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Immer mehr Autohersteller bleiben weg - IAA irgendwie überholt

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Ist die Internationale Automobilausstellung, die an diesem Donnerstag in Frankfurt beginnt, noch zeitgemäß? Daran zweifeln offenbar immer mehr Autohersteller. Viele von ihnen wird man auf der 67. IAA vergeblich suchen.

Nicht nur Tesla hat abgesagt: Elon Musk, Chef des kalifornischen Unternehmens hätte sich eines großen Besucherandrangs sicher sein dürfen. Die Begründung für die Absage: Tesla sei kein traditioneller Fahrzeugbauer und nicht auf die Veranstaltungen der Branche fixiert. "Wir bewerten jedes Event, um den besten Weg zur Interaktion mit unseren Kunden zu finden", sagte eine Unternehmenssprecherin. Auch traditionelle Autohersteller kommen nicht, so die Fiat-Chrysler-Gruppe, Modelle von deren Marken Alfa Romeo, Fiat, Lancia, Abarth und Jeep sowie Fiat Professional sind also nicht ausgestellt. Peugeot hatte schon Ende vergangenen Jahres bekannt gegeben, dass man nicht nach Frankfurt reisen werde.

Immerhin Opel ist da

Citroen wird die Reise an den Main jedoch antreten - allerdings ohne die Nobeltochter DS. Die jüngste Konzerntochter Opel wird zwar in Halle 8 präsent sein. Für Opels ehemalige Mutter General Motors ist der europäische Markt hingegen kaum noch von Interesse, weil Chevrolet und Cadillac in Europa nur geringe Marktanteile haben.

Volvo stellt schon zum zweiten Mal nach 2015 nicht auf der IAA aus. Man wolle sich beschränken auf eine große Ausstellung je Kontinent - in Europa aber waren die Schweden schon auf dem Genfer Automobilsalon vertreten. Die japanischen Autobauer Nissan und Mitsubishi bleiben ebenfalls fern. BMWs Nobelmarken Aston Martin und Rolls Royce haben ihre Neuheiten schon vor dem offiziellem Messebeginn der Presse vorgestellt. "Rolls-Royce bevorzugt es, sich direkt dort an die Kunden zu wenden, wo sie wohnen und arbeiten“, heißt es von der britischen BMW-Tochter. Daher habe man schon 2016 entschieden, sich vom Großteil der weltweiten Messen zurückzuziehen.

Experte: Messen verlieren an Bedeutung

"Große Automessen haben für die Autobauer nicht mehr die Bedeutung wie noch vor einigen Jahren", sagt Stefan Bratzel, er leitet das Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Mit dem Wandel der Autoindustrie richteten sich auch die Autohersteller neu aus: Autos sind mittlerweile ohnehin fahrende Computer. So hat etwa Nissan im März lieber die Technologiemesse CeBIT gewählt, um seine Fahrzeuge zu präsentieren. "Das haben wir bei Nissan in Deutschland, Europa und auch global nach gründlichem Abwägen entschieden", hatte Thomas Hausch, Länderchef für Deutschland, Österreich und die Schweiz, der Branchen- und Wirtschaftszeitung Automobilwoche gegenüber die IAA-Absage begründet.

Andere Autobauer stellen inzwischen verstärkt auf Messen wie der "Computer Electronics Show" in Las Vegas oder dem "Mobile World Congress" in Barcelona aus. Oder sie veranstalten eigene kleine "Events" - erreichen aber über Facebook & Co viele Kunden. So wie Tesla-Chef Elon Musk, der dazu den Kurznachrichtendienst Twitter nutzt: "Da kann er für null Cent Millionen Menschen erreichen", erklärt Autoexperte Bratzel. Besucher, die nach Frankfurt kommen, werden also das "Model 3" nicht anfassen können. Sie können sich aber immerhin in der Frankfurter Innenstadt noch Informationsmaterialien besorgen. Dort hat Tesla vor einigen Monaten einen Showroom eröffnet.

Auto der Zukunft im Blick

Autoexperte Bratzel glaubt jedoch nicht, dass die IAA vollkommen an Strahlkraft verliere. Das sieht natürlich auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) als Veranstalter so: Die Messe widme sich Zukunftsthemen, sie zeige die ganze Bandbreite der Innovationen der Branche von der Digitalisierung über die Elektromobilität bis hin zu neuen Mobilitätskonzepten. Dazu soll auch die "New Mobility World“ beitragen, die parallel zur IAA veranstaltet wird: Auf der Außenfläche der Autoschau werden da autonom fahrende Autos gezeigt. Als positiv wertet der VDA auch die Zusage der chinesischen Hersteller Wei oder Chery, die zum ersten Mal nach Frankfurt kämen. "Die brauchen die Möglichkeiten, überhaupt aufzutreten", glaubt Bratzel. Noch seien sie klein - aber in zehn Jahren dürften sie in der Autoindustrie eine weitaus größere Rolle spielen.

Ein weiteres Argument sind die Kosten: Denn auf der großen IAA, die zumindest  Veranstalter VDA immer noch als Leitmesse der Branche anpreist, finden vor allem die kleineren Autohersteller nicht mehr die Beachtung. "Die gehen oft unter, und da kann man die Gelder für das Marketing effizienter einsetzen", glaubt Bratzel. Verbunden mit der Überlegung, dass man dieses Geld in andere Marketing-Kanäle lenkt. "Man überlegt, wie man die Mittel gewinnbringend einsetzen kann", meint auch Uwe Treckmann, Autoanalyst der Commerzbank.

Laut der Preisliste des Veranstalters kostet ein Quadratmeter Ausstellungsfläche 166 Euro Miete. Das dürfte auch ein Grund sein, warum etwa Autokonzerne wie FiatChrysler, die ohnehin nicht auf Rosen gebettet sind, auf diese Ausgaben verzichten. In Zeiten des Dieselskandals kann man dieses Geld besser nutzen. Zur Miete hinzu kommt ja noch der Standaufbau, die Informationsmaterialien, das Personal - und das muss auch noch untergebracht werden. Die Hotels in Frankfurt aber nehmen zu Messezeiten und besonders zur IAA horrende Preise. Da entstehen Fachleuten zufolge Gesamtkosten zwischen zehn und 25 Millionen Euro. Die spart auch Audi: Die Ingolstädter verzichten in diesem Jahr auf einen eigenen Auftritt und präsentieren sich stattdessen auf dem Stand der Muttergesellschaft Volkswagen.

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