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Krypto-Pionier Erik Voorhees - "Bitcoin wird die Welt erobern"

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2012 hat er sein erstes Bitcoin-Unternehmen gegründet, viele weitere folgten. Erik Voorhees will nichts mehr von staatlichen Währungen wissen. Ein Bitcoin-Pionier erzählt.

Schild mit Aufschrift "I accept Bitcoin"
Quelle: imago

heute.de: Was hat Sie für das Thema Bitcoin begeistert?

Erik Voorhees: 2011 habe ich einen Facebook-Post darüber gelesen. Damals war ein Bitcoin noch fünf US-Dollar wert. Zuerst dachte ich, dass es nach einer ziemlich dummen Idee klingt. Aber dann habe ich mehrere Artikel gelesen und festgestellt, dass es keinen zentralen Fehler gab, kein dahinter stehendes Unternehmen. Man kann Bitcoin nicht einfach abschalten, und er erlaubt einem, einen Wert ohne Wartezeit irgendwo in die Welt hinauszuschicken. Es ist eine ganz neue Form des Geldes. Das fand ich unendlich faszinierend.

heute.de: Wer nutzt Bitcoin aktuell, und was macht man damit?

Erik Voorhees: Am besten ist Bitcoin als eine Form des Geldes zu verstehen. Eine Frage, die man sich stellen sollte, ist: Was machen die Menschen mit normalem Geld? Entweder man spart es, oder man gibt es aus. Viele Leute kaufen Bitcoins, um sie zu sparen, weil sie sie als eine neue Kategorie von Vermögenswerten verstehen. Manche nutzen sie als Zahlungsmittel, besonders für internationale Transaktionen oder in Online-Shops. Bitcoin lässt sich für solche Zahlungen um vieles leichter verwenden als die Zahlungsmethode per Bank.

Im asiatischen Raum ist Bitcoin sehr populär. Der Markt dort ist sogar größer als der in den USA oder in Europa. Als ich angefangen habe, war Bitcoin nur im englischsprachigen Raum ein Thema, aber heute ist es ziemlich global.

heute.de: Der Bitcoin-Kurs ist seit Januar 2018 stark gefallen. Viele würden sagen, dass die "Blase geplatzt ist". Hat die extreme Preissteigerung vergangenen Winter der Branche eher geschadet als geholfen?

Erik Voorhees: Nein. Ich habe schon vier solcher Blasen miterlebt. Sie sind sehr intensiv, sehr aufregend. Doch dann enden sie, und es gibt eine Zeit, in der der Kurs erstmal fällt. Jedes Mal, wenn das passiert, verlieren die Leute Interesse, die nur wegen des steigenden Bitcoin-Preises eingestiegen sind. Diese Leute wissen meistens gar nicht, wie die Technologie funktioniert oder warum sie so wichtig ist.

Auf der anderen Seite begeistert so eine Blase auch Menschen, die vielleicht sonst gar nichts von Bitcoin gehört hätten. Ich könnte zwei Stunden damit verbringen, jemandem all die Gründe aufzuzählen, warum Bitcoin revolutionär ist. Aber sie interessieren sich erst dann so wirklich, wenn der Preis steigt. Um von dem gewohnten Banking-Hintergrund zu einem Bitcoin-Kontext zu wechseln, muss man dazulernen und seine Gewohnheiten ändern. Das passiert bei den meisten eher, wenn der Preis steigt.

heute.de: Wann wird Bitcoin und Blockchain von den Massen genutzt werden?

Erik Voorhees: Das ist eine schwierige Frage. Für mich ist Bitcoin schon jetzt dabei, von der Masse angenommen zu werden. Zwischen zehn und 30 Millionen Menschen nutzen ihn schon. Und das ist eine riesige Zahl, verglichen mit den Nutzern von vor fünf Jahren. Als ich eingestiegen bin, hatten vielleicht 20.000 Leute schon mal Bitcoin genutzt. Und mittlerweile reden alle großen Finanzunternehmen und viele Regierungen darüber. Die meisten Leute in der westlichen Welt haben davon gehört. Bitcoin ist mittlerweile eine weit verbreitete Option. Das Internet hat Ähnliches erfahren. Viele hatten von diesem Phänomen gehört, aber es dauerte gute 15 Jahre, bevor es breit genutzt wurde. Ich schätze, dass der Bitcoin noch fünf oder zehn Jahre braucht, bis er im alltäglichen Handel genutzt wird.

heute.de: Ist die Komplexität der Technologie eine Art Gatekeeper, der Bitcoin daran hindert, prominenter zu werden?

