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Einschätzung zum Tierwohl-Label - "Am Ende brauchen wir Verbindlichkeit"

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Auch die neue Landwirtschaftsministerin Klöckner nimmt Anlauf für ein Tierwohl-Label. Doch es liegt noch viel Arbeit vor ihr, meint Thomas Schröder vom Deutschen Tierschutzbund.

Archiv: Ferkel stehen im Stall, aufgenommen am 05.11.2014
Ferkel im Stall Quelle: dpa

heute.de: In einem Zeitungsinterview nennt die neue Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner Deutschland "Spitzenreiter in der EU beim Tierschutz". Stimmt das?

Thomas Schröder: Also das ist ein Mantra, das offenbar jeder neue Landwirtschaftsminister erstmal vor sich hertragen muss, das gab es bisher alle vier Jahre in der Regierungserklärung des Ministers. In der Realität würde ich das so pauschal nicht unterschreiben. Wir haben vielleicht höhere Standards als manches östliche Land in der EU. Aber auch die holen schnell auf und wir sind stehengeblieben vor vielen Jahren. Also wir sind nicht führend sondern eher im Mittelfeld.

Als Thema in der Gesellschafft allerdings, da sind wir führend in Europa. Die Gesellschaft in Deutschland hat über viele Jahre immer wieder wiederholt, dass sie mehr Tierschutz im Stall möchte. Realität ist das aber leider noch nicht.

heute.de: Das Tierwohl-Label wurde bereits von Klöckners Vorgänger Christian Schmidt (CSU) vorgestellt und von Ihnen kritisiert. Hat sich seitdem etwas verbessert?

Schröder: Nein, wir sind seitdem eigentlich auf Stillstand, wir haben als Deutscher Tierschutzbund gemeinsam mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband entschieden, den Dialog zu unterbrechen, weil dann im Wahlkampf auch die Entscheidungen nicht mehr zu treffen waren, weil es auch um Förderpolitik und um Haushaltsfragen ging, so dass wir gesagt haben, den Dialog nehmen wir wieder auf, wenn die neue Bundesregierung ins Amt kommt. Und das ist jetzt.

Unsere Kritik von damals, als die Pläne vorgestellt wurden, würden wir heute wiederholen, wenn die alten Pläne eins zu eins wieder aus der Schublade geholt werden.

heute.de: Was ist denn Ihre Kritik am bisherigen Plan?

Schröder: Wir haben kritisiert, dass das Label ja noch gar nicht ausgearbeitet war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Es gab noch nichts zum Kontrollsystem. Es war nicht geklärt, wer Betriebe und Produkte zertifiziert. Ein Label lebt ja nicht nur von den Kriterien der Haltung, sondern vom gesamten Prozess, denn das schafft ja das Vertrauen beim Verbraucher. Insofern war Herr Schmidt einfach zu schnell, zu früh mit der Veröffentlichung. Aber wie gesagt, da sind wir eben auch etwas zu sehr in den Wahlkampf geraten um wirklich sachlich und zielorientiert zu arbeiten.

Wenn der Minister in seinen Kriterien schreibt, eine Buchtenstrukturierung (Anm. d. Red.: Art der Schweine-Haltung) ist für Schweine essentiell, dann ist das der Auftrag an den Gesetzgeber, das Gesetz zu ändern, aber nicht eine freiwillige Lösung zu finden. Denn essentiell heißt, es muss ins Gesetz. Der Minister hat auch gesagt, er möchte eine schonende Schlachtmethode der Tiere in seinem Label freiwillig. Das heißt im Umkehrschluss: Die heutigen Methoden sind offenbar nicht schonend und mit tiefer Betäubung verbunden. Also auch Kritik an den Gesetzgeber: Warum hast du denn nicht längst aufgeräumt am Schlachthof? Also alles unausgegoren, um das zusammenzufassen

heute.de: Was bringt denn überhaupt ein Label auf freiwilliger Basis?

Schröder: Am Ende brauchen wir Verbindlichkeit. Aber natürlich müssen Landwirte da abgeholt werden, wo sie stehen. Eine Freiwilligkeit bietet Fördermöglichkeiten, die, wenn der Gesetzgeber handelt, nicht mehr gegeben sind, weil gesetzliche Standards nicht gefördert werden dürfen. Staatlich gefördert werden dürfen nur freiwillige Mehrleistungen. Und Landwirte, die ihre Betriebe umstellen wollen, brauchen Fördermittel. Die schaffen das nicht aus ihrem eigenen wirtschaftlichen Tun. Daher macht ein freiwilliges staatliches Label durchaus Sinn, es muss eben durchdacht sein, muss transparent sein.

heute.de: Am Ende geht es ja oft um den Preis. Nach Ihrer Erfahrung: Wieviel teurer wäre denn Fleisch, bei dem das Tierwohl mehr im Fokus steht?

Schröder: Also ich kann zumindest sagen, welche Erfahrung wir mit dem Tierschutzlabel machen, das es mittlerweile seit fünf Jahren gibt. Da kann man sagen, dass die Einstiegsstufe, die mehr Tierschutz bietet als der Gesetzgeber fordert den Verbraucher etwa ein Drittel mehr kostet. Und wenn ich zu Premium aufsteige nochmal ein Drittel. Deswegen auch hier die Kritik am Minister Schmidt: Er hat gesagt, die Produkte des staatlichen Labels wären etwa 20 Prozent teurer als konventionelle Ware. Das ist unseriös. Das ist am Ende auch eine Täuschung der Verbraucher.

Trotzdem haben wir natürlich das Problem: Zwischen konventionellen Angeboten und Bio fehlt ein Angebot. Und diese Lücke muss ein Tierschutzlabel schließen, denn nicht jeder Verbraucher geht gleich zu Bio, entweder weil er nicht will oder weil er auch finanziell nicht kann.

Dazu sei auch noch zu sagen, dass die Preisabstände auch nur relativ zu betrachten sind: In den konventionellen, vermeintlich billigen Preisen sind viele Kosten einfach nicht enthalten, zum Beispiel die hohe Nitratbelastung des Grundwassers durch große Mastbetriebe. Diese Nitratbelastung oder besser deren Beseitigung wird ja nicht in den Fleischpreis einbezogen, sondern die bezahlt der Steuerzahler. Deswegen ist der Preisvergleich zu Billigfleisch immer schwierig, weil der eigentlich künstlich subventioniert ist.

heute.de: Was raten Sie der Ministerin?

Schröder: Frau Klöckner sollte auf keinen Fall eins zu eins die Pläne von Herrn Schmidt zu einem Gesetzentwurf machen, denn der Markt hat sich verändert, die Entwicklung ist fortgeschritten und die Kritik von damals ist immer noch die Gleiche. Ich hoffe, dass Frau Klöckner die Schublade von Herrn Schmidt erstmal zulässt und sich nochmal frisch und frei mit allen Beteiligten befasst. Dann sind wir glaube ich an einem besseren Startpunkt, als wir es bei Herrn Schmidt waren.

heute.de: Eine Frage zum Abschluss: Essen Sie selbst Fleisch?

Schröder: Ich halte es da nach dem Prinzip des Deutschen Tierschutzbundes: Fleischverzicht ist der beste Weg zu mehr Tierschutz.

Das Interview führte Jan Schneider

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