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Eugene Kaspersky - "Wir sind mitten im digitalen Kalten Krieg"

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Cyberkriminelle freuen sich gerade über die weltpolitische Lage, stellt Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky fest. Sie nutzen politische Machtkämpfe skrupellos für ihre Geschäfte.

Jewgeni Kaspersky
Eugene Kaspersky

Es ist zur Zeit in politischer Hinsicht nicht gerade einfach für Eugene Kaspersky und sein Unternehmen für Sicherheitssoftware. Kaspersky Lab hat seinen Sitz in Moskau. Kaspersky selbst hat die Grundlagen des Sicherheitsgeschäfts noch beim sowjetischen Geheimdienst KGB gelernt.

Kritik an Kaspersky aus den USA

Und er hat die gelernten Sicherheitsprinzipien äußerst erfolgreich angewandt. Die Sicherheitssoftware von Kaspersky Lab gilt als ausgereift. Die forensischen Analysen der weltweit für Kaspersky tätigen Sicherheitsforscher werden immer dann von den Verantwortlichen in Industrie, Behörden und Regierungen zu Rate gezogen, wenn eine äußerst komplizierte Cyberattacke aufgeklärt werden muss.

Dennoch warnen amerikanische Sicherheitsbehörden und Politiker vor dem Einsatz der Software aus dem Hause Kaspersky. In Europa machen ihm Journalisten und Politiker zum Vorwurf, dass er die Grundlagen in Sachen IT-Sicherheit und Forensik von Lehrern vermittelt bekam, die sie wirklich drauf hatten. Denn die standen damals in seinem Heimatland nun mal im Sold des sowjetischen Geheimdienstes.

Staaten müssen kooperieren

Eugene Kaspersky wehrt sich gegen solche Vorwürfe nicht direkt. Er findet sie albern. Deshalb verfolgt er hier eine andere Strategie. Er nimmt an internationalen Foren und Panels teil, tritt als Redner auf hochkarätigen Veranstaltungen auf und will durch Sachbeiträge überzeugen.

Auf der Münchner Cybersicherheitskonferenz ist er für eine bessere Kooperation der Staaten im Kampf gegen IT-Terroristen, Cyberkriminelle und digitale Waffen eingetreten. Hier sollten russische und amerikanische Sicherheitsexperten besser zusammenarbeiten.

heute.de: Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wird über die Risiken der Informationstechnik, über die Gefahren digitaler Waffen gesprochen, aber auch darüber, wie wir die Sicherheitslage besser in den Griff kriegen können. Wie hat sich nach Ihrem Dafürhalten denn die Sicherheitslage während der vergangenen Monate entwickelt?

Kaspersky: Unglücklicherweise wird die Situation in der Cybersicherheit immer schlechter. Die Cyberkriminellen werden immer professioneller. Die Attacken werden immer professioneller. Und wir sehen, dass die Staaten sich hier nicht ausreichend austauschen. Geopolitische Turbulenzen behindern Kooperation zwischen den großen Staaten, zwischen West und Ost, zwischen den USA und Russland. Unglücklicherweise sind die bösen Jungs im Cyberspace sehr glücklich.

heute.de: Was können die Regierungen dagegen tun?

Kaspersky: Die müssen sich zunächst mal die Situation klar machen. Da müssen fundierte Analysen her. Und dann müssen sich die Regierungen auf ihre Aufgabe konzentrieren, Cyberkriminalität zu bekämpfen. Das geht nur in Kooperation. Dafür reichen aber auch Zweckbündnisse. Man muss ja nicht in allen politischen Fragen übereinstimmen. Aber die strittigen Themen sollten bei der gemeinsamen Aufgabe, Cyberkriminalität zu bekämpfen dann erst einmal außen vor bleiben. Diese zielgerichtete Kooperation müssen wir hinbekommen.

heute.de: Da sprechen aber einige Politiker von einem neuen heraufziehenden Kalten Krieg. Verhindert der das nicht?

Kaspersky: Wir sind doch schon mitten in einem digitalen Kalten Krieg. Und der verhindert zur Zeit eben die erfolgreiche gemeinsame Bekämpfung von IT-Kriminalität, man kann auch sagen: Cyberkriminalität. Das ist gefährlich. Dieses Risiko müssen wir kühl analysieren. Und dann abwägen. Bei einer vernünftigen Abwägung kommen wir zu dem Ergebnis, dass einzelne Staaten unterschiedliche Ziele mit einer jeweils anderen politischen Strategie verfolgen. Und wir sehen eine Gemeinsamkeit: Die politischen Ziele aller Regierungen werden nämlich durch Cyberkriminelle bedroht. Die Existenz der Menschen wird durch Cyberkriminalität bedroht. Das ist die Herausforderung für alle Staaten.

heute.de: Können Veranstaltungen wie diese Sicherheitskonferenz dazu beitragen, dieser Herausforderung besser zu begegnen?

Kaspersky: Miteinander im Gespräch zu sein hilft da natürlich. Aber das reicht nicht. Wir brauchen im Kampf gegen die Cyberkriminalität technische Lösungen und politische Lösungen. Die Techniker kommen da in der Regel recht schnell zu einer sachangemessenen Verständigung. Deshalb ist solch eine Vorkonferenz wie heute gar nicht schlecht. Da können dann von hier aus technische Ergebnisse in die politische Sicherheitskonferenz gegeben werden.

Das Interview führte Peter Welchering.

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