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"Erwartung an solche Treffen sind zu hoch"

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Gipfel von Kim und Putin - "Erwartung an solche Treffen sind zu hoch"

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Hände schütteln, Fotos machen. Sehr gehaltvoll sind die Treffen mit Nordkoreas Machthaber meist nicht. Alles nur Show? Nein, sagt eine Nordkorea-Expertin, dahinter stecke ein Plan.

heute.de: Kim Jong Un trifft Wladimir Putin. Es werden Hände geschüttelt, Fotos gemacht. Viele Ergebnisse gibt es nicht. Ist das alles nur Show?

Marianne Jung: Nein, absolut nicht.

heute.de: Welche Absicht sehen Sie dann?

Jung: Kim sucht nach einer Strategie, sein Land zu öffnen und gleichzeitig Machthaber zu bleiben. Deshalb streckt er sich gerade nach allen Seiten. Innerhalb eines Jahres hat sich Kim mit den USA, China und Südkorea getroffen, vorher hat es so etwas noch nie gegeben. Das ist eine positive Entwicklung, ich verfolge sehr gespannt, wie es weiter gehen wird. Vielleicht wird das nächste Treffen in Europa stattfinden, wer weiß?

heute.de: Sie sehen eine Entwicklung in die richtige Richtung, viele sind aber enttäuscht, dass es kaum Handfestes gibt, vor allem in Sachen Atomwaffen...

Jung: Die Treffen sind eine große Chance für die internationale Gemeinschaft, gleichzeitig sind die Erwartungen an solche Treffen meist zu hoch gesteckt. Kim tastet gerade ab, wie und mit wem er seine Strategie am besten verfolgen kann. Es sind Kennenlerntreffen, um Meinungen auszutauschen und nicht, um etwas zu unterschreiben. Und die Karte "Atomwaffen" wird Kim so schnell nicht aus der Hand geben, sonst hat er kein Druckmittel mehr.

heute.de: Gibt es überhaupt eine Chance auf eine atomare Abrüstung Nordkoreas?

Jung: Grundsätzlich hat sich Kim ja dazu bereit erklärt, die Konditionen müssen aber für ihn stimmen. Das wird nicht leicht - und auch nicht sofort passieren.

heute.de: Warum geht Kim gerade jetzt auf große Präsidenten-Tour?

Jung: Das ist kein Zufall, Kim hat einen Zeitplan, den er verfolgt. Während er die vergangenen Jahre damit beschäftigt war, seinen Status innerhalb des Landes zu festigen, geht er nun auch über die Ländergrenzen hinweg. Er will sich sicherlich als starker Mann präsentieren, sowohl nach innen als nach außen, eventuell waren auch die Streitereien mit den USA Auslöser dafür. Neben den politischen Zielen verfolgt Kim vor allem wirtschaftliche Ziele. Er will die heimische Wirtschaft ausbauen und - das ist sein Hauptziel - die Sanktionen reduzieren.

heute.de: Welche Entwicklung wäre in Ihren Augen am wichtigsten für das Land?

Jung: Ich hoffe, dass die Ländergrenzen schnell geöffnet werden, damit internationale Hilfsorganisationen ins Land können und dort helfen und die Menschen unterstützen können. Das ist wichtiger als eine Reisefreiheit für alle Bürger. Kim wird die Bildfläche so schnell nicht verlassen. Wichtig ist es, langfristig Strukturen aufzubauen und die Lage der Menschen zu verbessern. Es müssen Strategien erarbeitet werden, die sowohl die Entwicklung der sozialen als auch der wirtschaftlichen Komponente einschließen.

Das Interview führte Jacqueline Vieth. Folgen Sie der Autorin auf Twitter.

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