene Air Berlin über Wasser. Jetzt bangen Tausende Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze, doch die Flüge sollen vorerst weiter stattfinden können.

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Rynair befürchtet, dass die Air-Berlin-Anteile unter Ausschluss der Wettbewerber an Lufthansa gehen. Dabei würden "sowohl die Wettbewerbsregeln der EU als auch die Bestimmungen zu staatlichen Beihilfen ignoriert", teilte das Unternehmen auf seiner Webseite mit. Da die deutsche Regierung unmittelbar beteiligt sei, scheine es unwahrscheinlich, dass das Bundeskartellamt aktiv werde. "Unter diesen Voraussetzungen und in Anbetracht des Ausmaßes der Umverteilung von Marktanteilen und daraus resultierenden Implikationen für den Europäischen Markt, ist es umso wichtiger, dass die Europäische Kommission unverzüglich und entschieden handelt", fügte das Unternehmen in der Mitteilung hinzu.

Bund sichert 150 Millionen Euro zu

Air Berlin hatte am Dienstag einen Insolvenzantrag gestellt. Die zweitgrößte deutsche Fluglinie konnte sich zuletzt nur noch mit finanziellen Zuschüssen des arabischen Hauptaktionärs Etihad in der Luft halten. Nachdem am Freitag Etihad erklärt habe, keine weitere finanzielle Unterstützung zur Verfügung zu stellen, sei man "zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Air Berlin PLC keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht", hieß es in einer Pflichtmitteilung an der Börse.

Der Bund sicherte mit einem Kredit von 150 Millionen Euro den Flugbetrieb bis etwa Ende November, wie Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte. Bis dahin könne die Lufthansa Teile der insolventen Fluggesellschaft übernehmen. Auch Air Berlin selbst teilte mit: "Die Flugpläne bleiben gültig, gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit, alle Flüge sind weiterhin buchbar." Das Unternehmen befördert täglich etwa 80.000 Passagiere befördert.

Die Lage bei Air Berlin hatte sich seit Ende März verschärft. Mit der Umstellung auf den Sommerflugplan häuften sich Flugausfälle und Verspätungen. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ordnete am Dienstag die Insolvenz in Eigenverwaltung an - das bedeutet, dass das bisherige Management um Vorstandschef Thomas Winkelmann für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich bleibt. Vorläufiger Sachwalter ist der Rechtsanwalt Lucas Flöther, der zuletzt den insolventen Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt rettete und bei der Pleite des Internetriesen Unister in Leipzig die Insolvenzverwaltung übernommen hatte.

Verhandlungen mit Lufthansa und Weiteren

Air Berlin verhandelt nach eigenen Angaben mit der Lufthansa "und weiteren Beteiligten" über den Verkauf von Teilen des Unternehmens. Diese Verhandlungen könnten "zeitnah" abgeschlossen werden. Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) und Dobrindt äußerten sich zuversichtlich. Lufthansa teilte mit, man wolle die Verhandlungen zu einem schnellen und positiven Ergebnis führen.

Um welche Unternehmen es sich bei den "weiteren Beteiligten" handelt, wurde nicht mitgeteilt. Am Abend bekundete der Reiseveranstalter Thomas Cook mit seiner Ferienflugtochter Condor Interesse an einer "aktiven Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin". Ein Teil der Thomas-Cook-Reiseveranstalter-Gäste werde mit Air Berlin und ihrer Tochter Niki in den Urlaub geflogen.

Lufthansa hatte zuletzt Interesse an Air Berlin bekundet, wollte aber nicht die Schulden in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro übernehmen. Zypries schloss aus, dass der Bund die Schulden übernehmen könnte, um eine Übernahme zu ermöglichen. Auf die Frage nach etwaigen weiteren Krediten des Bundes für Air Berlin sagte sie, über diese Frage werde entschieden, wenn es an der Zeit dafür sei.

Gewerkschaften warnen

Die Bundeshilfe für Air Berlin ist nach Dobrindts Angaben der EU-Kommission gemeldet worden. Er rechnet damit, dass das Genehmigungsverfahren "ein paar Tage" dauert.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) teilte mit, die Nachricht sei "für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Air Berlin, die seit Bestehen der Airline eine hervorragende Arbeit leisten, ein Schock". Etihad lasse Air Berlin "fallen wie eine heiße Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert haben", kritisierte VC. "Hier zeigen die Investoren vom Golf ihr wahres Gesicht."

Etihad betonte, das Geschäft von Air Berlin habe sich zuletzt "rapide verschlechtert". Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo warnte vor einer Zerschlagung der Air Berlin. Auch ver.di forderte, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Der Gang in die Insolvenz sei ein harter Schlag für die Beschäftigten. Air Berlin unterhält Drehkreuze für Umsteigeverbindungen in Berlin und Düsseldorf. Die Airports sicherten zu, Air Berlin bei der Restrukturierung zu unterstützen.

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