Erik Voorhees: Ja und nein. Es ist schon kompliziert, aber die meisten Leute nutzen komplexe Technik, die sie nicht verstehen. Die meisten von uns wissen nicht, wie ein Verbrennungsmotor im Detail funktioniert. Trotzdem wissen sie, wie man ein Auto fährt. Wir alle nutzen Emails, aber die wenigsten wissen, wie sie funktionieren. Ich denke, beim Bitcoin wird es ähnlich sein. Die Leute, die ihn im Alltag benutzen, brauchen also gar nicht zu wissen, wie er funktioniert. Aber dieses Wissen ist verfügbar für die, die mehr wissen möchten.

heute.de: Bei der Blockchain-Messe "Consensus" in New York haben Sie sich klar gegen Regulierungen für Krypto-Unternehmen ausgesprochen. Warum?

Erik Voorhees: Ich finde, dass alle Regulierer Innovationen aufhalten. Die meisten Regelungen sind nicht hilfreich, notwendig oder fundiert. Wir verwenden Millionen von Dollar dafür, alle Regeln einzuhalten, anstatt Produkte zu kreieren oder Leute einzustellen. Ich würde es stark befürworten, wenn es keine Regulierungen für Bitcoin gäbe. Bedauerlicherweise werden die meisten Finanzregulierungen auf den Bitcoin angewandt.

heute.de: Obwohl Kryptowährungen eigentlich eine Alternative zu ihnen darstellen sollen, zeigen Banken mittlerweile auch Interesse an der Blockchain. Warum?

Erik Voorhees: Banken interessiert es, weil das Thema in aller Munde ist und sie nicht durch einen technologischen Wandel abgehängt werden wollen. Die Banken leben durch das Internet. Manche Häuser haben diese Technologie schneller angenommen als andere. Internetadaption ist ein Unterscheidungsmerkmal und diejenigen, die diese Technologie vollends integriert haben, sind erfolgreicher als andere. Ich denke, dass Banken Blockchain als so eine Art Innovation verstehen. Aber sie wissen nicht, wie sie sie nutzen sollen. Ihnen ist nicht wohl bei der Idee, dass eine Währung nicht durch die Regierung unterstützt ist. Sie haben zwar verstanden, dass Krypto jede Menge Innovation mit sich bringt, aber ihnen ist auch klar, dass diese Innovation ihre Geschäftsfelder ersetzen könnte. Das muss sehr unangenehm sein. Eine Bank könnte ganz einfach ihren Kunden erlauben, Kryptowährungen einzuzahlen und zu versenden. Als einfache Ergänzung ihrer Dienstleistungen. Meines Wissens gibt es keine Bank auf der Welt, die das macht.

heute.de: Warum gibt es so viele alternative Kryptowährungen? Das zeigt doch, dass Bitcoin Fehler hat.

Erik Voorhees: Sagen wir mal zu Beginn des Internets gab es eine Webseite. Und dann nach und nach wurden mehr Webseiten geschaffen. Es ist ein Beweis dafür, dass etwas Innovatives passiert. Jeder auf der Welt kann seine eigene Blockchain oder ein eigenes Krypto-Projekt erschaffen. Der Markt wird mit der Zeit entscheiden, welche davon sinnvoll sind. 99 Prozent der Blockchains sind wahrscheinlich dumm und ihr Kurs wird auf Null fallen. Genau wie auch neun von zehn Unternehmungen versagen. Das sollte kein Grund zur Sorge sein, es sollte umarmt werden. So funktioniert Innovation. Welches das beste Krypto-Projekt ist, werden wir erst Jahre später wissen.

heute.de: Was erwarten Sie in der Zukunft des Bitcoin?

Erik Voorhees: Ich denke, dass Bitcoin die Welt erobern wird. Die Leute werden aufhören, Fiat-Währungen zu benutzen, weil ihnen klar wird, dass diese aus heißer Luft entstehen, jedes Jahr zwei bis fünf Prozent ihres Wertes verlieren und Beschränkungen haben. Der Bevölkerung in Venezuela ist das schon lange klar. Dort haben sie gesehen, wie schlecht das Geld der Regierung sein kann. So bewusst ist das den Menschen in der westlichen Welt noch nicht, außer vielleicht Bürgern in Griechenland oder Zypern. Aber mit der Zeit wird Bitcoin Fiat-Währungen überholen. Das wird ein langer Prozess werden, der die nächsten 20 Jahre dauern wird. Aber die Leute werden zurücksehen und es unfassbar finden, dass Menschen mal Papier mit den Gesichtern von Politikern darauf als Form des Geldes benutzt haben. Das wird ein Witz sein, über den Schulkinder lachen. Aber das wird noch eine Weile dauern.

Das Interview führte Elisa Kart.

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