Sie sind hier:

Sonderbericht des Weltklimarates - "Kostbare Ökosysteme" in Gefahr

Datum:

Eis und Ozeane sind wegen des Klimawandels in Gefahr, sagt der aktuelle IPCC-Bericht. Klimaforscher und Mitautor Hans-Otto Pörtner warnt, dass so unsere Lebensgrundlage schwindet.

Drei Kehlstreifpinguine (Pygoscelis Antarctica) stehen auf einer Eisscholle in der Antarktis (undatiertes Aufnahme)
Drei Kehlstreifpinguine in der Antarktis.
Quelle: dpa

heute.de: Was sind die Kernaussagen des IPCC -Sonderberichts "Ozean und Kryosphäre im Klimawandel"?

Hans-Otto Pörtner: Der IPCC-Sonderbericht zu Ozean und Kryosphäre im Klimawandel zeigt, wie sehr sich der Ozean und die Eisgebiete ändern. Diese beiden Systeme sind unsere Lebensgrundlage. Sie bestimmen unser Wetter und Klima, Nahrung und Wasser, Energie und Transport, Freizeit und Tourismus, Gesundheit, Kultur und Identität. Sie werden sich aufgrund bisheriger Treibhausgas-Emissionen auch in Zukunft unvermeidbar verändern. Nur, wenn es der Welt gelingt, diese Emissionen drastisch zu reduzieren, können die Veränderungen im Rahmen gehalten und wichtige Ökosysteme erhalten werden.

heute.de: Welche Rolle spielen Ozeane in Bezug auf den Klimawandel?

Pörtner: Der Ozean hat bereits mehr als 90 Prozent der überschüssigen Wärme auf dem Klimasystem aufgenommen. Er hat auch 20 bis 30 Prozent des menschengemachten Kohlendioxids absorbiert. Damit begrenzt er den globalen Klimawandel. Die Erwärmung und die Veränderungen in der Ozeanchemie wirken sich aber negativ auf das Leben im Meer aus - zum Beispiel auf kostbare Ökosysteme wie Korallenriffe oder für die Nahrungsversorgung wichtige Fischereien.

heute.de: Wie stark steigt der Meeresspiegel an?

Pörtner: Der Meeresspiegel ist im 20. Jahrhundert bereits um etwa 15 Zentimeter angestiegen. Er würde bis 2100 um zusätzliche 30 bis 60 Zentimeter ansteigen, wenn Treibhausgas-Emissionen auf deutlich unter 2° Celsius begrenzt werden, und um bis zu 60 bis 110 Zentimeter, wenn Emissionen weiter ansteigen.

heute.de: Unterm Strich sind das im Moment wenige Millimeter Meeresspiegelanstieg pro Jahr - das hört sich nach nicht viel an. Aber welche Auswirkungen hat das an den Küsten?

Pörtner: Der Meeresspiegel steigt in verschiedenen Regionen unterschiedlich an. Was viele Küstenregionen und Städte am Meer bereits spüren, sind Gefahren durch Extremereignisse wie Stürme und Überflutungen. Ohne ausreichenden Schutz steigt auch das Risiko des Landverlusts.

heute.de: In Grönland gibt es nach der Antarktis die zweitgrößte Eismasse der Erde. Wie stark ist das Schmelzen dort inzwischen?

Pörtner: Zwischen 2006 und 2015 hat das grönländische Eisschild etwa 278 Gigatonnen Eis pro Jahr verloren - plus/minus elf Gigatonnen - und pro Jahr etwa 0,77 Millimeter zum Meeresspiegelanstieg beigetragen. Die Schmelze der Eisschilde hat den Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt. Mittlerweile tragen schmelzende Gletscher und Eiskappen mehr zum Meeresspiegelanstieg bei als die Ausdehnung aufgrund von Erwärmung.

heute.de: Welche Forderungen an die Politik lassen sich aus dem Bericht ableiten?

Pörtner: Auswertungen wie dieser Sonderbericht stellen die wissenschaftliche Grundlage für politische Entscheidungen dar. Der Sonderbericht Ozean und Kryosphäre im Klimawandel ist zum Beispiel ein wichtiger Beitrag zu den Weltklimaverhandlungen in Chile im Dezember. Der Weltklimarat stellt jedoch keine Forderungen an die Politik. Natürlich hoffen wir, dass die Erkenntnisse unserer Berichterstattung in der Politik berücksichtigt werden.

Deutlich wird nämlich, dass Gefahren, die sich durch unvermeidbare Veränderungen im Ozean und in den Eisgebieten der Erde ergeben, deutlich geringer ausfallen, wenn Treibhausgas-Emissionen drastisch reduziert werden. Unvermeidbar ist auch, dass betroffene Regionen sich anpassen.

Das Interview führten Christine Elsner und Mark Hugo von der ZDF-Umweltredaktion.

Was den Ozeanen droht

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.