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Syrien-Konferenz in Brüssel - Gesucht: Internationale Hilfe für Syrer

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Eine Geberkonferenz in Brüssel soll Hilfsgelder in Milliardenhöhe für die Leidtragenden des Syrien-Krieges einbringen. Hilfsorganisationen fordern indes mehr Druck auf Assad.

Syrische Rebellenhochburg Idlib. Archivbild
Syrische Rebellenhochburg Idlib. Archivbild
Quelle: Sana / Handout/SANA/dpa

"Eine internationale Syrien-Konferenz in Brüssel? Davon hat hier niemand was gehört. Sie wird uns auch nichts bringen!" Die Antwort auf die Frage, was sich Menschen in Syrien von der aktuellen Geberkonferenz für die Leidtragenden des Krieges in erhoffen, fällt fast immer gleich aus. Die Gegenfragen des Lehrers Khaled Hemdan aus Rastan im Norden von Homs lauten: "Wie viele solcher Konferenzen hat es schon gegeben - und wie haben sie uns geholfen?" Sein Kollege Adnan Addahik ergänzt: "Sieben Jahre Krieg haben jeden Funken Hoffnung bei den Menschen hier erstickt."

Krieg in Syrien: Zahl der Binnenvertriebenen und Flüchtlinge wächst

In der ländlichen Gegend, in der Hemdan und Adahhik leben, hatte in den vergangenen Monaten weitgehend Waffenruhe geherrscht, nun aber berichten die beiden Männer wie auch zahlreiche weitere Zivilisten wieder von schweren Gefechten. Die Armee von Syriens Machthaber Baschar al-Assad versuche gemeinsam mit iranischen Milizen die von Rebellen kontrollierte Region zu erobern. Wieder sterben Menschen auf beiden Seiten. Der Krieg tobt weiter.

Anlässlich der aktuellen Syrien-Konferenz in Brüssel, die gemeinsam von der Europäischen Union und den Vereinten Nationen organsiert wird, erinnern zahlreiche internationale Hilfsorganisationen daran, dass die anhaltende Gewalt in Syrien seit Beginn dieses Jahres weitere 700.000 Menschen innerhalb des Landes vertrieben habe. Insgesamt seien mehr als sechs Millionen Binnenvertriebene und weitere sechs Millionen Flüchtlinge in den Nachbarländern Syriens auf humanitäre Hilfe angewiesen. Vor allem sie haben die Initiatoren der Geberkonferenz im Blick.

Arbeit humanitärer Helfer in Syrien wird immer gefährlicher

An dem Treffen in Brüssel beteiligen sich mehr als 80 Delegationen von Staaten und internationalen Organisationen. Auf der Vorgängerkonferenz im April 2017 hatten 42 Geldgeber etwa sechs Milliarden US-Dollar versprochen. Einem aktuellen Umsetzungsbericht der EU zufolge wurden diese Zusagen übererfüllt und 7,5 Milliarden US-Dollar gezahlt oder auf den Weg gebracht. Dagegen berichten die Vereinten Nationen, dass tatsächlich erst 4,7 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern überwiesen worden seien. Die Organisatoren der Konferenz mahnen deshalb die Staaten, ihre Zusagen einzuhalten und Hilfe nun sogar auszuweiten.

Indes berichten Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam, Care, die Katastrophenhilfe der Diakonie oder Save the Children übereinstimmend, dass der Bedarf an humanitärer Hilfe in dem anhaltenden Konflikt immer größer werde. Gleichzeitig klagen sie darüber, dass sie in ihrer Arbeit kontinuierlich massiv behindert werden. Die Arbeit der Helfer werde immer schwerer und gefährlicher, sagt zum Beispiel Helle Thorning-Schmidt, früher dänische Ministerpräsidentin, seit 2016 internationale Geschäftsführerin von Save the Children.

Hilfsorganisationen fordern von Politik mehr Druck auf Assad

Thorning-Schmidt und ihre Kollegen fordern von der internationalen Politik mehr Druck auf Assad, so dass humanitäre Helfer nicht länger bedroht und gestoppt werden. Sie verweisen dabei auch auf Angaben der Vereinten Nationen, wonach die syrische Regierung im vergangenen Jahr nur 47 der 172 beantragten Hilfskonvois genehmigt habe. Im Ergebnis leiden allein in Syrien Millionen Menschen weiter an einem Mangel an Nahrungsmitteln, Medikamenten und fehlendem Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Aber auch in den Nachbarländern ist die Lage syrischer Flüchtlinge prekär. Stark unterfinanziert sieht sich etwa das Welternährungsprogramm (WFP), das derzeit etwa die Hälfte der insgesamt sechs Millionen Flüchtlinge außerhalb Syriens versorgt. Im Jahresbudget fehlten derzeit circa 400 von benötigten 900 Millionen US-Dollar. Das WFP ist nur eine von vielen Organisationen, die über mangelnde Ressourcen klagen.

"Unser Leben ist ruiniert und kein Frieden, keine Freiheit in Sicht"

Das Grundproblem: Durch den andauernden Krieg wächst die humanitäre Not schneller als die Bereitschaft der Geldgeber, im nötigen Ausmaß zu helfen. Um eine weitere Eskalation des Konflikts zu verhindern, soll es deshalb in Brüssel am Rande der Konferenz auch darum gehen, mit russischen und iranischen Vertretern auszuloten, wie Friedensgespräche wieder in Gang gebracht werden können. "Wir werden versuchen, einen Anstoß in diese Richtung zu geben", hatte die EU-Außenbeauftrage Federica Mogherini dazu vor kurzem gesagt.

In Syrien versucht Assad derweil weiter, mit militärischen Mitteln die völlige Macht über das Land zurückzugewinnen. Die Erfolge der jüngeren Vergangenheit stimmen ihn siegesgewiss. Auf der anderen Seite leisten Oppositionelle erbittert Widerstand und diverse Dschihadistengruppen sorgen für Terror und Chaos. Etwa in Idlib im Nordwesten des Landes, wo der Sanitäter Bilal Makhzom tagtäglich Opfer der Gewalt versorgt. Er sagt im Gespräch mit heute.de: "Wenn die internationale Gemeinschaft es wirklich wollte, könnte sie den Krieg in Syrien quasi über Nacht stoppen. Aber sie will es nicht, und die Menschen hier zahlen einen hohen Preis dafür - unser aller Leben ist ruiniert und kein Frieden, keine Freiheit in Sicht."

Wozu eine Syrien-Konferenz? Acht Fragen und Antworten

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