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Digitalisierung - Der Energiewende läuft die Zeit davon

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Ohne intelligentes Stromnetz klappt die Energiewende nicht. Doch die dafür notwendige Sicherheitstechnik lässt auf sich warten. Noch ist das Zeitfenster für die Energiewende offen.

Stromzähler auf einer Energie-Messe. Archivbild
Der Stromzähler soll intelligent werden - und die Energiekosten für Verbraucher senken. Doch der Weg dahin ist lang.
Quelle: Maja Hitij/dpa

"Die Energiebranche hat die Digitalisierung sehr zögerlich angegangen", stellt Bouke Stoffelsma, Vorstand beim Netzausrüster Hausheld AG in Mönchengladbach, fest. Und er mahnt zur Eile. Nur wenn das Stromnetz intelligent gesteuert werden kann, ist Deutschland nach dem Dafürhalten vieler Energieexperten fit für die Energiewende.

Grüner Strom braucht intelligentes Netz

Doch dafür fehlen zur Zeit noch die Voraussetzungen. Eine wesentliche Rolle spielen Smart Meter, intelligente Messsysteme für Strom. "Wenn wir weg wollen von zentralen Kraftwerken für Braunkohle und Steinkohle, wenn wir aus der Atomkraft raus wollen, dann werden wir mit Windkraft und Solarenergie viel mehr volatile Lasten bekommen", sagt Stoffelsma.

Solarenergie gibt es eben nur, wenn die Sonne scheint, und für Strom aus Windkraft muss es zumindest mittelkräftig wehen. "Das aber muss nicht nur intelligent gesteuert werden, sondern vor allen Dingen auf einem entsprechenden Sicherheitsniveau", meint der Informatik-Professor Hartmut Pohl. Denn zu unsichere Smart Meter würden letztlich zu Stromausfällen und damit direkt in die Katastrophe führen.

Was wir brauchen, damit die Energiewende noch klappt

Energiebranche hat Sicherheitsanforderungen unterschätzt

Deshalb brauchen die für die Steuerung des Stromnetzes notwendigen Smart Meter ein entsprechendes Sicherheitsgateway. "Sonst haben wir das Risiko, dass ein Angreifer es schafft, über den Smart Meter eines Verbrauchers ins Stromnetz zu kommen und es abzuschalten", warnt Pohl. Die Anforderungen an die Smart-Meter-Gateway genannte Sicherheitsschnittstelle sind also hoch.

Und das haben sowohl Energiepolitiker als auch Stromversorger völlig unterschätzt. Bisher ist erst ein Smart-Meter-Gateway vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zertifiziert worden. "Der Rollout kann aber erst beginnen, wenn es von drei Herstellern ein Gateway gibt", gibt Informatik-Professor Pohl zu bedenken. Hier steht die Branche unter Zeitdruck. Um diesem Zeitdruck zu begegnen, liefern viele Stadtwerke statt der benötigten Smart Meter nur sogenannte moderne Messeinrichtungen. Das sind zwar auch digitale Stromzähler, aber eben keine intelligenten Stromzähler.

Stadtwerke weichen aus

"Die können gar keine Verbrauchsdaten an den Energieversorger senden", erklärt Christian Bogatu von der Fresh Energy GmbH in Berlin.  Zwar könnten die sogenannten modernen Messeinrichtungen später mit entsprechender Sendetechnik nachgerüstet werden - aber um das geforderte hohe Sicherheitsniveau der dann zertifizierten Smart Meter mit ihren Gateways flächendeckend zu realisieren, müsste diese Messeinrichtungen eigentlich ausgetauscht werden.

Das kostet Geld und wird deshalb herausgezögert. "Viele Stadtwerke denken, das wird vielleicht nicht so schlimm werden", urteilt Bouka Stoffelsma und mahnt: "Doch, es wird so schlimm werden!" Diese Mahnung gilt auch für größere Unternehmen. "Die sind häufig auf eine dezentrale Stromversorgung noch gar nicht vorbereitet", weiß Professor Hartmut Pohl aus zahlreichen Sicherheitstexts, die er mit seinem Team durchgeführt hat.

Intelligentes Stromnetz

Unternehmen sind nicht fit für die Energiewende

Vielfach müssen nämlich in den Unternehmen die Steuerungsrechner der eigenen Stromversorgung für das Smart-Meter-Zeitalter fit gemacht werden. Für diese Steuerungsrechner ist nicht der Energieversorger verantwortlich. Das sind Lastverteilungsrechner, die beim verbrauchenden Unternehmen stehen. "Die sind oft noch nicht ausreichend gegen Hackerangriffe geschützt", meint Sicherheitsforscher Pohl. Das betrifft viele Fabriken, Flughäfen, Internet-Provider und andere sogenannte kritische Infrastruktur. Da muss erheblich nachgerüstet werden.

"Denn die Sicherheitslage bei den Steuerungsrechnern ist auch für das Stromnetz insgesamt fatal", sagt Pohl. Über die unternehmenseigenen Lastverteilungsrechner kann ein Angreifer nämlich in das allgemeine Stromnetz gelangen und dort für einen Blackout sorgen. Soll die Energiewende gelingen, muss also an mehreren Ecken gleichzeitig erheblich aufgeholt werden.

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