Sie sind hier:

Deutscher Karikaturenpreis - "Karikatur darf alles"

Datum:

In Dresden wird heute der Deutsche Karikaturenpreis verliehen. heute.de sprach mit dem Leiter des Caricatura Museums in Frankfurt, Achim Frenz, über die Karikatur als Kunstform.

heute.de: Herr Frenz, Sie beschäftigen sich seit mehr als 30 Jahren mit der Karikatur und Komischer Zeichnung. Warum, was fasziniert Sie daran?

Achim Frenz: Ja, ich mache das schon seit langer Zeit, irgendetwas muss da also dran sein. Es ist einfach das schönste Genre, das es in der Kunst gibt. Denn ja - die Karikatur ist Kunst, "Komische Kunst" um genau zu sein. Vor über 20 Jahren haben wir den Begriff in die Debatte eingeführt und langsam hat er sich durchgesetzt.

heute.de: Was macht eine gelungene Karikatur aus?

Frenz: Sie muss aufklärerisch sein, handwerklich überzeugen und am besten komisch sein. Ich finde es optimal, wenn alle drei Faktoren zusammenkommen.  

heute.de: So wie bei den Siegern des 18. Deutschen Karikaturenpreises?

Frenz: Ja! Was mich dieses Jahr am meisten freut, ist, dass unsere Siegerkarikatur eine Arbeit aus dem Bereich der Porträtzeichnung ist. Das hatten wir noch nie. Frank Hoppmann ist ein durch seinen ungewöhnlich bedeutenden Stil ein beeindruckender Künstler, von dem wir in der Zukunft - das sage ich voraus - noch viel Großartiges sehen werden.

heute.de: Das Bild zeigt den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Warum ist es gelungen?

Frenz: Wir würdigen es mit dem "Geflügelten Bleistift in Gold", weil es sich auf außergewöhnliche Weise gegen eine Autorität wendet, also aufklärerisch und handwerklich überzeugend ist. Die abgebildete Person hat im vergangenen Jahr für viel Diskussion gesorgt und deshalb verdient, entsprechend satirisch gewürdigt zu werden.

heute.de: Das Motto lautete in diesem Jahr "Menschen sind auch keine Lösung!". Wie waren denn die Einreichungen dazu?

Frenz: So gut und ideenreich wie immer! Viele Profis waren wieder dabei, aber auch ein großer Schwung von Zeichnern, die erstmals ihre Arbeiten eingereicht haben. Die Jury musste sich wieder durch mehrere hundert Exponate kämpfen. Auch die Qualität der weiteren Preisträger zeigt das diesjährige hohe Niveau der eingereichten Arbeiten.

heute.de: Um Nachschub in der Szene muss man sich also keine Sorgen machen.

Frenz: Nein, es gibt viele junge Zeichner, oftmals sind sie durch entsprechende Zeitschriften und durchs Comic-Lesen dazu inspiriert worden, als Karikaturist oder Zeichner hauptberuflich arbeiten zu wollen. Es ist jedoch heutzutage sehr schwer, sich durchzusetzen. Früher hatten die etablierten Karikaturisten beispielsweise in Tageszeitungen ihr eigenes Büro, waren fest angestellt.

Heute läuft vieles auf freiberuflicher Basis, Karikaturisten müssen ihre Arbeiten verschiedenen Redaktionen anbieten, hoffen, dass sie veröffentlicht werden. Da braucht man schon mehrere Veröffentlichungen pro Tag, um über die Runden zu kommen. Umso löblicher ist es, dass es in Deutschland zwei Tageszeitungen gibt, die den Deutschen Karikaturenpreis ausrichten und so das Genre Karikatur unterstützen und fördern. Einen Dank muss man der Sächsischen Zeitung in Dresden und dem Weser Kurier in Bremen aussprechen.

heute.de: Darf denn die Karikatur alles oder gibt es Grenzen?

Frenz: Meine persönliche Toleranzgrenze ist ehrlich gesagt kaum sichtbar. Und auch in der Jury des Deutschen Karikaturenpreises habe ich noch nie erlebt, dass Themen zensiert wurden. Es gab vielleicht Arbeiten, deren Idee noch nicht ausgereift war. Nein, Karikatur darf alles. Es gibt aber Themen, die schwierig umzusetzen sind, wo eine genaue Beobachtung des Karikaturisten erforderlich ist. Donald Trump gehört da zum Beispiel dazu oder Kirche und Religion.

heute.de: Warum ist es wichtig, das Genre zu unterstützen?

Frenz: Die Karikatur hat eine große Tradition, die es schon im 19. Jahrhundert gab. Damals diente die Karikaturzeichnung beispielsweise auf Marktplätzen dazu, Nachrichten und Geschichten der Bevölkerung zu erzählen, also auch denjenigen zugänglich zu machen, die nicht lesen konnten. Außerdem setzten sich die Abbildungen kritisch - satirisch und oft auf witzige Weise - mit der Gegenwart auseinander. Die satirische Zeichnung und Karikatur hat in einer freien aufgeklärten und demokratischen Gesellschaft eine sehr wichtige Funktion.

Das Interview führte Maria Ugoljew.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.