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"Niemand eröffnet die klimapolitische Party"

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Luisa Neubauer im Interview - "Niemand eröffnet die klimapolitische Party"

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2018 war Luisa Neubauer noch unbekannt und als Jugenddelegierte auf der Klimakonferenz in Polen. Seitdem hat sich "alles und nichts geändert", sagt sie dem ZDF jetzt in Madrid.

Luisa Neubauer
Luisa Neubauer
Quelle: dpa

heute.de: Sehr viele Akteure, die hier auf der Klimakonferenz in Madrid auftreten, sagen, man müsse auf die jungen Leute, die weltweit auf die Straße gehen, hören. Haben Sie das Gefühl, dass sie das auch wirklich tun?

Luisa Neubauer: Wir sehen schon, dass wir gehört und gesehen werden. Dass man es aber übersetzt in politisches Handeln, das sehen wir halt nicht. Und es ist ein Stück weit sehr scheinheilig, wie die jungen Menschen hier gelobt werden, um dann in den Verhandlungen tatsächlich das Gegensätzliche zu tun, nämlich weiterhin zu blockieren.

Neubauer: Für mich hat sich alles und nichts verändert. Auch vor einem Jahr war ich schon irritiert auf der COP und habe mich gefragt, wie es sein kann, dass der Ort, der dafür geschaffen wurde, die Klimakrise zu beheben, ein Ort ist, der mich in der Erkenntnis bestärkt, dass es sehr schwierig ist und es sehr lange dauern wird. Das ist sehr gleich geblieben, tragischerweise. Auf der anderen Seite hat sich für mich persönlich natürlich alles verändert. Das war schon ein bemerkenswertes Jahr.

heute.de: Wir haben Sie damals in Kattowitz eine Weile lang begleitet. Sie haben sich beklagt, dass es für Sie als Jugenddelegierte keinen Zugang zu den meisten Verhandlungsräumen gab. Ist das hier in Madrid anders?

Neubauer: Ja, das ist spannend. Mittlerweile hat sich das geändert, in zweierlei Hinsicht. Zum einen habe ich viel weniger Interesse, in diese Räume hineinzukommen, weil wir festgestellt haben, dass die große Macht bei den Leuten liegt, die auf der Straße protestieren. Da ist die Hoffnung.

Da ist der Wandel passiert. Und andererseits erleben wir natürlich, dass immer mehr von diesen Menschen in geschlossenen Räumen feststellen, es wäre doch mal ganz nett, mit uns zu reden - und paradoxerweise jetzt viel auf mich und uns zukommen.

heute.de: Inzwischen sind Sie das Gesicht von Fridays for Future in Deutschland. Sie stehen in der Öffentlichkeit, werden oft auch angefeindet. Wie gehen Sie damit um?

Neubauer: Ich hab vor allem niemals damit rechnen können, dass ich jetzt wieder hier stehe und sich aber um mich herum so viel verändert hat - auch sehr persönlich teilweise. Das hab ich nie geplant und nie sehen können. Was Medien und Öffentlichkeit betrifft: Es gibt immer - wie das so ist - gigantische Schattenseiten. Ich glaube, den meisten ist gar nicht bewusst, dass es die gibt. Gleichzeitig glaube ich: Wir brauchen eine Medienöffentlichkeit, die sich viel intensiver, viel genauer, viel ehrlicher mit der Klimakrise beschäftigt und mit der Klimapolitik. Und wenn das funktioniert, dass unter anderem über mich berichtet wird, dann ist es halt so. Ich bin ja nur eine von vielen.

heute.de: Nach Umfragen glauben sehr viele Menschen, dass Weltklimakonferenzen nichts bringen. Wie sehen Sie das?

Neubauer: Ich glaube, wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass die COP die Klimakrise lösen wird. Die großen Fragen der Zukunft werden nicht auf der COP vollständig angegangen werden. Was wir brauchen, sind ganz, ganz viele Räume und Formate, die die COP ergänzen.

Gleichzeitig sind wir junge Menschen hier, weil wir an das Paris-Abkommen appellieren und das ist ja ein Outcome von diesen ganzen COPs. Das heißt: Es aufzugeben, Menschen zusammenzubringen, nur weil es schwierig ist, kann nicht der Ansatz sein. Und ich fände es fatal, würden wir aufhören zu reden.

heute.de: Was muss denn hier in Madrid passieren, dass Sie sagen: Die Konferenz ist ein Erfolg?

Neubauer: Wir brauchen Staaten auf der ganzen Welt, die sich jetzt entschließen, progressive Klimapolitik umzusetzen, gerechte Klimapolitik umzusetzen. Wir stellen gerade hier auf dieser COP fest, dass es weltweit gerade keinen Staat gibt, der sagt: Wir legen mal los und ihr könnt dann gucken, ob ihr nicht mitmachen wollt. Es gibt niemanden, der gerade die große klimapolitische Party eröffnet. Es gibt vor allem Staaten, die sich hier darum drücken, Verantwortung zu übernehmen. Und das ist eine Katastrophe.

Das Interview führte Mark Hugo von der ZDF-Umweltredaktion

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