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"In Saudi-Arabien stehe ich auf einer schwarzen Liste"

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Flucht nach Deutschland - "In Saudi-Arabien stehe ich auf einer schwarzen Liste"

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Rana Ahmad musste wegen ihrer Abkehr vom Islam aus Saudi-Arabien nach Deutschland fliehen. Im ZDF erzählt sie, was ihr bei einer Rückkehr passieren würde. Und was sie hier genießt.

Rana Ahmad ist Atheistin und musste deshalb aus Saudi-Arabien nach Deutschland fliehen.

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2 min
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heute.de: Wie sah ein Leben in Saudi-Arabien als junge Frau aus?

Rana Ahmad: Es bestand aus Essen und Schlafen. Es ist sehr traurig, aber es ist die Realität als muslimische Frau in einem Land wie Saudi-Arabien oder auch in anderen arabischen Ländern. Das radikalste Beispiel ist aber Saudi-Arabien. Die Familien machen den Frauen so viel Druck. Viele Frauen dürfen nicht frei heiraten oder überhaupt arbeiten. Sie müssen zu Hause bleiben, putzen, schlafen, kochen und essen.

heute.de: Welche Gefühle hatten Sie als Sie als klar war: Sie sehen ihre Familie nie mehr?

Ahmad: Das war der schwerste Punkt bei meiner Flucht. Ich hatte jetzt alles zusammen, mein Plan funktionierte gut und dann kam am Ende die Entscheidung, meine Familie verlassen zu müssen. Es war sehr schwer, sie zu verlassen. Arabische Frauen bleiben nämlich immer bei der Familie - und wir haben dieses Denken, dass unser Leben nicht ohne unsere Familie funktioniert.

Ein weiterer, schwerer Punkt war auch mein Vater. Er war immer sehr lieb und nett zu mir. Er hat mir immer geholfen. Über die Beziehung zu meinem Vater habe ich auch in meinem Buch geschrieben. Die letzten Tage in Saudi-Arabien wollte ich ihn in den Arm nehmen und ihm "Tschüss" sagen.

Rana Ahmad während ihrer Flucht
Rana Ahmad während ihrer Flucht.
Quelle: Rana Ahmad

heute.de: Woher haben Sie den Mut?

Ahmad: Wenn man über ein, zwei, drei Jahre Angst hat, dann ist sie irgendwann fort. Am Ende fühlst du in deinem Körper gar keine Angst mehr. Sie wollen mich ermorden? Kein Problem. Ich habe überhaupt keine Angst. Das ist der Vorteil, wenn man in Saudi-Arabien, in einem muslimischen Land, lebt.

heute.de: Hat Ihre Familie durch Ihre Flucht Schwierigkeiten im Land?

Ahmad: Ich glaube schon, ja. Manche saudische Frauen verlassen das Land und wollen es auf sich beruhen lassen. Aber ich habe das Gefühl, dass ich etwas tun muss. Ich muss anderen helfen. Und ich muss auch etwas verändern. Ich glaube, ich habe den Mut, etwas zu verändern.

heute.de: Könnten Sie zurück nach Saudi-Arabien?

Ahmad: In Saudi-Arabien stehe ich jetzt auf einer schwarzen Liste. Und das nicht nur wegen des Fotos und nicht nur wegen der Bücher. Ich kritisiere auch immer die saudische Regierung."

heute.de: Was würde Ihnen passieren?

Ahmad: Ich glaube, sie würden mich schnell ermorden.

heute.de: Und ihre Familie könnte Sie nicht schützen?

Ahmad: Nein, auf keinen Fall. Mein Bruder wollte sogar bis vor drei Monaten jemanden in Deutschland finden, der mich gegen Bezahlung ermordet.

heute.de: Und wie waren die kleinen Momente, die für uns hier im Westen normal sind, die wir überhaupt nicht hinterfragen - den Schleier zu lüften, seine Haare zu zeigen, Sonnenlicht auf der Haut zu spüren?

Ahmad: Wenn ich durch Deutschland laufe, die Sonne rauskommt und der Wind kommt, dann mache ich es bis heute wie ein Kind und wirble mit den Haaren. Die anderen Leute schauen dann nur und fragen sich, was mit mir los ist.

Die anderen Leute schauen dann nur und fragen sich, was mit mir los ist.

Ich genieße diese Momente. Ich habe zwar manchmal Stress auf der Arbeit und Stress mit anderen Problemen. Aber wenn der Wind kommt, dann vergesse ich alles. Ich bin frei. Ich benehme mich wie ein Kind und genieße diese Momente. Es hat mich so viel gekostet hier zu leben, aber niemand kann verstehen wie schön das ist.

heute.de: Und jetzt erzählen Sie uns freudestrahlend von Sonnenlicht und dieser Freiheit, die sie hier spüren. Das ist doch trotzdem hier auch gefährlich?

Ahmad: Ja, es ist gefährlich. Aber es ist schön, ich bin einfach frei. Das ist das Leben, von dem ich so lange geträumt habe. Ich kann eine selbstständige Frau sein, die alle ihre Sachen in ihrem Leben selbst bestimmt.

Ich arbeite, ich studiere, ich wohne alleine. Ich entscheide, wann und wo ich hingehe. Für manche Leute ist das ein normales Leben, aber für mich war es ein großer Traum. Und auch andere Frauen in Saudi-Arabien haben diesen Traum.

heute.de: Wie ist das Leben hier? Wie fühlt es sich an hier in Deutschland?

Ahmad: Ich fühle mich als Deutsche. Immer wenn ich das sage, dann lachen die Leute. Aber das ist mein Land und das sind meine Menschen. Ich wollte immer hier sein. Man kann arbeiten, man kann studieren, man kann alles machen. Man kann hier wirklich frei sein.

Das Interview führte Julia Lösch.

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