Sie sind hier:

Nürnberger Christkind - Über Nächstenliebe und volle Terminkalender

Datum:

Kurz vor ihrem großen Auftritt haben wir mit dem Nürnberger Christkind Benigna Munsi geredet. Nicht über AfD-Kritik, sondern über ihr Leben und ihre Einstellung zu Weihnachten.

Nach rassistischem Eklat: Nürnberger Christkind Benigna Munsi.
Nach rassistischem Eklat: Nürnberger Christkind Benigna Munsi.
Quelle: Nicolas Armer/dpa

heute.de: Sie sind 17 Jahre alt und machen nächstes Jahr ihr Abitur. Mit dem Christkind-Amt steht Ihnen ab jetzt aber auch ein Terminmarathon bevor und viele zusätzliche Pflichten. Wieso haben Sie sich trotzdem dafür entschieden?

Benigna Munsi: Weil es wichtig ist. Ich verbinde damit, dass man Menschen etwas schenken kann, das nicht materiell ist. All die Sachen, die ich machen darf – Kindergärten besuchen, Altenheime, Obdachloseneinrichtungen und Einrichtungen für behinderte Menschen – ich darf dorthin gehen, mit den Menschen Zeit verbringen und einfach für sie da sein.

heute.de: Als Christkind verkörpern Sie damit auch christliche Werte, zum Beispiel Nächstenliebe.

Dass man eben nicht nur an sich denkt, sondern auch andere Leute mit einbezieht, vor allem die, die am Rande der Gesellschaft stehen.
Benigna Munsi

Benigna: Genau und das bedeutet, dass man auch nach dem Nächsten schaut und sieht, was er braucht. Dass man eben nicht nur an sich denkt, sondern auch andere Leute mit einbezieht, vor allem die, die am Rande der Gesellschaft stehen.

heute.de: Weihnachten ist ein christlicher Feiertag, aber die Bedeutung ist vielen nicht mehr so bewusst. Was verbinden Sie damit?

Benigna: Weihnachten ist ein Fest, an dem die Geburt von Jesus Christus gefeiert wird. Wir haben Weihnachten immer in der Kinderchristmette gefeiert, meine Mama ist Kirchenmusikerin, deswegen bin ich auch damit aufgewachsen.

heute.de: Was ist Ihre schönste Erinnerung an den Nürnberger Christkindlesmarkt?

Benigna: Einer meiner schönsten Erinnerungen war letztes Jahr mit meiner Gastfamilie aus Brasilien. Da habe ich ihnen den Christkindlesmarkt gezeigt, es war wirklich kein schönes Wetter, es hat geregnet und ihnen war total kalt. Aber es war so toll, wie sie den Weihnachtsmarkt erkundet haben und immer sagten: "Wow, schau mal das an und schau mal das an." Das hat mich so gefreut und war auch für mich ein ganz anderes Wahrnehmen. Man sieht Sachen, die man sonst gar nicht so gesehen hat. Mein Gastbruder fand zum Beispiel die Nürnberger Bratwurstbrötchen so toll und hat gleich zwei auf einmal gegessen.

heute.de: Können Sie sich noch daran erinnern, als Sie das Nürnberger Christkind zum ersten Mal gesehen haben?

Benigna: Oh ja! Da war ich drei oder vier Jahre alt und noch im Kindergarten. Ich durfte in eine Märchenstunde gehen, da liest das Christkind den Kindern immer Geschichten aus dem goldenen Buch vor. Ich weiß noch ganz genau, dass dieser Raum richtig voll war – vorne saßen die Kinder, hinten waren die Erwachsenen – und es war super laut. Dann kam das Christkind und auf einmal wurde es ganz still, alle haben das Christkind bewundert und fasziniert angeschaut.

heute.de: Sie auch?

Benigna: Und wie! Meine Mama sagt immer, dass meine Augen ganz weit offen standen und ich sie gar nicht mehr zubekommen habe. Ich war so fasziniert, auch weil ich damals wirklich noch ans Christkind geglaubt habe und davon überzeugt war, es in echt zu sehen.

heute.de: Ist das auch der Grund, warum Sie selbst Christkind werden wollten?

Benigna: Ja, irgendwie schon. Ich wollte Christkind werden, seitdem ich nicht mehr daran geglaubt habe. Es ist einfach so faszinierend, was das Christkind bei Menschen auslösen kann, nur allein durch die Anwesenheit.

heute.de: Sie sind Ministrantin, singen im Kirchenchor, spielen Bratsche, Geige und Oboe, tanzen Ballett und machen noch vieles mehr. Wie schaffen Sie das alles neben der Schule?

Rebecca Ammon und Benigna Munsi
Rebecca Ammon und Benigna Munsi
Quelle: dpa

Benigna: Ich bin auf einem musischen Gymnasium, deswegen habe ich schon früh Geige und Bratsche gelernt und Oboe spiele ich an der Musikschule in Nürnberg. Ich weiß nicht, bei mir war es immer schon so, dass meine Woche genau strukturiert war, sodass ich immer alles machen kann, was ich möchte. Ich weiß selbst nicht, wie das funktioniert, aber irgendwie funktioniert es. Nur Ballett hat dieses Jahr leider nicht mehr reingepasst, da musste ich dann reduzieren. Aber hoffentlich nächstes Jahr wieder.

heute.de: Haben Sie Pläne nach der Schule?

Benigna: Ja, ich habe vor, Schauspiel zu studieren und eine Schauspielschule zu besuchen.

heute.de: Wie feieren Sie normalerweise Weihnachten?

Benigna: Normalerweise gehen wir als Familie in die Kinderchristmette in St. Bonifaz, meistens gestalten wir noch das Krippenspiel mit dem Chor, und ich bin oft die Erzählerin und erzähle die Weihnachtsgeschichte. Danach gehen wir heim, und dann gibt es bei uns - das klingt immer so banal, aber es gibt bei uns immer Kartoffelsalat mit Würstchen.

heute.de: So banal ist das nicht. Im Gegenteil, viele Familien essen zu Weihnachten Kartoffelsalat mit Würstchen.

Benigna: Dann ist ja gut, weil meine Freunde erzählen mir oft, dass es bei denen immer ganz besonderes Essen gibt. Naja, bei uns nicht, aber bei uns ist es ja auch etwas stressig und viel los mit den Kirchenmessen. Nach dem Essen spielen wir meistens etwas, plötzlich ist meine Mama weg und das Christkind kommt, aber natürlich so, dass wir es nie mitbekommen. Dann klingelt die Glocke und es gibt Bescherung – früher sind wir die Treppe runtergerannt, heute gehen wir sie natürlich runter.

Kostümprobe von Benigna Munsi als Nürnberger Christkind
In diesem Jahr wird Benigna selbst als Christkind viele Kinder zum Staunen bringen.
Quelle: dpa

heute.de: Wird das dieses Jahr anders ablaufen? Schließlich haben Sie als Nürnberger Christkind bis Heiligabend ganz schön viel zu tun.

Benigna: Dieses Jahr wird es wahrscheinlich so sein, dass ich hundemüde sein werde, wenn ich nach Hause komme und erstmal schlafen will. Danach freue ich mich einfach auf meine Familie und die gemeinsame Zeit.

heute.de: Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?

Ich habe keinen materiellen Wunsch, schon seit ein paar Jahren nicht mehr.
Benigna Munsi

Benigna: Ich habe keinen materiellen Wunsch, schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Ich wünsche mir einfach Ruhe und dass meine Familie da ist.

Das Interview führte Jenifer Girke. Hier können Sie ihr auf Twitter folgen: @JeniferGirke

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.