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Experte zum Trump-Kim-Treffen - Der Gipfel ist gescheitert - aber nicht ohne Grund

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Das Treffen von Donald Trump und Kim Jong Un bleibt ohne Ergebnis. Damit sei der Gipfel gescheitert, sagt Asien-Experte Patrick Köllner. Das sei jedoch auch positiv zu bewerten.

Bilder von Trump und Kim in Hanoi am 28.02.2019
Bilder von Trump und Kim in einer Galerie in Hanoi.
Quelle: AP

heute.de: Das Treffen in Hanoi endete früher als geplant. Kann der Gipfel als gescheitert bezeichnet werden?

Patrick Köllner: Der Gipfel ist gescheitert. Aber man kann es durchaus auch positiv bewerten, dass es nicht zu einem Deal um jeden Preis gekommen ist.

heute.de: Warum fand der Gipfel überhaupt statt, obwohl die Gefahr eines Abbruchs bestand?

Köllner: Bei traditionellen Gipfeltreffen wird alles von langer Hand vorbereitet. Intensive Verhandlungen finden im Vorfeld statt. Wenn dann alles in trockenen Tüchern ist, dann kommt man zum Gipfeltreffen zusammen. So läuft das normalerweise, aber eben nicht unter Donald Trump.

heute.de: Was bedeutet das abrupte Ende konkret?

Köllner: Es bedeutet, dass man sich in den zentralen Fragen der Denuklearisierung nicht einig werden konnte. Das war ja eigentlich der zentrale Punkt des Treffens, der aber auch besonders schwierig ist. Das heißt vermutlich auch, dass man zu einem späteren Zeitpunkt für weitere Gespräche zusammenkommen wird.

heute.de: Kim Jong Un hat als Erster das Tagungshotel verlassen. Hat das eine Bedeutung?

Köllner: Das wäre Spekulation. Was man hört, ist, dass die Nordkoreaner die Forderung gestellt haben, dass man die bestehenden Sanktionen in Gänze aufheben soll. Das ist etwas, was aus amerikanischer Sicht zum aktuellen Zeitpunkt sicherlich nicht zur Debatte steht. Aber auch darüber hinaus nicht, denn dafür müssten auf nordkoreanischer Seite erstmal substanzielle Aktivitäten erfolgen.

heute.de: Was sind die Forderungen seitens der USA?

Köllner: Es geht zunächst um die Abschaltung und den Abbau bestimmter nuklearer Komplexe sowie von Raketen und Testanlagen.

heute.de: Trump forcierte zu Beginn der Verhandlungen ein schnelles Ergebnis. Davon ist er jetzt abgerückt.

Köllner: Das ist richtig und positiv zu bewerten. Dass man eben nicht um des schnellen Deals Willen etwas unterzeichnet, was dann nicht wirklich belastbar ist. Aber das ist genau das Risiko von derartigen Gipfeln, wie wir sie unter Trump des Öfteren gesehen haben. Sie sind sehr am Moment und am Austausch orientiert, sehr personalistisch und eben nicht von langer Hand vorbereitet. Das kann auch dazu führen, dass man ohne Abschluss auseinandergeht.

heute.de: Was wäre die beste Lösung, um bei der Denuklearisierung Nordkoreas voranzukommen?

Köllner: Das wäre im Endeffekt eine Politik der kleineren Schritte und entsprechenden Gegenleistungen, die man auf den Weg bringen müsste.

heute.de: Inwiefern?

Köllner: Da würde es erstmal um den zentralen nuklearen Komplex in Yongbyon gehen. Dort werden Plutonium sowie angereichertes Uran erzeugt. Dieser Komplex müsste geschlossen und abgebaut werden. Ein weiterer Teil ist, dass man davon ausgeht, dass es zumindest eine weitere Anlage zur Erzeugung von angereichertem Uran gibt. Darauf müsste sich der Blick auch richten. Dann geht es um die Frage, was mit dem bestehenden Spaltmaterial passiert, das bereits gezogen worden ist. Und was passiert mit den Sprengköpfen sowie den ballistischen Trägersystemen, also den Raketen. Da geht es um viele Punkte und um die Frage, wie mögliche Fortschritte kontrolliert werden könnten. Sehr komplex, die ganze Geschichte.

heute.de: Ist es realistisch, dass die beiden Nationen in absehbarer Zeit tatsächlich Frieden schließen?

Köllner: Ja, das war ja schon geplant. Wenn man sich die Erklärung von Singapur nochmal in Erinnerung ruft - da waren es ja vier Punkte, die aufgerufen waren. Zum ersten, dass man auf normale diplomatische Beziehungen hinarbeiten, beziehungsweise die Beziehungen zwischen den Ländern neugestalten möchte. Dann, dass man auf eine Friedensordnung auf der koreanischen Halbinsel abzielt. Drittens und am schwierigsten ist die Frage der Denuklearisierung. Und im letzten Punkt ging es um die Rückführung von Überresten amerikanischer Gefallener während des Koreakriegs.

Differenzen in der Abrüstungs- und Sanktionspolitik sorgen für gescheiterte Verhandlungen. Was das überraschende Ende des Gipfels in Hanoi bedeutet, schätzt ZDF-Korrespondentin Ines Trams ein.

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heute.de: Wie muss man sich die Neugestaltung der Beziehung vorstellen?

Köllner: Ich denke, da war einiges in der Pipeline. Da konnte man sich durchaus vorstellen, Verbindungsbüros in den beiden Hauptstädten zu eröffnen. Sicherlich wäre auch eine Erklärung möglich gewesen, dass man die feindseligen Beziehungen beendet und es Zeit ist für einen Friedenschluss. Hier war man durchaus vorangekommen. Und im letzten Jahr hat man auch Überreste überführt.

heute.de: Aber der Knackpunkt ist die Denuklearisierung?

Köllner: Ja. Das ist der Punkt, der am schwierigsten ist. Hier hätte man sich vorstellen können, dass es sichtbare Ergebnisse gibt. Und dass dann im Gegenzug gewisse Sanktionen gelockert werden. Um zum Beispiel den Südkoreanern Spielräume für ihre Kooperation mit Nordkorea zu geben. Aber offensichtlich hat man sich in dieser zentralen Frage nicht einigen können.

Das Interview führte Florence-Anne Kälble.

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