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Debatte um Eizellspenden - Zwischen "Fetozid" und moderner Medizin

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Eizellspende, Embryospende, Leihmutterschaft: Was darf die Medizin in Deutschland? Ärztin Annika Ludwig berichtet im heute.de-Interview von neuen Möglichkeiten und alten Problemen.

Schwangere Frau
Sollte die Leihmutterschaft in Deutschland erlaubt werden? "Mein Kopf sagt ja und mein Bauch sagt, es ist schwierig, gut umzusetzen", sagt Annika K. Ludwig im heute.de-Interview.
Quelle: dpa

heute.de: Wie haben sich die Patienten verändert in den letzten 30 Jahren?

Annika K. Ludwig: Sie sind informierter über die letzten 15 Jahre. Sie wissen, was im Ausland und was hier möglich oder nicht möglich ist, weil es über das Internet mehr Möglichkeiten gibt, sich zu informieren - etwa über "Betroffenen"-Foren.

heute.de: Was ist heute anders als 1990?

Ludwig: Die Forschung ist weiter. Bisher gab es überhaupt keine Studien zur Entwicklung der Kinder und man hatte Bedenken, die mehr einem Bauchgefühl entsprachen. In England gibt es jedoch inzwischen gute Studien zur Gesundheit der Kinder nach Eizellspenden. Wir wissen, dass es den Kindern langfristig gut geht, dass sie sich genauso gut entwickeln wie andere Kinder, dass sie sich psychologisch genauso entwickeln, die Familienstruktur normal ist und dass diese sich nicht von anderen Familien unterscheiden.

heute.de: Haben die Paare manchmal moralische Bedenken bei der Eizellspende?

Ludwig: Moralische Bedenken haben die, die sagen, das kommt für uns infrage, und dann ins Ausland gehen, nicht. Das empfinden die einfach nur als ungerecht, dass die Samenspende erlaubt ist und die Eizellspende aber nicht - und, dass sie jetzt zu den Behandlungskosten auch noch Fahrt und Reisekosten tragen müssen.

heute.de: Ist anderswo alles besser?

Ludwig: Ganz sicher nicht. Wenn sie in die Ukraine gehen, da haben sie eine hemmungslose Reproduktionsmedizin. Dort bekommen sie die Eizellspende mit dem Versprechen der hundertprozentigen Schwangerschaftschance. Da werden vier Embryonen transferiert. Wenn sie vier Embryonen junger Frauen bekommen, dann ist die Schwangerschaftsrate irrsinnig hoch und dann wird im Nachhinein eine Vierlingsschwangerschaft auf eine Zwillingsschwangerschaft reduziert. Da ist Fetozid inklusive, quasi mit im Preis, das geht gar nicht.

heute.de: In Deutschland gibt es doch ein Recht darauf, die Abstammung zu kennen?

Ludwig: Das ist ein großes Problem, denn die Paare, die ins Ausland gehen, bekommen in aller Regel eine anonyme Eizellspende und damit wird dem Kind hier die Kenntnis seiner Abstammung verwehrt. Wenn wir eine Eizellspende hier erlauben, dürfte es hier keine anonymen Eizellspenden geben. Die Paare wissen, es wäre gut das Kind aufzuklären, doch viele tun sich damit schwer. Hier kann man eine verbindliche psychosoziale Beratung ans Herz legen, die die Patienten darauf vorbereitet, wie wichtig es ist, Kinder aufzuklären, Hilfestellung dazu zu geben.

heute.de: Sollten wir die Leihmutterschaft auch erlauben?

Ludwig: Mein Kopf sagt ja und mein Bauch sagt, es ist schwierig, gut umzusetzen. Wir können es nicht erlauben, bevor wir nicht wissen, wie wir es umsetzen wollen. Dazu kommt das schwierige Thema unserer Gesellschaft: Lesbische Paare können problemlos schwanger werden, während für schwule Paare die Leihmutterschaft der einzige Weg ist - und das ist für mich ungerecht.

Die Schwangerschaft ist aber ein langer Zeitraum, der mit langfristigen Risiken verbunden ist, die die Frau eingeht. Darüber muss man die Frau auch aufklären: Ob sie diese Risiken eingehen will, dafür dass sie selbst keinerlei Nutzen hat. Dazu kommt ein Bindungsproblem. Die Frau baut eine Bindung zu dem Kind auf. Juristen sagen, dass die Frau einen Zeitraum haben könnte, in der sie sagen kann, sie gibt das Kind nicht raus und die Wunscheltern dies akzeptieren müssen. Der Kopf sagt prinzipiell, es sollte erlaubt sein - aber erst, wenn wir es richtig regeln können. Es wird sehr schwierig sein, dies zu regeln. Das ist vielleicht ein Punkt, wo wir sagen, man kann nicht jeden Wunsch erfüllen.

Das Interview führte Petra Otto.

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