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"Geht darum, dass man sich besser versteht"

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Experte zu EU-China-Gipfel - "Geht darum, dass man sich besser versteht"

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"China hat Interesse daran, sich mit Europa gut zu stellen" - sagt Jörg Wuttke, Ex-Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking. Und Europa habe neues Selbstbewusstsein.

China hat großes Interesse daran, sich mit Europa relativ gut zu stellen - sagt Jörg Wuttke, ehemaliger Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking.

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heute.de: Was steht für China beim Gipfel mit der EU auf dem Spiel?

Jörg Wuttke: China hat großes Interesse daran, sich mit Europa relativ gut zu stellen. Immerhin sind wir der größte Markt, der größte Abnehmer chinesischer Produkte. Wir sind bisher sehr offen gewesen und es gab im Grunde fast keine Ablehnung von Seiten europäischer Regierungen. In Amerika ist das ja schon ganz anders, da gab es Strafzölle. China hat also jedes Interesse daran, dass seine zwei größten Märkte sich jetzt nicht auf einmal chinesischen Produkte verschließen. Von daher muss eigentlich das chinesische Interesse sein, dass die Produkte, die jetzt von hier kommen, auch in Europa verkauft werden können. Ein amerikanisches 2.0, das Produkte mit 65 und 75 Prozent Strafzoll belegt werden, kann sich China nicht erlauben.

heute.de: Welche Rolle spielt eine gemeinsame China-Politik der EU in den Gesprächen?

Wuttke: Ich glaube, dass Europa mit einem anderen Selbstbewusstsein da rein geht. Gerade jetzt bei Xi Jinpings Besuch in Paris hat Macron es geschafft, sowohl Merkel als auch Juncker neben sich zu stellen. Den Chinesen wurde ganz klar symbolisiert: Seht mal, das sind die drei Großen, mit denen ihr im Grunde genommen Europapolitik machen wollt. Wenn ihr euch jetzt in Italien einkauft, in Griechenland, ist das zwar gut, aber nicht ausschlaggebend. Von daher war Macrons Streich eigentlich Gold wert. Er hat gezeigt: Europa ist vereinigt auf die, auf die es ankommt. China hat eine Trennungspolitik.

Wir haben den größeren Hebel, weil wir der größte Markt sind. Den hatten wir auch vorher schon, nur haben wir es vielleicht nicht gemerkt. Wir sind der größte Investitionsplatz der Chinesen geworden, gerade Deutschland sticht da heraus. Und da muss man davon ausgehen, dass sich das auch hier herumspricht. China muss ein bisschen seinen Ton ändern und gleichzeitig auch von dieser Bestrafungspolitik manchmal runterkommen, mit der sie da einzelne Länder manchmal vorführen.

heute.de: Wie kann die EU einen besseren Zugang zum chinesischen Markt erreichen?

Wuttke: Es geht erst mal darum, dass man sich besser versteht. Dass China weiß, dass ist jetzt nicht mehr das alte Europa, wo sie locker links und rechts einkaufen können. Das ist ein Europa, das chinesische Investitionen haben will, aber das sich auch Investitionen anguckt und unter Umständen sagt: Nein - so wie es die Bundesregierung bei einem Projekt schon gemacht hat. Und das müssen erstmal die Entscheidungsträger in Peking zur Kenntnis nehmen.

"Hard ball" wird im Grunde genommen da nicht gespielt. Es wird eher so gemacht, dass man sagt: Okay, wir werden das weiter untersuchen. Ihr kauft euch bei Daimler ein, ja, ihr kauft Kuka. Aber wo können unsere Firmen dasselbe machen? Und man wird dann in Brüssel, Berlin und Paris seine Schlüsse ziehen.

heute.de: Was ist die Hauptgefahr, wenn man chinesischen High-Tech-Riesen wie Huawei das Spielfeld überlässt?

Wuttke: Huawei ist ein Vorzeigemodell. Das ist die "China Company" schlechthin, die für Hightech steht und für das zukünftige China. Von daher wird er sicherlich in Peking extrem genau beobachtet, wie die Europäer damit umgehen. Gleichzeitig wird natürlich jetzt in Europa festgestellt, dass man unter Umständen über Huawei-Produkte Informationen an den lokalen Geheimdienst in Peking weiterreichen kann.

Ich glaube, dieses Problem müssen Spezialisten eruieren. Die Politiker müssen sich das dann angucken. Das Wichtigste, das wir daraus lernen müssen: Wenn wir uns von Feldern aus der Industrie verabschieden - wie der Telekommunikation - sind wir auf einmal nicht mehr in der Lage, mit eigenen Produkten Huawei zu ersetzen. Und das sollte eigentlich der Lernprozess sein.

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