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Reitsport - Die "Blutregel" soll gelockert werden

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Wenn ein Pferd im Spitzensport bei einem Turnier durch den Einsatz von Sporen oder an Maul oder Nase blutet, wird der Reiter disqualifiziert. Auch bei geringen Blutspuren. Diese unter Tierschutzaspekten wichtige "Blutregel" will die Internationale Reiterliche Vereinigung jetzt lockern.

„Dem Pferd die Sporen geben“ – die Redewendung ist verpönt beim Reitsport. Bislang gilt die Regel: Gibt es eine blutige Verletzung beim Pferd, wird der Reiter vom Turnier disqualifiziert. Aber die Internationale Reitervereinigung will die jetzt lockern.

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Dennis Peiler kann sich richtig aufregen. Der smarte Chef des DOKR (Deutsches Olympisches Komitee für Reiterei) in Warendorf war Voltigierer. Er hat auf dem Pferd geturnt, ganz ohne Sporen, ganz ohne Ziehen am Maul. Für einen Voltigierer geht es um feinste Nuancen im Gleichgewicht, er muss ganz besonders sensibel auf sein Pferd hören, um nicht abzustürzen. Insoweit mag man es dem Funktionär gern glauben, dass ihm Gewalt gegen die gutmütigen Tiere gegen den Strich geht.

Stewards sollen entscheiden

Dass die FEI - die internationale Reitervereinigung - für 2018 eventuelle blutende Verletzungen von Wettbewerbspferden in das Ermessen der Stewards stellen will, dass also die Stewards am Rande von Spring- und Dressurparcours entscheiden sollen, ob die Wunden am Pferd "schlimm" oder "harmlos" sind, das geht für ihn gar nicht.

Jetzt steht er am Rand der vorolympischen Dressurbahn und es sprudelt aus ihm heraus: "Hier brauchen wir ganz klare Kriterien, wenig Subjektivität, wenig Interpretationsspielraum, damit Fehlinterpretationen oder Fehler, die es dann automatisch geben kann und geben wird, möglichst gegen Null fährt."

Peiler weiß nicht, was in die Funktionäre bei der FEI gefahren ist. Ihm sind solche Vorstöße unerklärlich. "Das öffnet vielen Diskussionen und Gerüchten die Tür, die bei der derzeitigen Regelung niemals aufkommen würden."

Ein "bisschen Blut" soll nicht zur Disqualifikation führen

In den FEI-Planungen für die Regelungen 2018 heißt es wörtlich: "minor cases of blood on the flank will not occur elimination", also "ein bisschen Blut an der Flanke bedeutet keine Eliminierung aus dem Wettbewerb." Jetzt haben alle nationalen Verbände diese Vorschläge bekommen, im November soll bei der FEI-Jahreshauptversammlung darüber abgestimmt werden.

Einer, der eigentlich von einer solchen Regelung profitieren würde, ist Marcus Ehning aus Borken, sechsfacher Olympiasieger im Springreiten für Deutschland. In Hickstead wurde der Westfale kürzlich im zweiten Umlauf eines Mannschaftswettbewerbes aus der Wertung genommen, weil sein Pferd an einer Sporenstelle blutete. Die metallenen Rädchen werden auf die Stiefel gezogen, sollen eigentlich abrollen. Wenn das durch Sand und Matsch verhindert wird, kann die Pferdehaut schnell reißen. Ehning zeigt uns die Stelle. Sie wäre wahrscheinlich bei einer Regeländerung als "minor damage" bewertet worden.

"Wenn man verletzt, muss eine Strafe da sein"

Umso erstaunlicher, dass auch der Reiter mit seinem DOKR-Chef übereinstimmt. Er würde eine Änderung in den Wertungsrichtlinien begrüßen, eine größere Gerechtigkeit für die Mannschaften fordern, in denen Reiter ihren Pferden eine Verletzung beibringen. Aber mehr auch nicht.

"Es hängt so ein bisschen für mich von der Art und Weise ab", sagt Ehning. Wenn in den vorherigen Runden alles in Ordnung gewesen sei und das Pferd auf gar keinen Fall einen kleinen Schaden habe, sollten diese Prüfungen seiner Meinung nach auch zählen. "Ganz klar ist für mich nach wie vor: Wenn man verletzt, muss eine Strafe da sein." Auch für ihn gibt es  also keine Alternative zu der klaren und bisher gültigen Regel.

Erasmus Müller von Animal Rights Watch in Berlin sieht die Situation der Pferde noch viel dramatischer. Er fordert mehr Rücksicht auf das Pferd als Lebewesen, nicht als Leistungshilfe. Der Vorschlag zeige, welcher Geist bei dem Sport herrsche, sagt Müller.  "Dass die Pferde dort als Sportgeräte, Sportinstrumente benutzt werden, und dann den menschlichen Ambitionen, in dem Fall dem Ruhm des Gewinnens und den Preisgeldern, untergeordnet werden."

Deutsches Sportrecht steht über der "Blood rule"

Dem widerspricht DOKR-Chef Peiler. Aber ob sich die Bedenken der deutschen Reiterlichen Vereinigung international durchsetzen werden, weiß er auch nicht. Denn: "Da werden wir uns auch als große Pferdesportnation intensiv einbringen, aber am Ende sind wir eine Nation mit einer Stimme unter vielen."

Das ist die bittere Wahrheit. Obwohl Deutschland mit 3,9 Millionen aktiven Reitern zu den größten Verbänden weltweit gehört, zählt die eine deutsche Stimme genauso bei der Abstimmung, wie die von Monaco. Hier reiten geschätzt 500 Monegassen im Sport.

In Deutschland würde auch der internationale Entscheid für eine aufgeweichte "Blood rule" übrigens nichts ändern. Deutsches Sportrecht geht bei Turnieren in der Bundesrepublik vor. Und da bleibt alles beim Alten: "Wenn das Pferd verletzt ist, ist der Reiter disqualifiziert – ohne Wenn und Aber."

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