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AfD-Politikerin Cotar im Gespräch - "Ein antisemitischer Kurs hat keinen Platz in Deutschland"

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Die ehemalige CDU-Politikerin Joana Cotar ist 2013 in die AfD eingetreten. Dort gehört sie zu den schärfsten Kritikern Björn Höckes. Im ZDFzoom-Interview erklärt sie, warum.

Die Bundestagsabgeordnete Joana Cotar ist 2013 in die AfD eingetreten. Zuvor war sie Mitglied der CDU und gehörte dem Vorstand der CDU Mannheim an. In der AfD gehört sie zu den Kritikern des Flügels und des Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke.

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4 min
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heute.de: Glauben Sie, die AfD hat perspektivisch eine Chance, eine Zukunft, jenseits von einem bürgerlichen Kurs - glauben Sie, dieser Kurs, der beispielsweise von Herrn Höcke, von anderen, von Gedeon, Mandic, Baum vorgegeben wird - meinen Sie, dass das ein Kurs ist, der die AfD nach vorne bringt oder der in der AfD mehrheitsfähig ist?

Joana Cotar: Na ja, erstens ist er nicht mehrheitsfähig, das ist absolut klar. Und zweitens ist das ein Kurs, der ins Verderben führt, und zu Recht ins Verderben führen würde.

heute.de: Warum glauben Sie, dass dieser Kurs von Herrn Höcke und Protagonisten des Flügels nicht weiter führt?

Und dann gibt es halt Leute, wie einen Herrn Gedeon, der sich vollkommen außerhalb der AfD-Prinzipien bewegt. Ich weiß nicht, was der Mann noch in der Partei möchte.

Cotar: Es gibt unterschiedliche Protagonisten des Flügels. Es gibt welche, mit denen kann man gut reden. Das sind vernünftige Flügeler. Von denen erwarte ich aber auch, dass sie rechts die Grenze ziehen. Dass sie sagen 'Bis hierhin und nicht weiter'. Das passiert mir in der AfD noch nicht gut genug. Das müssen wir stärker bekräftigen. Und dann gibt es halt Leute, wie einen Herrn Gedeon, der sich vollkommen außerhalb der AfD-Prinzipien bewegt. Ich weiß nicht, was der Mann noch in der Partei möchte. Und dass so ein Kurs nicht gefahren werden kann, das ist gesunder Menschenverstand. So ein antisemitischer Kurs, der hat keinen Platz in Deutschland. Ganz einfach.

heute.de: Die AfD steht ja sehr stark in der Kritik, eine fremdenfeindliche, eine völkische Partei zu sein. Wie gehen Sie persönlich als Politikerin damit um?

Cotar: Also ich persönlich kann es kaum ernst nehmen. Schauen Sie mich an. Ich bin selber nicht in Deutschland geboren. Ich bin in Rumänien geboren. Die AfD hat mich trotzdem aufgestellt für den Bundestag. Sie haben mich in den Bundestag gewählt. Meine Fraktion hat mehr Abgeordnete mit Migrationshintergrund als CDU/CSU oder die FDP. Wir haben überhaupt gar keine Probleme mit Ausländern in der Partei und auch mein Büro, wenn Sie es sich angucken, mein Büroleiter ist Halb-Kroate, ich habe jemanden, der den Videoschnitt macht, der kommt aus Aserbaidschan, ich habe einen Österreicher im Büro. Wir sind ein Multikulti-Büro. Der Vorwurf läuft ins absolut Leere.

heute.de: Warum haben Sie den Appell unterzeichnet?

Cotar: Mir brannte das schon länger auf der Seele, dass ich das, was da in Thüringen passiert, gerade mit diesen Aufmärschen, mit den Fahnenmeeren, mit dem Sich-feiern-lassen - dass mir das nicht passt. Das passt auch nicht zur AfD. Diese großartigen Auftritte, dieser Kult, der um eine einzige Person gemacht wird. Und teilweise auch das, was inhaltlich gesagt wird, ist nicht meins.

