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Instagram will Druck verringern - Süchtig nach Likes

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Ein Bild posten, Likes dafür bekommen: Millionen junge Nutzer sind geradezu süchtig nach Likes in den sozialen Medien. Instagram könnte die Anzahl der Likes deshalb bald verbergen.

Millionen junger Nutzer sind geradezu süchtig nach Likes in den sozialen Medien. Sie vergleichen sich, sie fühlen sich schlecht - Mobbing und sozialer Druck werden zum Problem. Instagram testet jetzt, ob es auch ohne Likes geht.

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Auf den ersten Blick fotografiert Fabian Arnold einfach nur sein Frühstück: Avocado, Humus, einen Milchkaffee mit Herzchen-Schaum. Auf den zweiten Blick kreiert Arnold, 23, Social-Media-Content. In einem Café in Berlin-Kreuzberg macht Arnold Fotos für seinen Instagram-Account. Bis zu 450.000 Menschen sehen sich sein Frühstück an und was er sonst noch so postet. Fotoshootings, Reisen nach Los Angeles, seine Oberarme. Fabian Arnold ist Model und Influencer - auch wenn er das Wort nicht mag. "Ich würde mich nicht als Beeinflusser sehen, auch wenn es so ist", sagt er.

Einfluss hat er in der Tat. Zehntausende meist junge Menschen sehen seine Bilder täglich. 30.000 Likes, 40.000, manchmal 50.000 bekommen seine Postings. Auf diese Likes ist Arnold angewiesen. Sie sind quasi sein Geschäftsmodell. Denn je mehr Likes, desto mehr zahlen Modefirmen für seine Posts. Manchmal verdient er 2.000 oder 3.000 Euro für ein Bild, auf dem er ein bestimmtes Parfumflacon in die Kamera hält. Doch manchmal spürt auch er den Druck: "Social Media verändert den Kopf", sagt er. "Jedes Mal, wenn ich durch die Straßen gehe, denke ich nicht: Hier sieht es cool aus, ich möchte das genießen. Man denkt immer: Was kann ich hier an Content kreieren." Eigentlich, sagt Arnold, könne man nie abschalten.

Junge Mädchen: Abhängigkeit von Likes bei Instagram

Und trotzdem ist Arnold für viele Jugendliche ein Vorbild. Traumberuf Influencer - dieser Wunsch kann so stark werden, dass er krankhaft wird. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf behandelt Jugendpsychiater Rainer Thomasius Kinder und Jugendliche, die süchtig nach Instagram sind. "Manche Mädchen, die an unserer Therapie teilnehmen, kommen erst dann zur Sitzung, wenn ihr zuvor bei Instagram gepostetes Schminkbild eine gewisse Zahl an Likes bekommen hat", sagt er. Likes könnten ein angeschlagenes Selbstwertgefühl stabilisieren. Sein Kollege Jakob Florack vom Vivantes-Klinikum Berlin erklärt das auch mit der Art und Weise, wie Instagram funktioniere. Es sei so gebaut, dass Jugendliche hier extra viel Zeit verbringen würden.

Jugendpsychiater Jakob Florack vom Berliner Vivantes-Klinikium behandelt Jugendliche, die abhängig sind von Instagram. Gerade Instagram könne durch das Bedürfnis nach Anerkennung zu Depressionen führen.

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Dass der Druck in den sozialen Netzwerken wie Instagram zunimmt, beobachtet auch Silke Borgstedt, Direktorin für Forschung des Sinus-Instituts. Sie hat das Online-Verhalten von 14- bis 24-Jährigen untersucht. "Knapp ein Drittel der Jugendlichen befürchtet, vielleicht sogar süchtig zu sein", sagt sie. Die befragten Jugendlichen würden davon berichten, dass sie auf Social-Media-Strukturen angewiesen seien. "Sie sagen: Dort einen Account zu pflegen, ist kein persönliches Hobby von mir, sondern es ist eine gesellschaftliche Anforderung. Wer da nicht ist, existiert nicht." Dabei poste nur etwa jeder Fünfte selber aktiv. Die meisten würden vor allem beobachten, was andere posten. Für viele sei Instagram eine wichtige Orientierung für das eigene Leben.

Instagram will Likes verbergen - Facebook bald auch?

Um den sozialen Druck zu mindern, will Instagram jetzt reagieren. Seit ein paar Wochen testet das soziale Netzwerk in Ländern wie Australien oder Kanada eine Version, in der Likes verborgen werden. Die konkrete Zahl, wie viele Likes ein Post bekommen hat, wird hier nicht mehr angezeigt. Stattdessen heißt es nur noch, ein Bild habe von einem bestimmten Nutzer und anderen einen Like bekommen. "Wir wollen, dass Instagram ein Ort ist, an dem sich die Menschen frei ausdrücken können. Dazu gehört auch, ihnen zu helfen, sich auf ihre geteilten Fotos und Videos konzentrieren zu können - und nicht darauf, wie viele Likes sie bekommen", sagt Instagram-Sprecherin Tara Hopkins.

Allerdings sieht der Nutzer, der ein Bild bei Instagram postet, intern immer noch, wie viele Likes genau das Bild bekommen hat. Lediglich für andere, außenstehende Nutzer wird die Zahl verborgen. Reicht das schon, um den sozialen Druck zu verringern? Das jedenfalls dürfte die Strategie hinter der Neuerung sein. Weniger Druck könnte zu mehr Postings führen. Auch von bisher verunsicherten Nutzern, die aus Angst vor Mobbing bisher wenig selber posten. Eine Strategie, die auch Facebook, zu dem Instagram gehört, übernehmen könnte - in absehbarer Zeit auch in Deutschland. Facebook und Instagram haben das bisher jedenfalls nicht ausgeschlossen. Und auch Twitter arbeitet bereits an einer Version ohne Likes.

Likes verbergen: "Meine Freunde in Australien sind deprimiert"

Experten wie Silke Borgstedt begrüßen das. Borgstedt nennt den Versuch eine Erleichterung für junge Nutzer. Das Hauptproblem sei das Gefühl junger Nutzer, wenige Likes zu bekommen, bedeute, schlecht zu sein. Insofern sei das Verbegen von Likes ein guter Weg. Influencer Fabian Arnold sieht das anders. Er stehe im Kontakt mit australischen Influencern. "Die finden das beschissen", sagt er. "Meine Freunde in Australien sehen noch die eigenen Likes, die gehen aber so krass runter, die sind alle mega deprimiert."

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