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Zuckerberg verspricht Datenschutz - "Facebook bewegt sich nur millimeterweise"

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Facebook will Daten und Privatsphäre besser schützen. Der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte Dieter Kugelmann sieht in der Ankündigung ein "Ablenkungsmanöver".

Facebook (Symbolbild)
"Facebook so sparsam wie möglich nutzen", rät der Datenschutzbeauftragte.
Quelle: dpa

heute.de: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat in einem Blogpost angekündigt, dass sein Netzwerk sich stärker auf den Schutz der Privatsphäre und der Daten seiner Nutzer ausrichten will. Viele Details dazu, welche Änderungen genau geplant sind, gibt es allerdings nicht. Wie schätzen Sie Zuckerbergs Nachricht ein?

Dieter Kugelmann: Meine Zuversicht ist begrenzt, dass es große, umfassende Verbesserungen geben wird. Facebook hat in letzter Zeit schon einiges versprochen und diese Versprechen nur begrenzt gehalten. Meiner Ansicht nach gibt es für die aktuellen Entwicklungen zwei Gründe: Zum einen die europäische Datenschutzverordnung, an die sich alle Unternehmen halten müssen, die in der EU Geschäfte machen wollen. Zum anderen wurde jetzt auch in Kalifornien ein Datenschutzgesetz erlassen. Die Unternehmen sehen, dass die Leute auch in den USA verstärkt Wert auf die Privatsphäre legen. Der Druck ist da, und das ist gut. Niemand hätte sonst die ganzseitigen Anzeigen in überregionalen Zeitungen geschaltet und finanziert, die wir gesehen haben. Nur wie die konkrete Umsetzung erfolgen wird, müssen wir in der Tat näher beobachten.

Archiv: Eine Facebook-Anzeige in der New York Times am 25.03.2018
Facebook-Anzeige in der "New York Times": Entschuldigung für den Missbrauch von Nutzerdaten.
Quelle: ap

heute.de: Glauben Sie, dass Zuckerbergs Versprechen Augenwischerei ist?

Kugelmann: Ich glaube in der Tat, dass das zum Teil ein Ablenkungsmanöver ist. Facebook bewegt sich bei diesen Themen nur millitmeterweise. Ein konkretes Beispiel dafür ist das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu den Facebook-Fanpages. (Anmerkung der Redaktion: Über Fanpages können sowohl deren Betreiber als auch Facebook Daten über Nutzer sammeln, die auf die Seite zugreifen. Der EuGH urteilte, dass beide dafür verantwortlich sind, dass der Datenschutz eingehalten wird.)

Facebook hat nach dem Urteil nur minimal gehandelt. Wir haben es geprüft. Das reicht bei weitem nicht aus, um den Anforderungen des Datenschutzes gerecht zu werden, so wie es der EuGH auf Basis der Datenschutzverordnung formuliert hat. Teilweise sind sogar gegenläufige Tendenzen zu sehen. Diese Woche wurde darüber berichtet, dass Facebook-Nutzer nicht verhindern können, dass ihr Konto über die eigenen Mobilfunkdaten gefunden wird.

heute.de: Zuckerberg hat davon gesprochen, dass mehr Angebote von Facebook eine Komplettverschlüsselung erhalten sollen, ähnlich wie bei WhatsApp. Wäre dieses Vorhaben möglich?

Kugelmann: Bei WhatsApp gibt es die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die bei Facebook einzurichten, wäre kein Problem. Sie ist bei Messenger-Diensten und E-Mails bereits gängig. Bei dieser Methode wird der Weg, über den die Nachricht geschickt wird, verschlüsselt. So erhält niemand Zugriff, solange eine Nachricht gesendet wird. Das Problem ist, dass sie irgendwann mal ankommt. Auf dem Endgerät kann man wieder auf die Inhalte zugreifen; das muss man ja auch, schließlich ist es der Sinn der Nachricht, dass sie gelesen wird. Wenn Facebook auf dem Endgerät installiert ist, hat Facebook auch Zugriff auf die Nachricht, sobald diese auf der Festplatte angekommen ist.

heute.de: Was bedeutet das für die Facebook-Nutzer? Werden sie in der nächsten Zeit Veränderungen wahrnehmen, und haben sie einen Rat zum Umgang mit Facebook?

Kugelmann: Ich glaube, Facebook wird dadurch reagieren, dass es die Einstellungsmöglichkeiten erweitert werden, also die Möglichkeit, das Kommunikationsverhalten zu steuern. Wenn so eine Änderung kommt, sollten Nutzer darauf achten und die Einstellungen so wählen, dass sie ihren Bedürfnissen entsprechen. Grundsätzlich sollte Facebook so sparsam wie möglich genutzt werden. Die Nutzer sollten möglichst nicht alles für jeden zugänglich machen, sondern sich auf Freunde beschränken. Und immer bedenken, dass Facebook das Interesse hat, alle Inhalte für Werbung, Profiling oder Tracking zu benutzen. Damit muss man halt rechnen.

heute.de: Zuckerberg hat von alternativen Wegen gesprochen, um mit Facebook Geld zu verdienen. Er erwähnte Vorhaben in Entwicklungsländern. Welche Möglichkeiten gibt es für Facebook, sich über alternative Wege zu finanzieren, und wie realistisch sind sie?

Kugelmann: Das simpelste wäre, Facebook kostenpflichtig zu machen. Was die Entwicklungsländer betrifft: Ich denke, dass Facebook hier verstärkt in das Anbieten von Software für die Infrastruktur hineingehen könnte. In diesen Ländern gibt es oft keine Festnetzinfrastruktur, also keine Leitungen. Ganz viel läuft zum Beispiel über Funk und GPS, also über Wege, auf denen Facebook aktiv ist. An dieser Stelle hat Facebook wegen seinem riesigen Datenschatz, den es über die Nutzer hat, den entsprechenden Vorsprung.

Das Interview führte Katharina Kleine Wächter.

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