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Eine Reise nach Ägypten - "Trotz aller Unterschiede sind wir Freunde"

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Ellen und Terry Decker haben Donald Trump gewählt und gestanden, islamfeindlich zu sein. Ihre Reise für "Free Trip to Egypt" nach Ägypten hat sie grundlegend verändert.

Filmplakat: Free Trip to Egypt
Was passiert, wenn Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenkommen, die sich voller Vorurteile gegenüberstehen? Die Dokumentation "Free Trip to Egypt" beantwortet das - auf beeindruckende Weise. (Filmplakat)
Quelle: Everett Collection

heute.de: Wie würden Sie sich vor der Reise beschreiben?

Ellen Decker: Früher war ich liberal, doch 9/11 war für mich ein Wendepunkt. Einer meiner Söhne war im Militär, das machte alles so real. Der 11. September machte aus einer weltoffenen Frau einen verängstigten und vielleicht sogar engstirnigen Menschen. Ich war entsetzlich islamfeindlich. Ich hatte plötzlich sogar Angst zu fliegen. So weit ging das.

heute.de: Habe Sie Trump gewählt?

Decker: Leider. Ja, ich muss zugeben, für Trump gestimmt zu haben. Ich war kein Fan von Hillary. Und ich glaubte Trump. Uns gefiel seine unkonventionelle Art. Er sprach aus, was Politiker sich sonst nicht trauen. 

heute.de: Warum haben Sie sich für die Reise nach Ägypten beworben?

Decker: Ich hab darüber im Radio gehört und dann heimlich im Badezimmer ein Bewerbungsvideo gemacht. Mein Mann durfte davon nichts wissen, ich hab ihn später überredet mitzumachen. Unser Sohn unterrichtet im Nahen Osten und klagte über unsere Engstirnigkeit. Ich hab mich auch ihm zuliebe beworben.

heute.de: Was waren Ihre größten Vorurteile über das Land?

Decker: Die Art und Weise, wie die Frauen behandelt wurden. Das war wahrscheinlich mein größtes Missverständnis. Ich konnte nicht verstehen, wie eine Frau sich verhüllen kann. Ich hab eine Frau getroffen, die sogar eine Burka trug. Sie war wie ich Lehrerin. Wir haben uns gleich gut unterhalten und es dauerte nicht lange, bis ich ihre Burka übersehen habe. Wir mochten uns einfach. Sie war sehr offen. Ich hab sie dann auch gefragt, ob ich die erste Jüdin sei, die sie getroffen hätte. Ja, aber das spielte alles keine Rolle mehr.

Film: Free Trip to Egypt - Ellen Decker
Ellen Decker (l.) im Gespräch mit einer Frau in Ägypten.
Quelle: Everett Collection

Trotz aller kulturellen Unterschiede sind wir Freunde – und ich glaube, es würde auch unserem Land helfen, wenn wir kulturelle Unterschiede akzeptieren und feiern. Wir müssen bei den Eltern anfangen und ihnen zeigen, wie sie ihre Kinder zu Toleranz erziehen.

heute.de: Beschreiben Sie, wie die Reise Ihren verstorbenen Mann verändert hat.

Decker: Wir nannten Terry scherzhaft den Hinterwäldler aus Missouri. Er war ein schrecklicher Rassist. Er war ein stiller Typ, doch in Ägypten taute er auf. Er hat mit allen möglichen Leuten gesprochen, stellte Fragen, war neugierig. Er sah plötzlich, dass er mit allem falsch lag. Fast täglich schwärmte er von dem Land und den Menschen dort.

Terry Decker (l.) und Tarek Mounib (2019)
Terry Decker (l.) und der Produzent des Dokumentarfilms "Free Trip to Egypt", Tarek Mounib (r.).
Quelle: Everett Collection

Auf unserem Kamelausflug in die Wüste sagte er, wenn er sterbe, sollen wir seine Asche hierhin bringen. Ich wusste nicht, dass er nur drei Monate später schon tot sein sollte. Wir haben ihm seine letzten Willen dann auch erfüllt und seine Asche in der Wüste verstreut.

heute.de: Sind Sie nach der Reise politisch aktiv geworden?

Decker: Ja, auf jeden Fall. Sobald Trump zur Sprache kommt, fühle ich mich gezwungen etwas zu sagen, selbst wenn ich im Supermarkt gerade einkaufe. Ich sehe jetzt, wie gefährlich und falsch seine Hasspropaganda ist.

Das Interview führte Susanne Lingemann, ZDF-Studio New York.

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