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Nahles-Rücktritt - "Die einst stolze Partei" - Pressestimmen

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Die SPD in desolater Lage, die GroKo vor dem Aus, das Parteiensystem im Umbruch - internationale Pressestimmen zum Rücktritt von SPD-Partei- und Fraktionschefin Nahles.

Zeitungen liegen auf einem Tisch
Nahles-Rücktritt: Widerhall in der internationalen Presse
Quelle: dpa

"New York Times", USA:

"Die Sozialdemokraten haben es nicht geschafft, in einer Ära der Globalisierung ein modernes Narrativ für die traditionelle Rolle der Partei als Verfechterin von sozialer Gerechtigkeit und Arbeiterrechten neu zu erfinden, und sie hatten damit zu kämpfen, sich im Schatten der Kanzlerin selbst zu definieren. Frau Merkel, die vorige Woche mit der Ehrendoktorwürde der Universität Harvard ausgezeichnet wurde, wurde dafür gelobt, den Mindestlohn und die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt zu haben - beide Maßnahmen wurden von den Sozialdemokraten eingeführt."

"Neue Zürcher Zeitung", Schweiz:

"Der Misserfolg von Nahles steht für die Tragödie der SPD, die im Korsett der Großen Koalition mit den Unionsparteien gespalten ist zwischen einem forsch nach links drängenden Flügel und den Überbleibseln jener Partei, welche die SPD als staatstragende Regierungspartei definiert."

"Der Standard", Österreich

"Natürlich trifft Nahles an der miserablen Lage nicht die alleinige Schuld. Die gesamte Partei scheint irgendwie aus der Zeit gefallen. (...) Viele Menschen in Deutschland fühlen sich entweder nicht ungerecht behandelt - oder sie glauben nicht, dass die SPD daran etwas ändern könnte. (...) Wer immer sich nun opfert und die Nachfolge von Nahles antritt, muss entweder an GroKo-Bord bleiben und sich parallel zur Regierungsarbeit dem vernachlässigten Klimathema widmen, oder das Schiff gleich verlassen. Die SPD ist in einer so desolaten Lage, dass sie sich eines sicher nicht mehr erlauben kann: einen schwankenden Kurs, der die Partei endgültig in die totale Bedeutungslosigkeit führt."

"Jyllands-Posten", Dänemark:

"Die einst stolze Partei, die sich sowohl dem Nationalsozialismus als auch dem Kommunismus widersetzte und zum Aufbau der Bundesrepublik beigetragen hat, ist ein Schatten dessen, was sie einmal war. (...) Es ist unwahrscheinlich, dass diese Regierung das Jahr überdauern wird. Von hier aus gesehen sind Neuwahlen kein Unglück, auch wenn man in Berlin damit unglücklich ist. Deutschland ist in diesen Jahren ein Fels in einem tobenden Meer. Aber es sollte möglichst kein Moos ansetzen."

"Gazeta Wyborcza", Polen:

"Die SPD wird durch die Transformation getötet, die die Gesellschaft durchläuft. Die Arbeiterklasse, deren Unterstützung den Sozialdemokraten einst Macht verlieh, verschwindet. Und auf die Bedürfnisse des neuen Bürgertums, das auf ein umweltfreundliches und bequemes Leben setzt, weiß die Partei nicht einzugehen. Die Wähler wandern zu den Grünen über. (...) Es ist heute vorstellbar, dass der nächste Kanzler von den Grünen kommt. Die SPD ist außerdem Opfer der 'Großen Koalition' (...). Im Schatten von Star Merkel verlor die SPD die Unterstützung der Gesellschaft."

"La Repubblica", Italien:

"Die nächsten Stunden werden entscheidend sein, um zu verstehen, ob die Regierung die große Erschütterung durch die x-te Identitätskrise der Sozialdemokraten verkraftet, auch, weil Nahles eine wackere Befürworterin der Neuauflage der Großen Koalition war."

"De Tijd", Belgien:

"Auch in Deutschland ist das klassische Zweiparteiensystem endgültig begraben. Die klassische Gegenüberstellung von Mitte-Rechts und Mitte-Links gibt es in keiner der großen Demokratien in Europa mehr. Der europäische Wähler hat am 26. Mai Schläge ausgeteilt. Bei uns und anderswo. Er hat die Technokratie in der politischen Mitte abgestraft. Ein Regierungsstil, bei dem nicht mehr geführt, sondern nur noch verwaltet wird. Das war das Wahrzeichen von Angela Merkel. Diese Ära ist vergangen."

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