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Internet der Dinge - Das "LoraWAN" von Amsterdam

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Das Internet der Dinge ist in kleinen WLAN-Netzwerken möglich - also begrenzt. Ein niederländisches Unternehmen hat nun ein alternatives Netzwerk für ganz Amsterdam geschaffen.

Archiv: Grachtenrundfahrt in Amsterdam bei Nacht, an dem ersten Fahrradparkhaus der Welt, nahe dem Hauptbahnhof Canal Night Cruise Tour durch Amsterdam, aufgenommen am 05.01.2016
Quelle: imago

Wienke Giezeman kann es kaum fassen, dass aus einem Gedankenspiel ein riesiges Projekt geworden ist. Der Amsterdamer StartUp-Unternehmer kommt aus der Anwendungsentwicklung und glaubt, das Internet solle für große und kleine Unternehmen gleiche Chancen bieten. 2015 stellte Giezeman erstmals seine Ideen für "The Things Network" vor. Es ermöglicht Geräten mit geringem Energieaufwand, über einen Zugang mit hoher Reichweite (LoraWAN, das steht für long range wide area network), regelmäßig Datenbündel an Applikationen und Plattformen zu verschicken. Diese Geräte können ihre Daten über ein eigenes Netzwerk abgeben, ohne permanent mit einem Hochleistungsnetzwerk, wie beispielsweise WLAN, verbunden zu sein.

Einfache Gateways für 300 Euro

Große Firmen und kleine StartUps stiegen ein, stellten Gateways (Sendemasten) auf und haben so die ganze Stadt Amsterdam abgedeckt, mit einem Netzwerk, das für jeden zugänglich ist.

Heute verkauft Giezeman einfache Sendemasten für je 300 Euro und hilft bei der Installation. Vor allem aber berät er bei der Entwicklung neuer Anwendungen. Apps sind seine Spezialität. Ein bisschen stolz erzählt er: "Unsere Nutzer sind so unterschiedlich. Es sind große Firmen dabei, wie der Amsterdamer Hafenbetrieb, die Wasserwerke von Amsterdam und Umgebung, aber auch kleine StartUps und unzählige Privatleute".

Der Amsterdamer Hafen erstreckt sich über 13 Kilometer. Dafür ein WLAN zu installieren, wäre viel zu teuer. Also hat man zwei Sendemasten aufgestellt. An der Schleuse im niederländischen IJmuiden, dem Eingang zum Nordseekanal, kommen täglich Riesenfrachter an. Liegen sie zu tief im Wasser, muss ihre Fracht auf kleinere Transportschiffe umgeladen werden. Immer wieder werden dabei die riesigen stählernen Anlegepfähle beschädigt. "Früher haben wir regelmäßig Kontrollfahrten gemacht. Dann musste jemand anrufen, um die Schäden zu melden. Jetzt übernehmen das Sensoren und wir bekommen außerdem ein genaueres Bild, was los ist", freut sich Joost Zuidema, zuständig für Innovation beim Amsterdamer Hafen. Denn nun kann man auch schneller reparieren, bevor die Pfähle komplett unbrauchbar sind.

Auch Privatleute wollen LoraWAN

Das System ist zuverlässig und kostengünstig: Die Geräte sind nicht ständig online, darum halten ihre Batterien zwischen zwei und 15 Jahren. Demnächst sollen Sensoren auch auf den LKW-Parkplätzen am Hafen eingesetzt werden, ein Projekt, das Zuidema zusammen mit Giezeman entwickelt hat. Ab Frühjahr 2018 können Fahrer auf einer Internetseite nachschauen, wo noch Plätze frei sind. "Damit wollen wir den Fahrern nicht nur Zeit, Benzin und frustrierende Stellplatzsuche ersparen, sondern wir wollen auch sehen, welche Plätze wann und wie besetzt werden. So können wir daran arbeiten, dass sie effektiver genutzt werden ", so Zuidema.

Doch auch Privatleute haben längst den Nutzen erkannt. Viele Amsterdamer haben kleine Boote, aber nicht genügend Zeit, ständig nach dem Rechten zu sehen. Nun warnt sie ein Sensor per SMS, wenn das Boot voll Wasser gelaufen ist, oder meldet es direkt an eine Wartungsfirma, die sich darum kümmert.

Nun wartet der deutsche Markt

Das inspirierte Anwendungs-Entwickler in Oxford. Dort melden nun Sensoren steigende Wasserspiegel und geben Flutwarnungen heraus. Auch dabei hat Giezeman mitgeholfen. Ihm ist es vor allem wichtig, die Strukturen zu schaffen. Große Gewinne macht er nicht, finanziert The Things Network bisher über seine Firma The Things Industries quer, indem er Firmen bei der Erweiterung und Nutzung des schlauen Netzwerks berät.

Längst hat sich sein Konzept wie ein virtuelles Lauffeuer verbreitet: Weltweit wurden in 94 Ländern Sendemasten aufgestellt, haben sich 520 sogenannte Communities gefunden und nutzen 24.000 Menschen so ein Netzwerk. "In Deutschland sind wir gerade besonders populär, in vielen deutschen Städten schließen sich neue Nutzer an. Ich hoffe, dass noch viele neue Nutzungsideen entstehen", sagt Giezeman.

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