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Pleitewelle im kommenden Jahr? - Warum Experten ein Firmensterben kommen sehen

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Die Zahl von Firmenpleiten wird nächstes Jahr steigen - vor allem im Osten und bei Autozulieferern. Das erwarten Insolvenzverwalter. Ein Lichtblick: Entspannung im Handelsstreit.

Maschinenbauer in Laage
Vor allem die Autobranche kämpft an vielen Fronten - unter anderem mit dem Umstieg auf alternative Antriebe.
Quelle: imago

Wenn die Nachfrage nach "Restrukturierungsexperten" steigt, ist das keine gute Nachricht. Gemeint sind hier nämlich Insolvenzverwalter wie Lucas Flöther, der unter anderem Insolvenzverwalter im Fall Air Berlins ist. Flöther ist zugleich Sprecher des Gravenbrucher Kreises - und vertritt damit führende Vertreter seiner Branche. Die wiederum beobachten bereits jetzt einen leichten Anstieg von Unternehmensinsolvenzen. 2019 wird deren Zahl deutlich ansteigen - so die Prognose.

Autozulieferer und Osten besonders betroffen

In jüngster Vergangenheit hatten Hochkonjunktur und die anhaltende Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank überdeckt, dass viele Unternehmen ohne wettbewerbsfähiges Geschäftsmodell unterwegs sind. Ähnlich argumentierte die Wirtschaftsauskunftei Bürgel. Ihr zu Folge starten bundesweit 305.000 Unternehmen mit finanziellen Problemen ins neue Jahr.

Besonders groß ist demnach das Problem in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Es gebe von einer Pleite bedrohte Firmen in allen Wirtschaftsbereichen. Sie "treffen aber die Branchen besonders hart, die vom Abschwung betroffen sind", so Flöther. Gerade bei den Autozulieferern sei nun das Ende des Aufschwungs spürbar.

Jobs stehen auf dem Spiel

Die Autobranche kämpft aktuell aber noch mit anderen Problemen - eines davon ist der drängende Umstieg und der Start in die Zukunft alternativer Antriebe. In Elektroautos etwa werden viele Teile nicht mehr gebraucht, die heute für die Motoren notwendig sind. Deswegen stehen laut Experten in der Autoindustrie künftig auch viele Jobs auf dem Spiel.

Auch der neue EU-Abgas-Prüfstandard WLTP macht der Branche zu schaffen. Der gilt ab 1. September und hat seither zu einem Einbruch der Autoabsätze geführt. Nach jüngsten Daten des europäischen Branchenverbandes ACEA sind die Absätze der Autohersteller in Europa im November - und im Vergleich zum Vorjahr - um rund acht Prozent zurückgegangen. Der Einbruch zum Jahresende könnte dazu führen, dass sich auch für das Gesamtjahr ein leichter Rückgang der Autoverkäufe einstellen wird.

Konjunktur hat abgekühlt

Neben den Nachwehen des Dieselskandals schließlich lässt sich auch ein spürbares Abkühlen der Konjunktur feststellen. Manche Beobachter befürchten angesichts der jüngsten Wirtschaftsdaten sogar, dass eine Rezession, also ein Schrumpfen der Wirtschaft bevorsteht. Derart pessimistisch ist die Europäische Zentralbank im Moment zwar nicht - sie geht von einer vorübergehenden Abkühlung aus, sieht aber den allgemeinen Aufwärtstrend der Konjunktur im Euroraum als intakt an.

Ökonomen streiten allenfalls noch darüber, wie stark sich das Wachstum verlangsamen wird. Es gebe Anzeichen "für ein schwächeres Wachstum, aber nicht für ein schwaches Wachstum", sagte Mario Draghi nach der Sitzung der obersten Währungshüter am vergangenen Donnerstag in Frankfurt. Diese Sicht ergibt sich aus der Analyse von Wirtschaftsdaten. Stimmungsindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex allerdings zeichnen ein bescheideneres Bild: Zuletzt ist das wichtigste Konjunkturbarometer das dritte Mal in Folge zurückgegangen.

Etwas Entspannung im Handelsstreit

Einen Lichtblick aber hat es in dieser Woche – vor allem auch für die gebeutelte Autoindustrie – gegeben: China ist im Handelsstreit einen Schritt auf die USA zugegangen. Das Land will ab Januar die Strafzölle für Autos und Autoteile aus den USA von 40 auf 15 Prozent senken – zumindest für drei Monate. Davon werden auch die deutschen Autobauer wie Daimler und BMW profitieren.

In den vergangenen Monaten hatten die beiden deutschen Premiumautobauer Daimler und BMW ihre Gewinnprognosen für das laufende Jahr nach unten korrigieren müssen. Als Grund gaben die Autobauer den sich zuspitzenden Handelskonflikt zwischen den USA und China an. Dass China nun die Einfuhrzölle auf Autos senken will, dürfte deswegen in München und Stuttgart für ein Aufatmen gesorgt haben. "Das ist natürlich eine erhebliche Erleichterung für die deutschen Hersteller, die in Amerika produzieren und viele Fahrzeuge nach China importieren", sagte Stefan Bratzel, Autowirtschaftsexperte an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach. "Und entsprechend wird das auch die Absätze zumindest in den nächsten drei Monaten beschleunigen".

Vorgezogene Autokäufe in China?

Zugute kommen könnte den Autobauern zudem noch ein weiterer Effekt: Da die Zölle zunächst nur für die kommenden drei Monate ausgesetzt sind und niemand weiß, wie der Konflikt sich weiter entwickeln wird, dürften Käufer in China die Situation ausnutzen und Käufe vorziehen. Finanziell angeschlagenen Unternehmen in der Autozulieferbranche mit anfälligem Geschäftsmodell allerdings dürfte dieser mögliche Lichtblick keinen Weg in die Zukunft weisen.

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