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"Raumfahrt hat schon immer eine Brückenfunktion gehabt"

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Neue ISS-Mission - "Raumfahrt hat schon immer eine Brückenfunktion gehabt"

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Die neue ISS-Mission ist aus mehreren Gründen eine besondere. René Pischel, Leiter der ESA-Vertretung in Moskau, über aktuelle Herausforderungen - und warum Raumfahrt verbindet.

ISS Raumstation
Quelle: NASA / Reuters

heute.de: Zur Besatzung gehören der Russe Alexej Owtschinin und der Nasa-Astronaut Nick Hague. Mit welchen Gefühlen fliegen die beiden heute ins All, nachdem am 11. Oktober ihr Flug zur ISS nach wenigen Sekunden aufgrund technischer Probleme abgebrochen wurde?

René Pischel: Also ich denke, dass die ganze Crew extrem fokussiert ist. Und sie ist sehr froh, dass es jetzt losgeht. Und natürlich ist es besonders wichtig, dass sie nach diesem Unfall im Oktober sofort wieder zum nächsten Schritt gehen. Und ich glaube: Sie sind sehr froh, dass sie nach so kurzer Zeit schon wieder fliegen können.

heute.de: Im Verlauf der für 204 Tage geplanten neuen Mission sind einige Höhepunkte zu erwarten. So wird im Juli die von SpaceX entwickelte Rakete Crew Dragon zwei Nasa-Astronauten zur ISS bringen. Und im August soll erstmals der von Boeing entwickelte Starliner an der Station andocken. Ist damit das seit 2011 bestehende Monopol der russischen Seite für die Beförderung von Astronauten zur ISS gebrochen?

René Pischel, ESA-Vertreter in Moskau
René Pischel, ESA-Vertreter in Moskau
Quelle: ZDF

Pischel: Wenn alle Tests gut verlaufen, dann sicherlich - klar! Dann wird es sich halt ergeben, dass es auch andere Möglichkeiten geben wird, um Crews von Bord der ISS zurückzubringen. Aber das ist, glaube ich, für alle Beteiligten eine extrem gute Nachricht. Auch für Roskosmos, weil es nie vorgesehen war, dass für den Transport zur ISS nur einer zuständig ist. Und es ist immer besser, mehrere Systeme zu haben, falls eines doch einmal einen Fehler hat oder Probleme aufweist.  

heute.de: Für die ESA eröffnen sich mit den neuen US-Raumschiffen neue Perspektiven. Können Sie diesbezüglich schon einige Aussichten skizzieren? Bedeutet dies beispielsweise, dass die ESA-Astronauten nun ein größeres Ausbildungspensum bewältigen müssen?

Pischel: Wahrscheinlich wird das bedeuten, dass die nächsten ESA-Astronauten dann mit amerikanischen Raumschiffen zur ISS fliegen werden. Es gibt aber zunächst noch einmal einen letzten Start eines ESA-Astronauten im Juli von Baikonour aus. Und danach wird man halt sehen … . Wobei sicherlich auch klar ist, dass es nach wie vor Situationen geben wird, in denen russische Kosmonauten in amerikanischen Raumschiffen mitfliegen und umgekehrt. Einfach aus Sicherheitsgründen, um in der Lage zu sein, falls irgendetwas passiert, und um die Möglichkeit zu haben, mit dem jeweils anderen Raumschiff zur Erde zurückzukehren.

Hinsichtlich des Ausbildungsumfangs: Alles hängt immer von der Aufgabenstellung des jeweiligen Astronauten ab. Der Kommandant eines Raumschiffs muss sicherlich mehr trainieren als jemand, der - sagen wir einmal - Mitflieger ist. Und es ist schon jetzt so, dass alle Astronauten in den jeweils anderen Trainingszentren trainieren, um Redundanzen zu haben und zu wissen, wie man mit der jeweils anderen Ausrüstung umgehen kann.

heute.de: Der Start der neuen Mission zur ISS erfolgt vor dem Hintergrund der akuten Verschlechterung der russisch-amerikanischen Beziehungen. Wie erklären Sie dieses Phänomen, dass auf dem Gebiet der Raumfahrt die Zusammenarbeit zwischen den Russen und Amerikanern nicht eingestellt wurde?

Die Raumfahrt hat schon immer eine Brückenfunktion gehabt. Das war auch zu Zeiten des Kalten Krieges so.
René Pischel, ESA

Pischel: Die Raumfahrt hat schon immer eine Brückenfunktion gehabt. Das war auch zu Zeiten des Kalten Krieges so. Sie erinnern sich sicher an das Sojus-Apollo-Unternehmen von 1975. Und hinzukommt, dass die ISS so lange Möglichkeiten für die Zusammenarbeit bietet. Und das wirklich Positive dabei ist, dass alle beteiligten Partner im Prinzip jeden Tag gezwungen sind, technische Probleme zu lösen. Es müssen Kompromisse gefunden werden, weil beispielsweise die ingenieurtechnischen Herangehensweisen sich doch unterscheiden. Und völlig abgesehen von der Politik ist man hier gezwungen zusammenzuarbeiten. Und das klappt seit 20 Jahren hervorragend.

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