Sie sind hier:

Thunbergs Entdecker Rentzhog - "Greta zeigt, dass man nichts schönreden muss"

Datum:

Der Unternehmer Ingmar Rentzhog gilt als Entdecker von Greta Thunberg. Im Interview spricht er über die teils harsche Kritik an ihr und darüber, ob sie sich verändert hat.

Greta Thunberg
Klimaaktivistin Greta Thunberg: von vielen wie ein Superstar gefeiert, von manchen gehasst.
Quelle: dpa

ZDF: Herr Rentzhog, vor ziemlich genau einem Jahr haben Sie Greta Thunberg kennengelernt - an ihrem ersten Streiktag vor dem schwedischen Parlament. Wie viel von dem kleinen Mädchen, das da allein vor dem Reichstag saß, steckt denn immer noch in Greta?

Ingmar Rentzhog: Für Greta ist in dieser Zeit natürlich unglaublich viel passiert. Inzwischen hat sie ein globales Publikum, das ihr zuhört. Das ist fantastisch, das konnte niemand voraussehen.

Alle jungen Menschen entwickeln und verändern sich, aber ich glaube, im Grunde ist Greta heute noch die gleiche Person. Nur jetzt hat sie deutlich mehr Selbstvertrauen und hoffentlich auch mehr Zuversicht, dass die Menschen auch wirklich zuhören.

ZDF: Was hat Greta aus ihrer Sicht in diesem Jahr bewirkt? Nicht nur in Schweden, sondern weltweit?

Rentzhog: Die Menschen fangen an, den Ernst der Lage in der Klimafrage zu begreifen. In dem Punkt haben Greta und die gesamte "Fridays for Future"- Bewegung sehr viel dazu beigetragen, wie wir heute über die Klimakrise sprechen. Vor zwei Jahren war es nicht akzeptiert, darüber zu sprechen, wie ernst es um das Thema steht. Heute tun das alle, sogar ganze Länder haben den Klimanotstand ausgerufen.

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ZDF: Sie sind gut vernetzt mit Leuten, denen Themen wie Klima und Nachhaltigkeit am Herzen liegen. War Greta für diese Leute so etwas wie das große Los?

Rentzhog: Das große Los würde ich jetzt nicht sagen, aber sie hat gezeigt, dass es nicht nötig ist, die Dinge schönzureden. Die ganze Klimabewegung hatte bis dahin große Angst davor, die Dinge beim Namen zu nennen. Man wollte niemandem zu viel Angst machen. Aber ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir sagen müssen, wie es ist, weil sich sonst nichts ändern wird.

ZDF: Das Medieninteresse an Greta ist riesig: An ihrem letzten Streiktag in Stockholm hat sie nur ausgewählten Sendern Interviews gegeben. Unser Eindruck war, sie wird von ihrem Umfeld sehr abgeschirmt...

Rentzhog: In der Klimafrage gibt es ein enormes Interesse durch viel Druck von internationalen Medien. Wenn man sehr viele Anfragen bekommt, muss man das ja irgendwie lösen. Das geht nicht nur Greta so, sondern allen, die an vorderster Front mit globalen Fragen arbeiten. Da ist man nicht mehr zugänglich, und man muss das irgendwie lösen.

Ich vermute, dass die Anzahl der Leute, die heute mit ihr reden wollen, nicht die gleiche ist wie vor einem Jahr. Was es natürlich schwer macht, an sie heranzukommen. Man kann nicht mit allen reden und muss irgendwie auswählen.

ZDF: Es gibt ja immer wieder Kritik, dass Greta sich vereinnahmen lasse - auch von Ihrem Unternehmen. Sie war ja mal Ihre Jugendbotschafterin.

Rentzhog: Von diesem Auftrag ist sie Anfang des Jahres zurückgetreten. Weil sie ganz einfach da raus gewachsen ist. Plötzlich war sie viel größer als wir selbst. Sie hat den Beschluss gefasst, dass sie unabhängig und alleinstehend von allen Organisationen sein will. Und das finde ich einen sehr klugen Entschluss, im Hinblick darauf, was sie für ein Symbol geworden ist. Denn da ist es wichtig, seinen eigenen Weg zu gehen, und dafür habe ich volles Verständnis.

ZDF: Es scheint, die Kritik an Greta fällt besonders heftig aus…

Rentzhog: Ich glaube, dass Greta deutlich mehr Kritik als andere dafür bekommt, mit wem sie sich sehen lässt. Und es hat damit zu tun, dass die Klimafrage inzwischen politisch sehr aufgeladen ist. Und so entsteht leider sehr viel Kritik: Mit wem man zusammenarbeitet, was man tut et cetera. Das wird fast absurd: Wenn man etwas erreichen will, muss man ja auch etwas tun.

ZDF: In Deutschland war sie am Wochenende im Hambacher Forst. Es gibt Bilder, die sie mit Vermummten zeigen. Wer entscheidet, mit wem sie sich umgibt?

Rentzhog: Für mich ist das schwierig zu beantworten. Wenn ich raten soll: Ich glaube, dass sie mit 16 Jahren nicht alles überblicken kann und dass ein großer Teil einfach spontan ist.

ZDF: Im letzten halben Jahr hat Greta den Papst und Barack Obama getroffen, vor Parlamenten gesprochen, Preise bekommen - hat sie das verändert?

Rentzhog: Es hat sie im Grunde nicht verändert, und der Grund dafür ist, glaube ich, dass gewisse Menschen sich von berühmten Personen und Führungspersönlichkeiten sehr leicht einschüchtern lassen. Anderen Menschen imponiert so was überhaupt nicht. Und ich bin recht überzeugt davon, dass Greta eher der zweiten Kategorie angehört.

Sie macht sich nichts daraus, ob sie mit Obama oder mit jemand anderem spricht. Ich glaube, dass ihr klar ist, dass man mit denen spricht, die die Macht haben. Die Macht, die Veränderungen umzusetzen, die wir brauchen.

Das Gespräch führte Anne Brühl für das auslandsjournal.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.