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50 Jahre Mondlandung - "Die Euphorie legte sich schnell"

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Vor 50 Jahren startete die "Apollo 11"-Mission zum Mond. Neil Armstrong elektrisierte damals die Welt. "Die Euphorie legte sich schnell", so der Historiker Geppert.

Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin mit US-Flagge auf dem Mond am 20.07.1969
Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin mit der US-Flagge auf dem Mond am 20.07.1969.
Quelle: dpa

heute.de: Was verbinden Sie mit dem 20. Juli 1969, dem Datum der Mondlandung?

Alexander Geppert: Meine Eltern hatten kurz zuvor geheiratet. Entsprechend feiern sie in diesem Jahr ihre Goldene Hochzeit.

heute.de: Die meisten lernen in der Schule: Nach dem Sputnik-Schock wollten es die Amerikaner den Russen so richtig zeigen. Warum ist das Quatsch?

Geppert: Das ist kein Quatsch, sondern ein Klischee. Die nationalen wie internationalen Reaktionen auf den Sputnik-Start im Oktober 1957 deckten ein breites Spektrum ab und reichten von Erschrecken, Erstaunen und Überraschung über Gleichgültigkeit bis hin zu Bewunderung. Von einem "Schock" ist in den Quellen kaum jemals die Rede. Die Vorstellung, dass die westliche Welt damals in ihren Grundfesten erschüttert worden sei, ist übertrieben und wird der historischen Wirklichkeit nicht gerecht.

heute.de: Warum streiten viele Verschwörungstheorien ab, dass es 1969 eine Mondlandung gab?

Geppert: Solche Verschwörungstheorien sind nichts Neues. Sie sind kein Phänomen der Postmoderne, wie man leicht vermuten könnte, sondern so alt wie die Mondlandung selbst. Das hat viel mit der Propaganda-Schlacht des Kalten Krieges zu tun. Seitdem werden immer wieder dieselben Argumente vorgebracht, warum die Mondlandungen gar nicht stattgefunden haben könnten.

Vor Jahren wollte die Nasa einmal systematisch alle vermeintlichen Gegenargumente sammeln und Stück für Stück widerlegen lassen, etwa: Die Fahne weht, die Sterne am Himmel fehlen, unter der Landefähre ist kein Krater zu sehen, das kann doch alles nicht stimmen. Doch dann hat man das Projekt überraschend eingestellt.

heute.de: Warum?

Geppert: Weil man einsah, dass ein solches Unterfangen als weiterer Verschleierungstrick wahrgenommen würde und die Verschwörungsspirale effektiv weitergedreht hätte, nach dem Motto: Wenn die Nasa bereit ist, so viel Geld auszugeben, um all unsere Argumente zu widerlegen, dann zeigt das doch erst recht, dass wir da an etwas ganz Großem dran sind. Letztlich kam man zu der Einsicht, dass sich solche Verschwörungstheorien so nicht auflösen lassen.

heute.de: Warum sind wir Menschen überhaupt vom Mond fasziniert?

Geppert: Im Zentrum der Weltraumbegeisterung stand der Mond vor allem in den 1960er-Jahren, etwa von der Ankündigung des Apolloprogramms 1961 bis zu seinem vorzeitigen Ende eine Dekade später. Bereits nach der ersten der sechs Mondlandungen klang die Begeisterung jedoch schnell wieder ab.

Davor und danach stand nicht der Mond im Zentrum aller Expansionspläne, sondern der Bau einer Raumstation, die zugleich als Außenwarte, Beobachtungsplattform und Sprungbrett zu den Sternen dienen sollte. Direkt von der Erde zum Mond oder gleich zum Mars - das galt als zu ambitioniert.

heute.de: Was ist am Mars toller als am Mond?

Geppert: Der Mars galt als geheimnisvoller und vielversprechender. Den Mond kann man jeden Abend mit dem bloßen Auge beobachten, den Mars deutlich seltener. Beim Mond war schnell klar, dass dort kein Leben existiert. Beim Mars starb die Hoffnung viel später. Noch bei der Landung der Viking-Sonden in den 1970er-Jahren waren manche sehr zuversichtlich. Ob ausgesprochen oder nicht: Die Hoffnung auf Begegnung mit extraterrestrischer Intelligenz ist eines der wichtigsten Motive des Raumfahrtdenkens und jedweder Raumfahrt.

heute.de: Die Mondlandung war ein Weltereignis, man klotzte. Danach wurde nur noch gekleckert. Warum?

Geppert: Die Euphorie legte sich schnell und machte in den 1970ern einer vielbeklagten Weltraummüdigkeit Platz. Beim Apollo-Projekt stand der Nachweis ingenieurstechnischer Machbarkeit im Vordergrund. Die Massenmedien, die Öffentlichkeit und auch die Politik selbst waren nach Erreichen des Ziels schnell gelangweilt. Hinzu kam der ungeheure finanzielle Aufwand. Das Mondlandungsprogramm verursachte hohe Kosten, aber es gelang seinen Verfechtern nicht, die Öffentlichkeit vom konkreten Nutzen weiterer Investitionen dieser Größenordnung zu überzeugen.

heute.de: Die Chinesen sehen das anders.

Geppert: Heute ja. In der Tat deutet vieles auf einen neuen Wettbewerb im All hin, zwischen den USA und China, auch wenn das Ziel eher unklar ist. Die ESA ist ebenfalls gut aufgestellt und eigentlich sehr erfolgreich, hat aber ein Imageproblem. Ihre zumeist unbemannten Missionen werden von der Öffentlichkeit nur selten gewürdigt. Der Faktor Mensch ist für die irdische Wahrnehmung nach wie vor zentral.

Das Interview führte Raphael Rauch. Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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