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Spielzeugmesse Nürnberg - "Bewegung macht schlau"

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Im heute.de-Interview erklärt Forscher Harald Lange, weshalb sich sein Team auf der Nürnberger Spielzeugmesse tummelt und warum Bewegung der Schlüssel zum Verstehen der Welt ist.

Zwei Mädchen auf Rutschfahrzeugen am 26.01.2018 in Nürnberg
Bewegung ist Trumpf: Zwei Mädchen testen Rutschfahrzeuge auf der Spielwarenmesse
Quelle: dpa

heute.de: Was machen Sie und Ihr Team von Sportwissenschaftlern auf der Spielzeugmesse in Nürnberg?

Harald Lange: Wir suchen nach innovativen Spielzeugideen, die Kinder zum Bewegen animieren oder über Bewegung Spaß machen. Außerdem wollen wir mit Herstellern und Erfindern sprechen und Ideen austauschen, weil wir wissen möchten, an welchen Themen sie gerade arbeiten. Schließlich möchten wir das Angebot an Spielzeugen immer auch beeinflussen, denn wir verstehen uns als Anwälte für das Thema Bewegung.

heute.de: Sie haben das Qualitätssiegel "Bewegte Innovation" entwickelt. Mit welchem Ziel?

Lange: Viele Forschungsergebnisse deuten unmissverständlich darauf hin, dass für Kinder die Bewegung der Schlüssel zum Verstehen der Welt ist. Viele, auch noch weithin unbekannte Unternehmen, leisten in diesem Feld Hervorragendes - deshalb wollen wir sie fördern. Durch das Siegel kommen wir in guten Kontakt mit engagierten Herstellern, die in der pädagogischen Qualität ihrer Produkte einen Markenkern sehen. Wir tauschen Wissen aus, gehen Kooperationen ein und lernen voneinander. Das ist sowohl für mich als auch für meine Doktoranden und Studierenden enorm interessant.

heute.de: Welche Bedeutung hat das Spielzeug genau für die gesunde Entwicklung der Kinder?

Lange: Es gibt aus sportpädagogischer Sicht mehrere Wirkungen: So werden die Kinder kräftiger, ausdauernder und koordinativ geschickter. Außerdem gibt es Auswirkungen auf die soziale, kognitive und emotionale Dimension der kindlichen Entwicklungen.

heute.de: Was bedeutet das genau?

Lange: Die Kinder erfahren den Wert gemeinsamer Problemlösungen und wachsen durch eine entsprechend geplante Bewegungsförderung als Gruppe und Team immer besser zusammen. Darüber hinaus profitiert aber auch die Gehirnentwicklung und das kognitive Vermögen der Kinder durch Bewegungsaufgaben, in denen Aufgaben für das Wahrnehmen des Raums oder  im Zusammenhang mit dem Entdecken und Nutzen neuer Wege zu lösen sind. Mit anderen Worten: Bewegung macht schlau!

heute.de: Und was hat es mit den Emotionen auf sich?

Lange: Einflüsse auf die emotionale Entwicklung von Kindern zeigen sich dahingehend, dass sich Kinder im Spiel und beim Ausnutzen ihrer Bewegungsräume einfach wohl fühlen. Sie haben Freude beim Lösen von Bewegungsproblemen, werden immer neugieriger im Ausprobieren neuer Aufbauten und Aufgaben. Sie haben Spaß an diesem Spiel und sind deshalb ausgeglichen. Sie können sich selbstbestimmt belasten und auspowern und finden im Wechsel aus Ruhe und Anspannung den Ausgleich, der für emotionales Wohlbefinden steht.

heute.de: Immer wieder gibt es Berichte über "Spielzeug-Schrott" auf dem Markt, das Kindern eher schadet. Worauf sollten Eltern Ihrer Meinung nach achten bei der Auswahl von Bewegungsspielzeug?

Lange: Das Spielzeug muss die Kinder regelrecht auffordern zum Spielen. Gelegenheiten bieten, dass sich Kinder in das Spiel vertiefen und immer wieder Neues daran entdecken. Es muss sie binden, anstrengen und Lust machen. Dabei müssen nicht immer spektakuläre Kunststücke oder intensive Bewegungen mit dem Spielzeug ausgeführt werden.

heute.de: Sondern?

Lange: Ein Balanceboard zum Beispiel bleibt immer auf der Stelle und fordert die Kinder permanent auf, das Gleichgewicht zu justieren. Ein gutes Jojo stellt wunderbare Anforderungen an die Konzentration und Geschicklichkeit und ein guter Holzbaukasten regt die Raumvorstellung an und stellt Anforderungen im Bereich der Feinmotorik. Allesamt Aufgaben, die sehr wertvoll, aber wenig schweißtreibend sind.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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