Ich habe mich maßlos darüber geärgert, dass der Bundevorstand so kritisiert worden ist - und auch unsere Bundesschiedsgerichte, die ja unabhängig agieren, dass der Höcke die so massiv angegangen ist in der Öffentlichkeit. Und da habe ich gedacht, wer öffentlich so Kritik äußert, der muss dann auch öffentlich Kritik mal zurückbekommen. Es wird Zeit, dass die Bürgerlichen in der Partei sagen: Es gibt eine Grenze und bis hierhin akzeptieren wir das dann halt nicht mehr.

heute.de: Was ja intensiv kritisiert wurde an dem Appell der 100 - man hat gesagt, das sind Leute, die stören sich an dem Personenkult von Herrn Höcke, haben aber inhaltlich an Höcke überhaupt nichts auszusetzen. Ich glaube es ist ein Gebot der Fairness, genau diese Frage mal zu stellen. Ist es denn nur der Führerkult oder gibt es bei Ihnen auch inhaltliche Positionen, wo Sie sagen, da vertritt Herr Höcke Punkte, wo Sie nicht mitgehen als AfD-Politikerin?

Also wenn er (Höcke) über den afrikanischen Ausbreitungstypus philosophiert, dann gehe ich definitiv nicht mit. Da geht auch die Wissenschaft nicht mit. Das sind so Sachen, wo ich sage, was soll das?

Cotar: Naja, also wenn er über den afrikanischen Ausbreitungstypus philosophiert, dann gehe ich definitiv nicht mit. Da geht auch die Wissenschaft nicht mit. Das sind so Sachen, wo ich sage, was soll das? Das bringt uns überhaupt kein Stück weiter. Das schadet der AfD und es ist wie gesagt, falsch. Und damit möchte ich auch nicht in Verbindung gebracht werden.

Und ich bin es ehrlich gesagt leid, wenn ich Interviews führe, in einer Phönix-Runde sitze oder irgendwo anders in Podiumsdiskussionen, mich immer für Äußerungen zu entschuldigen, die ich nicht selber getätigt habe. Nicht, weil mir das selber auf die Nerven geht, sondern weil ich keine Zeit habe unsere politischen Positionen darzulegen. Und ich möchte ganz gerne inhaltlich reden. Ich möchte den Leuten erklären, für was steht die AfD. Und stattdessen werde ich immer damit konfrontiert: Aber der Herr Höcke hat gesagt, oder der Herr Mandic hat gesagt oder das. Und das bin ich, ehrlich gesagt, wirklich leid.

heute.de: Zu dem ganzen Schwerpunkt noch zwei Fragen. Die eine Frage ist: Wie glauben Sie denn, diese Befürchtung, die jetzt geäußert wurde, gerade nach der Brandenburg-Wahl, nach der Sachsen-Wahl, der Flügel würde die AfD übernehmen, die AfD schlucken. Wie realistisch ist das? Sie kennen die Machtverhältnisse als Insiderin.

Cotar: Also das ist überhaupt nicht realistisch. Also wir müssen wirklich mal auf die Zahlenverhältnisse gucken. Ein Herr Höcke, zum Beispiel, ist Vorsitzender von der AfD Thüringen. Die haben genauso viele Mitglieder wie ein Bezirksverband in NRW. Also vielleicht sollte man mal den Blick von Thüringen wegnehmen, mal gucken was macht denn Herr Lucassen in NRW. Was macht eine neu gewählte Corinna Miazga in Bayern, oder was machen ein Robert Lambrou und ein Klaus Herrmann in Hessen? Das sind ganz andere Figuren in der AfD. Das sind große Landesverbände, die eine komplett andere Richtung vertreten. Und die AfD ist eine bürgerliche Partei und wird eine bürgerliche Partei bleiben.

Das Interview führte Rainer Fromm

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