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Sinkendes Vertrauen in die USA - "Trump legt Axt an Fundament"

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Das ZDF-Politbarometer zeigt: Das Vertrauen in die Verlässlichkeit der USA als Partner schwindet. Woran das liegt, erklärt Außenpolitik-Experte Stefan Meister.

Donald Trump am 15.05.2018 in Washington
Donald Trump
Quelle: ap

heute.de: Woran liegt es, dass die Befragten im ZDF Politbarometer Russland und China als verlässlichere Partner ansehen als die USA?

Stefan Meister: Grundsätzlich liegt das natürlich an US-Präsident Donald Trump, der ein sehr schlechtes Image hat in Deutschland und im Grunde auch alles dafür tut, ein noch schlechteres Image zu bekommen. Er ist extrem unberechenbar und erratisch. Ihm gegenüber wirken Personen wie Xi Jinping in China oder Wladimir Putin in Russland eher berechenbar und strahlen eine gewisse Zuverlässigkeit aus.

Das hängt sicher aber auch mit einem wachsenden Antiamerikanismus in der deutschen Gesellschaft zusammen. Wenn Sie sich die Umfrage anschauen, sehen Sie ja zum Beispiel bei den AfD-Anhängern noch viel höhere Werte. Auch bei der Linkspartei ist das so. Da sehen Sie auch, dass bestimmte Gruppen eher russlandfreundlich und eher antiamerikanisch eingestellt sind. Genau in diese Kerbe schlägt Trump rein und bestärkt diese Gefühle.

heute.de: Hat das auch etwas mit der medialen Berichterstattung zu tun, Trump ist ja weitaus häufiger und oft negativ in den Nachrichten?

Meister: Wladimir Putin erscheint auch oft negativ in den Nachrichten, aber natürlich ist Trump sichtbarer in den Medien. Die USA sind als Thema bei uns einfach größer als Russland. Das Interessante ist doch, dass viele Deutsche bei Putin das Gefühl haben, dass er zu negativ in den Medien dargestellt wird und bei Trump hat man dieses Gefühl eher nicht. Es gibt also so ein grundsätzliches Gefühl in wichtigen Teilen der deutschen Gesellschaft, dass man Russland näher ist, dass Russland ungerecht behandelt wird. Ich glaube, dass das auch schon länger im Hintergrund vorhanden ist, ein grundsätzlich positiveres Gefühl gegenüber Putin und Russland aus ganz unterschiedlichen Gründen. Die Amerikaner werden langsam immer negativer gesehen, und Trump bestätigt eben genau diese negativen Stereotypen.

heute.de: Steckt dahinter eventuell auch ein Plan des Kremls, also will Russland diese Gefühle in seine Richtung beeinflussen und sich selbst als stabilen Partner inszenieren?

Meister: Russische Medien und auch russische Akteure im Informationsbereich spielen ja genau mit diesen Gefühlen der deutschen Gesellschaft. Wenn Sie sich russische Auslandsmedien oder die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken anschauen, dann wird eben genau auf dieser Klaviatur gespielt: die Unsicherheit mit den Amerikanern, die Instabilität, die Migrationsströme ausgelöst haben. Demgegenüber steht Putin, der Stabilität ausstrahlt und ungerecht behandelt wird. Es einen Plan zu nennen, ist vielleicht etwas übertrieben, aber es gibt eben eine Strategie, wie man das eigene Image auf Kosten der Amerikaner verbessert, und eben auch die Schwächen der EU und die Ressentiments gegen ihre Institutionen noch verstärkt.

Putin hat es geschafft in den letzten Jahren, aufgrund von amerikanischer Schwäche und auch Fehlentscheidungen im Irak, in Libyen und in Syrien, sich selbst als Stabilitätsanker erscheinen zu lassen. Das ist einfach auch eine Art Imagekampagne, auch in Form von Desinformation.

heute.de: Kommen wir zur wohl schwierigsten Frage: Wie ist es denn wirklich - sind Russland und China die verlässlicheren Partner für Deutschland?

Meister: Grundsätzlich haben wir immer noch viel mehr übereinstimmende Interessen mit den USA. Wir sind auch ökonomisch und sicherheitspolitisch viel enger mit den USA verbunden als mit China oder Russland. Wir sind gemeinsam in der NATO und in vielen anderen internationalen Institutionen, aber: Genau diese Verbindung schwächt Donald Trump im Moment mit seinen Entscheidungen. Die Infragestellung des Internationalen Wirtschaftsfonds (IWF) oder auch der NATO, und auch der schrittweise Rückzug aus Europa in manchen Bereichen. Er legt quasi die Axt an an dieses Fundament.

Uns verbindet aber immer noch unser liberales, offenes Gesellschaftssystem. Da sind wir den USA viel näher als autoritären Staaten wie China und Russland. Die erscheinen zwar im Moment mit ihren Führungskräften verlässlicher, aber wenn Sie sich die genaue Politik dieser Länder anschauen, dann wird China mehr und mehr zu einem Konkurrenten für Deutschland in allen Bereichen, und Russland destabilisiert die europäische Sicherheitsordnung und führt Krieg in der Ostukraine.

Um auf die Umfrage zurückzukommen: So ein Gefühl der Menschen ist immer auch irgendwie real, aber wenn Sie sich die Fakten anschauen, dann verbindet uns im Moment noch sehr viel mehr mit den USA, und da ist in vielerlei Hinsicht auch mehr Verlässlichkeit da, aber Trump schwächt genau das im Moment und stellt es auch in Frage. Spannend wird, wohin sich dieser Trend weiterentwickeln wird.

Das Interview führte Jan Schneider

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