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Stahl und Aluminium - Internationale Kritik an Trumps Schutzzöllen

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International gibt es Protest gegen die von US-Präsident Trump erlassenen Strafzölle. China spricht von einem "ernsthaften Angriff" auf die weltweite Handelsordnung.

Hochofen in Salzgitter
Hochofen in Salzgitter
Quelle: dpa

Trotz der Warnungen vor einem Handelskrieg aus dem In- und Ausland hat US-Präsident Donald Trump Schutzzölle für die amerikanische Stahl- und Aluminiumindustrie erlassen. Im Beisein von Arbeitern aus der US-Metallbranche unterzeichnete der Republikaner am Donnerstag im Weißen Haus die entsprechenden Dekrete.

Von ihnen ausgenommen sind zunächst Kanada und Mexiko. Allerdings ist dies mit Fortschritten bei dem von Trump geforderten Umbau des NAFTA-Handelsabkommens verknüpft. International stieß Trump erneut auf scharfe Kritik.

Trump: "Ohne Stahl hat man keinen Staat"

Die Arbeiter in der US-Stahl- und Aluminiumbranche seien "das Rückgrat des Landes", erklärte Trump. Es habe aber "einen Angriff auf unser Land" durch Billig-Importe gegeben. Die Zölle seien wichtig, um die Wirtschaft zu schützen, aber auch aus Gründen der nationalen Sicherheit notwendig. "Ohne Stahl hat man keinen Staat", sagte er. "Wer keine Steuern zahlen will, soll sein Werk in die USA bringen." Neben Kanada und Mexiko könnten andere Länder Ausnahmen beantragen, sagte er weiter. Dabei würden unter anderem die Verteidigungsausgaben der Verbündeten berücksichtigt.

Trump hat wiederholt NATO-Staaten kritisiert, die - wie Deutschland - weniger für Rüstung ausgeben als von der Allianz vereinbart. Die US-Regierung hatte zunächst angedeutet, gegen alle Staaten Zölle verhängen zu wollen. Die Maßnahmen sollen frühestens in 15 Tagen greifen. Aber bereits kurz nach der Verkündigung regte sich international Kritik und Widerstand.

EU-Kommission prüft Abgaben auf US-Waren

IWF-Chefin Christine Lagarde befürchtet weltweit eine Retourkutsche nach der anderen zum Schaden der globalen Wirtschaft. Mexiko und Kanada kündigten an, sich durch die angebotene Schonfrist bei den NAFTA-Verhandlungen nicht unter Druck setzen zu lassen.

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire äußerte sich enttäuscht von Trumps Dekret. In einem Handelskrieg gebe es nur Verlierer, sagt er. Gemeinsam mit seinen EU-Partnern werde Frankreich die Folgen für die heimische Industrie abschätzen und geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen. Die EU-Kommission prüft bereits neue Importabgaben auf US-Waren wie etwa Whiskey, Orangensaft und Erdnussbutter. Insgesamt stehen Produkte im Wert von 2,8 Milliarden Euro im Visier.

EU fordert Ausnahmen

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström forderte Ausnahmen auch für die Europäische Union. Die EU sei ein enger Verbündeter der USA. Gelegenheit für Gespräche bietet sich beim Besuch des US-Handelsbeauftragen Robert Lighthizer am Samstag in Brüssel. Japan schloss sich dem an. Schließlich täten die japanischen Lieferungen viel für die Beschäftigung und die Industrie in den Vereinigten Staaten, sagt Kabinettsminister Yoshihide Suga. China forderte eine Rücknahme der Zölle und kündigte an, seine Rechte und Interessen fest entschlossen zu verteidigen.

Südkorea drohte zudem, die Welthandelsorganisation WTO einzuschalten. Der südkoreanische Handelsminister rief andere Regierungen auf, der Streit dürfe nicht in einen "Handelskrieg" eskalieren. "Wir werden die internationale Gemeinschaft auffordern, von Maßnahmen abzusehen, die den freien Handel hemmen", sagte der Handelsminister von Seoul, Paik Un Gyu, laut einer Mitteilung. "Erhebliche Schäden für Südkoreas Exporte in die Vereinigten Staaten scheinen unvermeidbar."

Die deutsche Wirtschaft fürchtet eine Eskalation des Handelsstreits mit unabsehbaren Folgen. Außenhandelspräsident Holger Bingmann äußerte sich "bitter enttäuscht" von Trump. "Jetzt kann man nur hoffen, dass niemand überreagiert", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir raten dringend zur Besonnenheit." Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, forderte die EU auf, gemeinsam mit internationalen Partnern bei der WTO Klage zu erheben, aber auch WTO-konforme Gegenmaßnahmen. "Dabei ist Augenmaß wichtig", warnte Wansleben. Auch die scheidende Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries brachte bereits eine Klage vor der WTO ins Spiel.

Republikaner kündigt Gesetz gegen Zölle an

Trump unterzeichnete seinen Erlass faktisch zeitgleich mit dem Ende des Handels an den New Yorker Börsen. Die Wall Street schloss leicht im Plus. Am Markt hätten die Ängste vor einem weltweiten Handelskrieg etwas nachgelassen, sagten Marktteilnehmer.

In ersten Reaktionen kritisierten auch Parteifreunde Trumps die Zölle. Senator Jeff Flake kündigte umgehend eine Gesetzesvorlage an, um sie aufzuheben. Der ranghöchste Republikaner im Repräsentantenhaus, Paul Ryan, zeigte sich besorgt wegen möglicher "unbeabsichtigter Konsequenzen" der Entscheidung. Er werde die Regierung dazu drängen, die Maßnahmen enger zu fassen. Ähnlich äußerte sich der republikanische Senator Orrin Hatch, Vorsitzender des Finanzausschusses. Er wolle der Regierung dabei helfen, "den Schaden zu begrenzen".

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