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25 Jahre "Tag des Lehrers" - Was sich an deutschen Schulen verändert hat

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Der Lehrer als reiner Wissensvermittler - das war einmal. Inklusion, Digitalisierung und flexiblere Lehrpläne: Wie sich die Schulen in den vergangenen 25 Jahren verändert haben.

Archiv: Ein Lehrer sitzt vor einem Smartboard im Biologie-Leistungskurs einer 13. Klasse am 17.08.2016 in Hannover
Das Berufsbild des Lehrers hat sich über die Jahre drastisch gewandelt.
Quelle: DPA

Als der "Tag des Lehrers" vor 25 Jahren zum ersten Mal ausgerufen wurde, lagen Tablets und Smartphones noch in ferner Zukunft. Der Unterricht hat sich seitdem stark verändert - aber nicht nur das digitale Klassenzimmer ist neu. Auch an anderer Stelle müssen sich Pädagogen auf ein ständig wandelndes Berufsbild einstellen.

Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Lehrerverbandes, arbeitet seit den 1980er-Jahren als Gymnasiallehrer, heute ist er Direktor eines Gymnasiums in Deggendorf. "Als Erstes denke ich da an die Lehrpläne", erinnert sich Meidinger. "Damals war klar vorgegeben, was wir unterrichteten."

Heute hingegen steht die sogenannte Kompetenzvermittlung im Vordergrund. Für den Geschichtsunterricht bedeutet das zum Beispiel, dass der Lehrer nun selbst entscheidet, an welchem historischen Ereignis seine Schüler lernen, wie Revolutionen entstehen und ablaufen.

Mehr Verantwortung für ihre Unterrichtsthemen

Meidinger plädiert für eine Wertekunde für alle Schüler.
Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Lehrerverbandes.
Quelle: Armin Weigel/dpa

"Dadurch haben Lehrer mehr Spielräume bei Unterrichtsthemen - aber auch mehr Verantwortung", so Meidinger. Was eben auch "zu größeren Kollateralschäden führen" könne, wenn Schüler in bestimmten Bereichen einfach große Wissenslücken hätten.

"Natürlich können sie alle googeln, aber deshalb kann man noch nicht mit den Ergebnissen umgehen - und schon gar nicht mit Falschinformationen aus dem Internet." Dies auszugleichen ist heute eine Aufgabe des Lehrers.

Vom Wissensvermittler zum Werteerzieher

Ebenfalls deutlich anders sei heute die stärkere Fokussierung auf Schüler mit Leistungsschwächen und Lernproblemen. "Sicherlich ist es positiv, dass sich Schulen um die Förderung dieser 20 Prozent der Schüler bemühen sollen, aber es lenkt den Blick auf zwei Dinge, die damals im Berufsbild des Lehrers keine oder kaum eine Rolle gespielt haben: die Integration und die Inklusion." Zwei Bereiche, so Meidinger, für die es bis heute keine Patentrezepte gebe - die aber Hauptgründe für zunehmend durchmischte Klassen und immer neue Herausforderungen für Lehrer seien.

Und so ist neben der Vermittlung von Wissen nun auch die Persönlichkeits- und Werteerziehung auf den Lehrplan gelangt. Ein wichtiges Thema, denn "Schule ist ja eigentlich der einzige Ort, an dem noch Menschen aus allen Schichten zusammenkommen", sagt der Lehrerpräsident. Aber es offenbare auch, dass Lehrer mehr Unterstützungssysteme brauchen - beispielsweise Sozialarbeiter und Psychologen im Kollegium.

Woher nehmen Lehrer ihre Digital-Kompetenz?

Und über allen Schulen - und Lehrern - schwebt dann auch noch die Digitalisierung. "Mit dem Digitalpakt gibt es jetzt endlich mehr Klarheit, wie es mit Ausstattung und technischer Infrastruktur von Schulen weitergeht", sagt Christian Spannagel, Professor für Mathematik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Bislang ungeklärt sei hingegen, wie Lehrer nun die notwendigen Kompetenzen zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht erwerben können: Zwar wird das Thema an den Unis ausgebaut. Wer aber bereits im Lehrberuf ist, muss sich fortbilden - und entscheiden, "ob man nun eine Veranstaltung zur Digitalisierung oder doch lieber zu Themen wie Mehrsprachigkeit oder Inklusion belegt".

Pflichtfach Informatik als Lösung?

Was nicht heißen müsse, dass der digital ergänzte Unterricht auch in Zukunft ein nur schwer zu erreichendes Ziel sei, so Christian Spannagel: "Nicht jeder Lehrer muss ein Digital-Spezialist werden. Es ist sicherlich ausreichend, wenn jeder nach und nach entsprechende inhaltliche und mediendidaktische Kompetenzen für seinen eigenen Unterrichtsbereich erwirbt."

Wichtig hingegen sei es, das Fach Informatik stärker in die Lehrpläne mit aufzunehmen. "Wer die Grundlagen der Digitalisierung versteht, wird damit in Zukunft auch besser umgehen können."

Das Pflichtfach Informatik hätte darüber hinaus den Vorteil, nicht auch noch das Thema Digitalisierung auf die Schultern aller Lehrer zu packen. Klingt einfach - hat jedoch einen entscheidenden Haken: "Wir tun uns in Deutschland sehr schwer damit, Lehrpläne zu ändern. Wenn Informatik kommt, müssen andere Fächer Inhalte abgeben. Das wird sicherlich nicht ohne große Diskussionen funktionieren. Diese sind aber dringend notwendig", so Spannagel.

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