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Neue Klimawandel-Studie - Der Erde droht eine "Heißzeit"

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Düsteres Szenario einer neuen Studie: Durch Rückkopplungsprozesse und Kettenreaktionen droht auch dann eine "Heißzeit", wenn das sogenannte Zwei-Grad-Ziel erreicht wird.

Jonathan Donges, Physiker und Co-Autor der Studie, erklärt im heute.de-Interview, warum das so kommen könnte.  

Könnte sich der Klimawandel selbst verstärken? Davor warnt eine Studie verschiedener Klimaforscher, sie befürchten eine bevorstehnde „Heißzeit“. ZDF-Umweltredaktionsleiter Volker Angres erklärt den möglichen „Turbo-Effekt“.

Beitragslänge:
5 min
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heute.de: Wie lautet das wichtigste Ergebnis Ihrer Untersuchung?

Jonathan Donges: Unsere Studie zeigt auf, dass ab einer Schwelle von etwa 2 Grad Celsius Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Klima Rückkopplungsprozesse angestoßen werden könnten, die eine selbstverstärkende Klimaerwärmung auslösen könnten. Um einen Sicherheitsabstand zu dieser Schwelle einzuhalten, sollten also die im Pariser Abkommen vereinbarten Anstrengungen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, ambitioniert umgesetzt werden.

Neben der kritischen Zwei-Grad-Schwelle gehen wir auch auf weitere Faktoren wie die andauernde Zerstörung von Ökosystemen und Biodiversität durch den Menschen ein, die die Klimaerwärmung auf komplexe Weise weiter verstärken könnten.

heute.de: Wodurch wäre eine so genannte "Hothouse earth", also eine "Heißzeit", charakterisiert?

Donges: Erhöhen sich die Treibhausgasemissionen weiter wie bisher, ist mit einem Temperaturanstieg um etwa vier bis fünf Grad bis Ende des 21. Jahrhunderts zu rechnen. Dabei ist mit deutlich häufigeren und stärkeren Extremereignissen wie Hitzewellen, Dürren und Überflutungen zu rechnen.

Ein Trend, der sich schon heute bei einer Erderwärmung von etwa einem Grad über dem vorindustriellem Niveau abzeichnet. Der Meeresspiegel würde bis zum Ende des Jahrhunderts bis zu einem Meter ansteigen. Ein Meeresspiegelanstieg von zehn bis 60 Metern stellt sich wegen der trägen Eismassen erst im Laufe von einigen Jahrtausenden ein.

Temperaturanomalie
Temperaturanomalie Quelle: DWD

heute.de: Ausschlaggebend für den Hothouse-Effekt sind Rückkopplungsprozesse des Erdsystems und so genannte Kippelemente. Was bedeutet das genau?

Donges: Der Grönländische Eisschild ist ein gutes Beispiel für die in der Studie diskutierten Kippelemente: Schmilzt der Eisschild durch Erwärmung weiter ab, so verdunkelt sich die Oberfläche Grönlands. Da Felsen, Erde und Staub weniger Sonnenlicht ins All zurückwerfen als Eis und Schnee, wird es noch wärmer - und das Schmelzen schreitet voran.

Dieser Rückkopplungsprozess liegt dem Kippverhalten Grönlands zugrunde. Unsere Studie betrachtet zwei Arten von Rückkopplungsprozessen: Erstens solche, die direkt die Strahlungsbilanz der Erde beeinflussen, wie die für Grönland beschriebene Eis-Albedo-Rückkopplung.

Zweitens gibt es Rückkopplungsprozesse, die den Kohlenstoffkreislauf der Erde beeinflussen und so die Menge an Treibhausgasen in der Atmosphäre und damit die Erwärmung erhöhen können. Dazu gehört zum Beipsiel die Freisetzung von Kohlendioxid und Methan aus tauendem Permafrost oder absterbenden Regenwäldern.

heute.de: Welche Regionen der Erde wären besonders betroffen?

Donges: In einigen Regionen würde es für Menschen durch hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit physiologisch nicht mehr dauerhaft möglich sein, die Körpertemperatur durch Schwitzen zu regulieren. Betroffen davon wäre etwa besonders die Region um den Persischen Golf.

Niederschlagsanomalie
Niederschlagsanomalie Quelle: DWD

heute.de: Klima-Skeptiker behaupten noch immer, Erderwärmungen habe es schon immer gegeben, auch schon lange bevor Menschen auf der Erde lebten. Was entgegnen Sie dem?

Donges: Die Klimaforschung kann heute sehr genau nachweisen, dass die aktuelle Erderwärmung durch den Menschen verursacht wird. Etwa dadurch, dass die zusätzlichen Treibhausgase in der Atmosphäre durch ihren chemischen Fingerabdruck aus den seit der Industrialisierung verbrannten fossilen Brennstoffen stammen müssen.

heute.de: Die Studie benennt Technologien, um der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen und unterirdisch zu speichern. Ist so etwas in absehbarer Zeit realistisch?

Donges: Technologien, um sogenannte negative Emissionen zu erreichen, werden bereits erprobt. Allerdings bisher nur in Prototypen und im kleinen Maßstab. Es wird also wohl einige Jahrzehnte dauern, bis solche Technologien auf globalem Maßstab eingesetzt werden können.

Kritiker erwarten außerdem negative Seiteneffekte auf die Nahrungsmittelerzeugung, da wertvolle landwirtschaftliche Flächen verloren gehen würden, und eine weitere Zerstörung von Ökosystemen. Deshalb sollten wir primär die Ursachen des Problems bekämpfen: die Treibhausgasemissionen. Damit kann schon heute begonnen werden.

Das Interview führte André Madaus

Könnte sich der Klimawandel selbst verstärken? Davor warnt eine Studie verschiedener Klimaforscher, sie befürchten eine bevorstehnde „Heißzeit“. ZDF-Umweltredaktionsleiter Volker Angres erklärt den möglichen „Turbo-Effekt“.

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