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Internationale Reaktionen nach der Wahl - "Bitterer Sieg" für Merkel

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Herbe Verluste für die großen Parteien, der Einzug der AfD als drittstärkste Kraft in den Bundestag: EU-Politiker nennen das Wahlergebnis einen "Schock". Die französische Regierung sieht den Ausgang der Wahl als einen "bitteren Sieg" für Kanzlerin Angela Merkel. China und Russland hoffen auf Kontinuität.

China sei erleichtert, dass nach der Wahl Angela Merkel weiter im Amt bleiben kann. Für die chinesische Regierung stehe Merkel für die Stabilität der deutsch-chinesischen Beziehungen, sagt der ZDF Korrespondent in Peking Thomas Reichart.

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Nachdenkliche Töne aus Frankreich: Der Sieg von Bundeskanzlerin Angela Merkel sei "bitter wegen des Aufstiegs einer sehr gewaltsamen, sehr harten, sehr radikalen extremen Rechten", sagte der französische Regierungssprecher Christophe Castaner dem Sender BFMTV.

Frankreich: Zusammenarbeit wird wichtiger

Umso wichtiger sei eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit in der Europapolitik, sagte der Vertraute von Staatschef Emmanuel Macron. "Wenn man in jedem unserer Länder gegen Nationalismus und Populismus kämpfen will, bedarf es eines mächtigen, starken Europas, das beschützt und befreit. Das ist heute nicht der Fall, also müssen wir Europa neu erfinden." Deutschland und Frankreich müssten daher den "Motor" für Reformen in Europa bilden.

Zuvor hatte Macron Merkel auf Twitter zu ihrem Wahlsieg gratuliert und betont: "Wir setzen mit Entschlossenheit unsere wesentliche Zusammenarbeit für Europa und unsere Länder fort."

EU-Politiker: Wahl macht "Zweifel in Gesellschaft" sichtbar

Der Einzug der AfD in den Bundestag sei ein Schock und lege "Zweifel in der Gesellschaft" in Deutschland offen, schrieb EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici auf Twitter. Zugleich betonte er, die deutsche "Demokratie" sei "heute stark" - "kein Vergleich mit 1933".

Auch der Ko-Vorsitzende der europäischen Grünen im Europaparlament, Reinhard Bütikofer, nannte das Ergebnis der Bundestagswahl einen "Schock". Alle demokratischen Parteien müssten nun "verlässlich für die Werte stehen, auf denen unsere Republik gegründet ist".

Österreich: Probleme kann man nicht ignorieren

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz sieht den Grund für den Wahlausgang ganz klar in der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. "Das Ergebnis ist für mich wenig überraschend", sagte der Vorsitzende der in Wien in einer großen Koalition mitregierenden Österreichischen Volkspartei (ÖVP). "Es gibt in Deutschland bei vielen Unzufriedenheit mit der Position der Regierung in der Flüchtlingspolitik."

Die Ergebnisse machten "deutlich, dass man Probleme nicht ignorieren und sich hinter Statistiken und leeren Formeln verstecken darf", sagte Österreichs Bundeskanzler Christian Kern von der SPÖ.

Die Union wurde bei der Bundestagswahl mit rund 33 Prozent der Stimmen stärkste Kraft, musste aber massive Stimmeneinbußen hinnehmen. Die SPD fuhr mit knapp 21 Prozent ein historisch schlechtes Ergebnis ein und will im neuen Bundestag in die Opposition gehen. Die rechtspopulistische Alternative für Deutschland wurde mit rund 13 Prozent drittstärkste Kraft und zieht erstmals in den Bundestag ein.

Polen: Merkel "beste Alternative für Deutschland"

In Polen sei die Bundestagswahl besonders aufmerksam verfolgt worden, da es um die Beziehungen beider Länder nicht zum Besten stehe, berichtet ZDF-Korrespondentin Nathalie Steger aus Warschau. Der polnische Innenminister Mariusz Blaszczak bezeichnete  Angela Merkel demnach als "beste Alternative für Deutschland". Es bleibe jedoch abzuwarten, ob Merkel Konsequenzen aus dem Wahlergebnis  für ihre Flüchtlingspolitik ziehe, so der Minister.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gratulierte Merkel zu ihrem Wahlsieg. "Wir setzen mit Entschlossenheit unsere wesentliche Zusammenarbeit für Europa und unsere Länder fort", schrieb Macron auf Twitter.

China: Hauptsache Merkel

In China sei der Wahlausgang mit Erleichterung aufgenommen worden, da Kanzlerin Merkel voraussichtlich weiter regieren könne, berichtet ZDF-Korrespondent Thomas Reichart aus Peking. China gehe es in erster Linie darum, wie man in Zukunft bei internationalen Problemen zusammenarbeiten kann, vor allem beim Klimawandel, bei Handelsfragen, aber auch beim Nordkorea-Konflikt. Eine Kanzlerin Merkel gelte für die Chinesen als Stabilitätsanker und berechenbare Partnerin für die großen Herausforderungen auf der Welt.

In Moskau erwartet man keine großen Änderungen in der künftigen Russland-Politik der Bundesregierung, sagt ZDF-Korrespondent Winand Wernicke. Trotz der Verluste der Union  betrachte man das Ergebnis ein wenig als Vertrauensbeweis gegenüber Angela Merkel und gehe davon aus, dass die deutsch-russische Politik weiterhin von ihr bestimmt werde. "Da weiß man, wen man als Verhandlungspartner hat", so Wernicke.

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