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NPD-Demo gegen Journalisten - "Ein neues Level an Bedrohung"

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Die NPD will in Hannover gegen mehrere Journalisten demonstrieren - auch gegen den NDR-Reporter Julian Feldmann. Im Interview spricht er von einem neuen Level an Bedrohung.

Rechtsextremer Demonstrant. Archivbild
Die NPD will heute in Hannover gegen Journalisten aufmarschieren
Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa

heute.de: Die NPD ruft zu einer Demonstration namentlich auch gegen Sie auf was, geht in Ihnen vor?

Julian Feldmann: Man ist schon ein Stück weit erschrocken, wenn man das zum ersten Mal liest und den Flyer der NPD sieht, wo das Bild von einem drauf ist und rot durchgestrichen ist. Das ist schon einer neuer Schritt, ein nächstes Level an Bedrohung.

heute.de: Welche Formen der Einschüchterung haben Sie bislang erlebt?

Feldmann: Wenn man zur Neonazi-Szene oder rechtsextremen Szene recherchiert, ist man Anfeindungen unterschiedlichster Art ausgesetzt. Beleidigungen, Anfeindungen bei Demos bis hin zu direkten Drohungen per Mail, da wird einem bei Veranstaltungen auch einmal mit einer Hals abschneiden Geste gedroht. Das gehört mittlerweile dazu.

heute.de: Wie gehen Sie damit um?

Feldmann: Man versucht darüber hinwegzugehen, überlegt aber auch, ob man noch hingeht, zu bestimmten rechtsextremen Organisationen. Man muss sich eng mit der Redaktion abstimmen, eventuell noch einen Kollegen mitnehmen. Man achtet sehr auf Sicherheit, wie man an- und abreist.

Das Interview im Video

heute.de: Hat die Demonstration am Samstag eine neue Qualität?

Feldmann: Es ist das erste Mal, dass bei einem Aufruf explizit Namen von Journalisten genannt werden. Mit der Demonstration soll vor den NDR in Hannover gezogen werden.  Aus den letzten Jahren kennt man die Radikalisierung der rechten Szene. Bürgermeister werden bedroht, es gibt Bedrohungen bis vor die Haustür. Das reiht sich ein in die Radikalisierung der circa letzten fünf Jahre.

heute.de: Wird die rechte Szene aggressiver?

Feldmann: In den letzten fünf Jahren herrscht gegenüber Journalisten eine aggressivere Stimmung. Das hat man bei rechten Kundgebungen aller Art gesehen, ob Pegida oder auch AfD-Demos. Kollegen werden beleidigt oder angegriffen. Es ist sehr aggressiv geworden, allerdings auch gesamtgesellschaftlich.

heute.de: Werden Sie von Sicherheitsbehörden geschützt?

Fldmann: Ich stehe mit ihnen im Kontakt. Ich muss im Vorfeld viel planen, damit ich nicht angegriffen werde.

heute.de: Warum macht die NPD gerade jetzt Stimmung gegen Sie?

Es hat ihnen nicht gefallen, wenn man an einen ihrer Helden herangeht
Julian Feldmann, NDR-Journalist

Feldmann: Die NPD begründet das in ihrem Aufruf durch ein Interview von mir und einem Kollegen mit einem ehemaligen SS-Mann, welches wir im letzten Jahr geführt haben. Es hat ihnen nicht gefallen, wenn man an einen ihrer Helden herangeht. Wir haben ganz offen mit dem ehemaligen SS-Mann Karl M. ein Interview geführt, was wir dann bei Panorama (Sendung des NDR, Anm. d. Red.) gesendet haben. Und darin hat er beispielsweise den Holocaust relativiert oder geleugnet. Er sprach über ein Massaker, an dem er selbst beteiligt war, die Opfer hat er verhöhnt. Das gefiel der rechtsextremen Szene nicht.  Aus diesem Grund geht man jetzt gegen mich auch die Straße.

Es hat ihnen nicht gefallen, wenn man an einen ihrer Helden herangeht
Julian Feldmann, NDR-Journalist

(NDR-Sendung, Anm. der Red.) gesendet haben. Dort hat er zum Beispiel den Holocaust geleugnet. Er sprach über ein Massaker, an dem er selbst beteiligt war, hat die Opfer verhöhnt ein Stück weit. Das gefiel der rechtsextremen Szene nicht. Aus diesem Grund geht man jetzt gegen mich auch die Straße.

heute.de: Karl M. soll nicht gewusst haben, dass Sie vom Fernsehen kommen, behauptet die NPD. Wie kann das sein?

Feldmann: Wir haben nicht verdeckt gedreht, ganz offen. Wir haben mehrmals gesagt, wir sind vom NDR, das Interview ist für das Fernsehen. Wir hatten eine große Kamera dabei, er wurde verkabelt, ihm war klar, dass er gefilmt wird. Karl M ist im Nachgang für seine öffentlichen Äußerungen Kritik ausgesetzt gewesen, wohl auch in der Gemeinde, wo er gewohnt hat. Dass ihm das nicht gefällt, kann ich verstehen. Wir haben dann mit Anwohnern aus seiner Heimat in Nordstemmen gesprochen, auch dort hat er nie mit seiner Meinung hinter dem Berg gehalten. Viele wussten, wie er tickt und von seinen Kriegsverbrechen. Uns gegenüber hat er nie gesagt, dass das Interview unrechtmäßig zustande gekommen sein soll. Als Referent ist er auch aufgetreten, er erzählte diese Dinge vor 120 Rechtsextremisten, nicht nur im stillen Kämmerlein.

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heute.de: Welche Bedeutung hatte Karl M., der mittlerweile verstorben ist, in der rechten Szene?

Feldmann: Er ist als Held verehrt worden. Er trat auf, vor 120 Neonazis. Es gab Treffen mit jungen Kammeraden. Die alten SS-Leute, die auftreten, haben eine große Bedeutung als Zeitzeugen - ihre Sicht auf die Dinge zu verbreiten, ihre Kriegswahrnehmung. Karl M. wird verehrt wie ein Held, obwohl er an einem Massaker beteiligt war. Er unterschrieb Autogramme, posierte mit Protagonisten aus der rechten Szene auf Fotos. Er ist der Held, einer der letzten, die dabei gewesen sind - bei der Waffen-SS.

heute.de: Welchen Einfluss hat die NPD zurzeit?

Feldmann: Die NPD hat nur lokal eine Bedeutung. In Niedersachsen hat sie flächendeckend keine Bedeutung mehr, es gibt einzelne Mandatsträger, die sehr aktiv sind. Das Wählerpotential ist zur AfD abgewandert.

heute.de: Trotzdem schaffen sie viele Menschen zu mobilisieren?

Feldmann: Das ist die  Infrastruktur der Partei, nicht das Wählerpotential.

heute.de: Hat sich die Bedeutung der NPD durch die sozialen Medien verändert?

Feldmann: Wegen des gescheiterten Verbotsverfahrens geht die NPD Themen offensiver an.  Ihr ist eine Verwandtschaft mit dem historischen Nationalsozialismus bescheinigt worden. Sie können jetzt radikal auftreten.

heute.de: Hat die Demonstration in Hannover daran etwas geändert, wie Sie in Zukunft berichten werden?

Feldmann: Ich hoffe nicht. Das sagt sich leicht, aber es sollte keinen Einfluss haben, wir werden auch weiter berichten.   

Das Interview führten Elisabeth Schmidt und Sabine Rühmann

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